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Leitartikel - März 2003

       
   

Liebe Mitglieder des Bruder-Klausen-Bundes, liebe Verehrerinnen und Verehrer von Bruder Klaus und Dorothea

Viele junge Menschen kommen zu Bruder Klaus und Dorothea, hören, sehen und vergleichen mit ihrem Leben. Einige Blitzlichter zeigen, wo sie Augen und Ohren öffnen und das Herz anfüllen.

In meinem ersten Einsatz bei Bruder Klaus vor gut vier Jahren führte ich 25 Konfirmanden auf dem Visionenweg in das Leben des Niklaus von Flüe ein. Gleich zu Beginn spürte ich geschlossenen inneren Widerstand. An sich gesunde Burschen und Mädchen zwangen sich gegenseitig zum «blöd tun». Ich liess mich nicht beeindrucken, sprach unterwegs mit Einzelnen und passte die Visionen der Fassungskraft der Sechzehnjährigen an. Das frostige Klima wurde immer angenehmer. Bei der letzten Station war das Eis gebrochen. «Eigentlich ganz cool!», konnte man nun zum Ausdruck bringen.

Die meisten Gruppen sind leichter zu gewinnen. Sie wissen schon manches über Niklaus und seine Familie. Nun wollen sie Neues entdecken. Im Geburts- und Wohnhaus erfahren sie, wie eine Familie lebte. Besonders spricht sie die Stube an, wo die Kinder spielten, Dorothea spann, wob und nähte; auch der Kachelofen, wo die Burschen ihre steifen Finger wärmten – und der Vater in der Nacht stundenlang betete. Da gab es bei der Betreuerin, Rosa von Flüe, schon Gruppen, die gar nicht mehr aufstehen wollten. Die Atmosphäre des Raumes hatte sie eingefangen.

Der Stein mit einer Reliquie von Bruder Klaus sagt den jungen Menschen: Beim Besuch in Sachseln/Flüeli-Ranft hast du einen Wegbegleiter gefunden.(Bild Josef Reinhard)

Wer gut vorbereitet und besinnlich in den Ranft hinuntersteigt, kann mit Sr. Thomas in das innerste Geheimnis des Bruder Klaus eintauchen – in der Zelle über die karge Einrichtung staunen, in der Kapelle über das «Lebensbrot» nachdenken, das Bruder Klaus 20 Jahre lang an Leib und Seele nährte, auf dem Gang zur Melchaa nachempfinden, wie Gott auch in den Dingen der Natur erlebbar ist. Wer still wird, findet im Ranft eine neue Welt.

Abenteuerlich ist es, wenn Jugendliche auf dem Weg von der Jugendunterkunft den «Ranft von damals» entdecken. Sie müssen dabei Augen, Ohren, Nase, Zunge und Fingerspitzen auf Empfang einstellen. Das ist mühsamer als der Walkman im Ohr, der Rauch in der Nase, der Kaugummi im Mund und das Handy zwischen den Fingern. Und Allotria treiben sollte man auch nicht. Wer sich auf dieses Wagnis einlässt und zuunterst – zwischen Bäumen und Felsblöcken – die Eindrücke zusammenbüschelt, der erahnt im wilden Ranft des jungen Niklaus eine Alternative zum künstlichen Lebensalltag von heute. Der Aussteiger von damals wird zum Wegweiser für Aussteiger von heute.

Viele Gruppen verabschieden sich von Bruder Klaus am Grab in Sachseln. Dort hören sie von den Wegweisern, die Gott ins Leben des jungen Niklaus gab:

  • Das hl. Öl erinnerte ihn an seine «königliche Berufung»;
  • der Stein an die Festigkeit und Beständigkeit seines Wesens;
  • und der Stern an die Aufgabe, anderen voranzuleuchten.

Im Kreis um den Grabaltar stehend, bitten die jungen Leute Gott um seine führende Hand und Bruder Klaus um seine Gebetshilfe. Dann wird es zum tiefen Erlebnis, den Stein mit einer Reliquie in die Hand zu nehmen und still eine Bitte zu sagen. Sie haben einem Freund die Hand gereicht und einen Wegbegleiter gefunden.

Liebe Mitglieder des Bruder-Klausen-Bundes. Auch Sie haben in Sachseln schon manches erlebt. Warum nicht davon erzählen – den Kindern und Enkeln, Nichten und Neffen? Versuchen Sie es! Aber vergessen Sie nicht, mit einem stillen Gebet nachzuhelfen. Ich wünsche Ihnen dabei viel Freude.

P. Josef Banz
Bruder-Klausen-Kaplan

     
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