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Rundbrief September 2017
 
     
   
     
 

Ein Herz und eine Seele - und der Weg dazu

       
   

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Wallfahrtsgottesdienst 22. 9. 02 / 50 Jahre Bruder Klausen-Pfarrei Gachnang
Überlegungen zur Lesung Phil 2. 1-11 (26. SO Jkr. A)

Wenn eine Pfarrei auf 50 Jahre zurückblickt, darf sie ein bisschen schwärmen. Wie Paulus im Brief an die Philipper. Greift er nicht einen unserer Träume auf? Wir sehnen uns nach einer Gemeinschaft, in der Liebe wie eine Sonne strahlt, in der die Menschen ein Herz und eine Seele sind. Das wünschen wir uns für die Familien, für die Nachbarschaft und die Arbeitsplätze, aber auch für die Pfarrei.

Wenn eine Pfarrei Bruder Klaus 50 Jahre als Patron verehrt, darf sie sich fragen, ob denn dieser Mann, vielleicht zusammen mit seiner Frau Dorothee, helfen kann, einen solchen Traum zu verwirklichen. So sind wir hier im Ranft mit einem fragenden Kopf und einem offenen Herzen. Hier hat Bruder Klaus 20 Jahre lang gelebt, hier lassen wir uns überraschen. - Wir machen zwei Überlegungen:

Zuerst denken wir nach über den Weg, den uns Jesus Christus aufgezeigt hat. Das Merkmal seines Weges ist nicht ‚Macht’, sondern ‚Ohnmacht’. Aber führt Ohnmacht heute noch zum Ziel? Bruder Klaus zeigt uns, dass es geht.

Im zweiten Teil denken wir nach über ‚Gemeinschaft in Einheit und Frieden’.
Dieser uralte Menschheitstraum fasziniert uns Menschen immer noch und immer neu.
Auch dazu finden wir im Leben von Niklaus und Dorothee wertvolle Anregungen. -
Hoffentlich können wir mit vielen Impulsen nach Hause gehen.

I Der Weg Jesu Christi, ist ein Weg der absoluten Machtlosigkeit.

Machtspiele hat es schon früher gegeben. Wenn mein älterer Bruder von mir etwas ertrotzen wollte, hielt er mir die Faust vor die Nase mit der Bemerkung: ‚Schmöck, wie’s tötelet!’ - die damals übliche Drohgebärde bei den Starken. So ernst war es aber doch nicht gemeint. Bekam ich eine Strafe, an der er mitschuldig war, heulte er jeweils auch mit.

Machtspiele gibt es auch heute noch in bunter Fülle: in den Familien und auf dem Pausenplatz, im Fussballstadion und im Betrieb, psychologisch raffinierter auf den Chefetagen der Konzerne. Machtspiele gibt es auch in der Kirche. Oben werden sie lautstark angeprangert, unten mit Stillschweigen zugedeckt.

Angst macht uns seit einem Jahr auch der Terror, der sich globalisiert hat. Hellebarden sind heute ersetzt durch Sprengsätze, Kriegszüge durch Sabotage mit Flugzeugen und ‚schmutzigen Bomben’. Oft fragen wir: Wann trifft es uns?
Auch in der Wirtschaft wachsen Ängste. Globalisierte Konzerne wecken nicht immer Vertrauen. Die Formen der Macht haben sich verändert, das Machtdenken bleibt.

Da zeigt uns Jesus Christus einen andern Weg. Der Herr der Welt müsste zuoberst sitzen, macht sich aber klein wie ein Sklave, lässt sich beschmutzen und verleumden und stirbt wie ein Verbrecher am Kreuz. Der Mächtigste wirft alle Macht von sich. Aber gerade deswegen beugen sich Himmel und Erde vor ihm. Ist das für uns ein gangbarer Weg? Oder halten wir es mit einer Theologin (Li Hangartner), welche die Katholikinnen auffordert, endlich ‚Macht zu zeigen’? -
Beugen auch wir uns dem Gesetz von ‚Druck und Gegendruck’?
Schwenken auch wir in die weltweite ‚Spirale von Hass und Gewalt’ ein?

Nun beobachten wir, welchen Weg Niklaus von Flüe genommen hat

  • Der junge Niklaus von Flüe kannte die Machtspiele der kriegslustigen Innerschweizer Eidgenossen. Auf militärischen Streifzügen genossen sie ausgiebig das Kriegshandwerk: Plündern, Häuser anzünden und über Frauen herfallen. Beispiele waren der Eroberungszug in den Thurgau 1458/1460 und der sog. ‚Saubannerzug’ nach Genf 1477. Selbst Politiker zogen es vor, mit den Hellebarden zu rasseln als zu verhandeln.

  • Er kannte auch die Machtspiele von Richtern, Ratsherren und kirchlichen Amtsträgern. Gegen den eigenen Pfarrer hatte er eine Prozess zu führen.

  • Niklaus weigert sich konsequent, mitzumachen und sucht seinen eigenen Weg nach Gottes Gerechtigkeit zu gehen. Er zieht ‚Ohnmacht’ der Macht vor und gibt auf dem Höhepunkt seiner politischen Tätigkeit alle Ämter ab. Er kann den Filz der Politik nicht mehr ertragen.
  • Nun geht der Weg ans Kreuz. Niklaus gibt Gott das Liebste zurück, seine Familie, Frau und Kinder. Beim Abschied - und noch einmal bei der Rückkehr - setzt er sich dem bösen Gerede seiner Mitbürger aus. Er geht in die Fremde; und das heisst: ‚er geht ins Elend’. So hat man damals gesagt.
  • Genau in diesem Augenblick nimmt Gott sich seiner an und macht sein Leben fruchtbar. Bruder Klaus lebt fortan ohne Speise und Trank. Das Gerede der Landsleute verstummt. Viele Menschen suchen den Weg in den Ranft und finden bei ihm Wegweisung und Trost. Abgesandte von Fürstenhäusern und Politiker aus der Eidgenossenschaft erbitten bei ihm Rat und Vermittlung. Die wichtigste Friedens-Tat bringt er an der Tagsatzung in Stans im Jahre 1481 zustande. Da bewahrt er die ‚Eidgenossenschaft der acht alten Orte’ vor dem Bürgerkrieg. - Der Weg ans Kreuz hat sich gelohnt.

So sehen wir es im Leben von Bruder Klaus. Können wir etwas davon in unser Leben übertragen? - Eine Frage wollen wir beantworten:

Ist unsere Ohnmacht so wirkungslos?

Der Machtmissbrauch des Terrornetzes ‚Al Kaida’ versetzt uns in Angst, ebenfalls die ungeheure Militärmacht der Anti-Terror-Kampagne der USA.
Wir fühlen uns zur Ohnmacht verurteilt. Können wir je etwas für eine bessere Zukunft beitragen? Können wir Spuren in der Welt hinterlassen?

  • Spuren des Hasses und der Zerstörung, wie sie in New York und Afghanistan gelegt wurden und im Heiligen Land immer noch gelegt werden, gibt es genug. Dringend nötig sind Spuren der Liebe in den Herzen der Menschen. Solche Spuren zu legen ist uns möglich, auch wenn wir keine Macht haben. Ich bin überzeugt: Eine Mutter Theresa hat tiefere und dauerhaftere Spuren hinterlassen als alle Terrornetze und Militärmächte zusammen.

  • Auch Bruder Klaus hat auf dieser Ebene gehandelt.
    Die Ratsherren in Stans wollten den Frieden im Bürgerkrieg suchen.
    Er hat zuerst den Frieden mit Gott und den Frieden im eigenen Herzen gesucht - und konnte ‚Frieden’ deswegen auch weiter vermitteln. Diesen Friedensweg zu gehen ist auch uns möglich.

II Der Menschheitstraum von einer Gemeinschaft in Liebe und Einheit

wird von jeder Generation neu geträumt. An einem Schulentlassungskurs bringen Burschen und Mädchen auf eine Zeichnung, was sie sich für die Zukunft erhoffen. Ein Mädchen zeichnet eine sonnige Landschaft, darin ein Kreis fröhlich tanzender Menschen, die jeden aufnehmen und niemanden ausstossen.

Die Wirklichkeit sieht oft anders aus. Heute werden viele Menschen enttäuscht, weil Ehen und Familien auseinanderbrechen, weil Nachbarn einander das Leben sauer machen, weil Futterneid und Missgunst Betriebsgemeinschaften vergiften und weil auch in der Kirche verschiedene Glaubensrichtungen gegeneinander kämpfen. Dazu kommen die offen Kriege in aller Welt gegen Andersdenkende und -glaubende und gegen andere Sprachen und Kulturen. Erinnern wir uns an Ex-Yugoslawien, Zentralafrika und Länder mit Islamistischen Regierungen.

Wie hat damals die Familie von Flüe gelebt? Wie sind Vater und Mutter, Eltern und Kinder miteinander umgegangen? Und was können wir von ihnen lernen?
Leider haben die Chronisten nur wenig über Frau Dorothee und die ganze Familie berichtet. Aber wenn wir zwischen den Zeilen lesen, stellen wir einiges fest:

  • In der Familie von Flüe gibt es nicht nur Lebensernst, sondern auch Freude.
    Noch im Ranft erinnert sich Bruder Klaus an die Beschwingtheit des Tanzens.
    Seiner Frau ist Niklaus in Liebe zugetan. Er spricht von ihr in herzlicher Liebe.
  • Ende 1482 schreibt Bruder Klaus dem Rat zu Bern: ‚Gehorsam ist die grösste Ehr, die es im Himmel und auf dem Erdreich gibt. Darum sollt ihr schauen, dass ihr einander gehorsam seid.’ Dahinter steckt seine Lebenserfahrung.
    ‚Hinhorchen’ heisst - Hören und aufnehmen, was dem andern wichtig ist.
    ‚Einander gehorchen’ heisst - Einen Schritt entgegen gehen und miteinander überlegen, wie man auf die Anliegen beider eingeht. So ist schon der Richter Niklaus von Flüe vorgegangen. So hat er es anderen Menschen vermittelt.
  • Die gleiche Einstellung gilt auch in der Familie von Flüe.
    Niklaus und Dorothee verstehen es, aufeinander zu horchen. Da wird alles gemeinsam besprochen und beschlossen, nichts gegen das andere durchgesetzt. Das gilt auch und vor allem in der Zeit, da Niklaus den drängenden Ruf Gottes vernimmt: ‚Verlass alles, auch das Liebste’. In dieser Not horcht Dorothee aufmerksam, was ihren Mann im Innersten bewegt und Niklaus horcht auf Dorothee und leidet in seinem Herzen durch, das Gott ihr Schweres zumutet. In Ehrfurcht und Liebe finden sie gemeinsam den Weg. Sie ergeben sich - wenn auch unter Schmerzen - dem Willen Gottes.

Auch wir möchten den Zukunftstraum verwirklichen, eine Gemeinschaft mit Atmosphäre und Lebensfreude. Was können wir von Niklaus und Dorothee lernen?

Ein erster Vorschlag: Packen wir das Wort vom ‚Einander Gehorchen’ im Alltag an.
Viele Gelegenheiten bieten sich täglich an. Ich nenne nur ein paar wenige:

  • Wohlwollend nachdenken über eine Person, die mich geärgert hat. Oder mit dem Nachbarn sprechen, der nur gebrochen Deutsch kann. Oder nicht ungeduldig werden, wenn jemand seine Leidensgeschichte schon wieder erzählt.
  • Es mit einem Schmunzeln zulassen, dass der Banknachbar in der Kirche falsch singt, übel riecht oder anders betet. Oder es akzeptieren, dass Jemand auf seinem Glaubensweg gerade eine andere ‚Aussicht vor Augen’ hat als ich.
  •  Verzeihen, damit ein verhockter Streit in der Verwandtschaft sich lockert. Oder an die Goldader hinter der Kruste der pubertierenden Jungen glauben. Oder mit der Meinung eines politischen Gegners ehrfürchtig umgehen.

Gehen Sie selber auf die Suche. Spitzen Sie die Ohren und nehmen Sie hellwach auf, was den Menschen wichtig ist. Und gehen Sie einen Schritt entgegen.
Ein offenes, ehrfürchtiges und wohlwollendes Gespräch im Sinnes des ‚Einander Gehorchens’ wird ein Stück des Traumes verwirklichen.

Ein zweiter Vorschlag: Die Familie von Flüe wusste genau:
‚Einander gehorchen’ ist wichtig. Das ist wie eine kleine Kraftquelle.
Sie wusste aber auch: ‚Gott gehorchen’ ist wichtiger. Das ist die grosse Kraftquelle. Klaus und Dorothee hatten sich Gott ganz und gar übergeben. Darum erlebten sie auch, wie ihnen eine ungeahnte Fruchtbarkeit geschenkt wurde.

Wollen wir uns nicht um das gleiche Gottvertrauen bemühen? In unseren Familien, vielleicht in der ganzen Pfarrei? Das könnte etwa heissen:
- Wir fragen nicht: Was will ich erreichen’, sondern: ‚Was hast Du mit uns vor?’
- Wir beschliessen unsere gemeinsamen Planungen mit einem Gebet.
- Wir bitten täglich um Licht und Kraft für unsere Familien und die Pfarrei.
- Wir beklagen nicht unsere Schwachheit, sondern geben sie Gott in die Hand!

Der wichtigste und schönste Vorschlag: Machen Sie das Gebet des Bruder Klaus zu Ihrem täglichen Gebet, auch wenn es Sie gefährlich zu überfordern scheint.
- Mein Herr und mein Gott, Räume alle Barrieren weg, die mich von Dir abschirmen.
- Gib mir den inneren Zug, den ich auf dem Weg zu Dir brauche.
- Und gib mir die Freude, mit Dir in herzlicher Liebe verbunden zu sein.
Amen.

Pater Josef Banz, Pilatusstrasse 2, Postfach 126, CH-6072 Sachseln
Tel: +41 (0)41 660 12 65 / seelsorgebruderklaus.com

     
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