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Das Schwere annehmen und durchtragen

       
   

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Auf den Lebensweg mit Niklaus und Dorothee.

2. Fastensonntag, 16. März 2003 / Diakon Ernst Fuchs, Sachseln

Kol 1 24
’Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leib, was dem Leiden Christi noch fehlt’.

Liebe Brüder und Schwestern, alle Wünsche werden klein gegen den Wunsch, gesund zu sein. Und so versucht der Mensch, mit dem Einsatz aller technischen Mittel das Leiden und den Schmerz zu lindern. Heerscharen von Forscherinnen und Ärzten sind damit beschäftigt. In unserer Welt, in der fast alles machbar geworden ist, soll auch Leid und Schmerz besiegt werden. Und wer von uns hat nicht schon dankbar die Segnungen der modernen Medizin in Anspruch genommen?!

Weil wir uns aber so bemühen, Leiden zu beseitigen, geht langsam vergessen, was zu tun ist, wenn es trotz Technik nicht beseitigt werden kann. Wie können wir Schmerz und Leid dann annehmen, so annehmen, dass es für das Leben sinnvoll werden könnte?

Natürlich geht es nicht darum, dass wir uns selber Leiden auferlegen müssten. Alles vermeidbare Leid soll auch vermieden werden. Selbstkasteiungen sind wohl zu Recht ausser Kurs geraten. Das tägliche Leben bringt weiss Gott genug Schweres an uns heran.

Wie zahlreich sind doch die ganz alltäglichen Leiden der Menschen auch heute noch. In unseren Familien und Gemeinschaften fehlt es an Nestwärme und Solidarität. Wir sind selber nicht mehr recht gemeinschaftsfähig, und längst sind die Auswirkungen in den Gemeinden und Betrieben offensichtlich. Sie sind anonym geworden und haben ihre Stützfunktion verloren. Der Kirche und ihren Pfarreien geht es nicht anders.

So suchen wir uns selbst und finden uns kaum. Wir schaffen es selten, uns so wie wir sind anzunehmen, beschränkt und fehlerhaft. So arbeiten wir zwar hart an uns selbst, finden aber dennoch den inneren Frieden nicht recht.

Dabei hätten wir doch alles, wovon man früher kaum zu träumen wagte. Wir leben im Wohlstand. Selbst die Könige von Frankreich hätten kaum von solchen Annehmlichkeiten zu träumen gewagt. Für uns sind sie längst zur Gewohnheit geworden. Es scheint zu stimmen: Je mehr man hat, desto mehr hat man zu wenig! Trotz allem, was uns zur Verfügung steht, werden wir nicht recht froh. Die Wohlstandsverwahrlosung greift um sich und ist längst auch in Tälern und Dörfern angekommen, wo die Menschen fünfzig Jahre früher noch kaum genug zu essen hatten.

Hin und wieder geben Zahlen zur Besorgnis Anlass. Trotz allem Wohlstand ist die Selbstmordrate der Jugendlichen in der Schweiz besonders hoch. Die Jungen - und längst nicht nur sie - sind immer weniger belastbar. Gleichzeitig nehmen jedoch die Anforderungen des Lebens alles andere als ab. In Beruf und Familie sind die Menschen immer stärker herausgefordert: flexibel und dynamisch sollten alle ständig in unterschiedlichsten Welten zu leben verstehen. Überall ist Perfektion gefragt! Fehler werden kaum verziehen, weder in der Erziehung, noch im Beruf und erst recht nicht in Partnerschaften.

Zu allem Unglück wissen wir auch noch um das vielfältige Leid in der Welt. Täglich dringt es durch Radio und Fernsehen, Internet und andere Medien in unseren Alltag. Wir haben uns fast schon daran gewöhnt, an die Bilder von Krieg und Armut, Gewalt und Terror, Verfolgung und Tod. Natur- und Umweltkatastrophen rütteln uns selten auf. Meldungen über Christenverfolgungen in einigen islamischen Ländern nehmen wir schon der ‚political correctness’ wegen nicht zur Kenntnis. Und Sippen- oder Clanfehden in Afrika und Ex-Jugoslawien verursachen bei uns kaum mehr als ein müdes Lächeln, nicht anders bei Meldungen über politischen Terror in den Ländern Südamerikas.

Kein Wunder, wenn Menschen kaum mehr im Glauben verankert sind. Die Zeit, wo Gott der wichtigste Lebensanker war, ist für viele definitiv vorbei. Der Sinn des Lebens liegt nur noch selten in einem Gott wohlgefälligen Leben. Man erhofft sich Befriedigung und Sinn in Ersatzwerten. Geld und Macht, Glamour und Karriere laufen Gott wie zu biblischen Zeiten den Rang ab.

Bei Niklaus und Dorothee

Wie idyllisch muss es da doch gewesen sein zur Zeit von Bruder Klaus. Das Leben war sicher hart, zumal das Leben einer Bauernfamilie im Obwaldnerland. Aber im Vergleich zu heute war es doch auch viel einfacher. Nicht nur der Eremitenrock war gewoben und genäht von Dorothee. Alles für Nahrung und Kleidung ging durch die Hand der Mutter. Alles für das Haus und den Hof ging durch die Hand des Vaters. Und natürlich musste jedes Kind seinen Teil an Verantwortung in Haus und Hof übernehmen.

Doch die Idylle trügt. Das Leben besteht nun einmal aus Ecken und Kanten. Und bei den Berichten über Bruder Klaus fällt auch heute noch auf, wie eckig und kantig schon der junge Niklaus von Flüe war. Es war zu jener Zeit wohl nicht viel anders als heute: Man verstand die Verzichte, die Niklaus sich schon als Bub auferlegte, kaum. ‚Damals schon’ – so wird uns überliefert – ,fastete er lange Zeit alle Freitage, darnach alle Wochen vier Tage und die Fastenzeit hindurch fortlaufend, so dass er dann nichts ass ausser täglich ein klein Stücklein Brot oder wenige dürre Birnen. Und das tat er mit dem Bemühen nicht aufzufallen, und nicht sich dessen rühmend.’ 1)

Bruder Klaus litt an seiner Umwelt, die wenig Verständnis für ihn aufbrachte. Die meisten lebten anders als er. Schon früh musste er lernen, gegen den Strom zu schwimmen. So habe er sich, ‘wenn er vom Acher oder anderem Werk heimkehrte, allweg allein hinter einen Gaden oder sonst an einen verborgenen Platz verzogen. Dort betete er und liess die andern laufen.’ 2) Die werden dann auch gelaufen sein und vielleicht kam ihnen sogar ein träfer Spruch über die Lippen: ‚Wo käme man auch hin, wenn jeder Bauer plötzlich zu beten anfinge!’ Denn allzu viel Religiosität wurde wohl auch damals nicht wirklich geschätzt.

Niklaus hat aber nicht nur am Unverständnis seiner Mitmenschen gelitten. Er litt besonders auch an der Führung Gottes. ‘Einmal sei er ins Melchi mähen gegangen und unterwegs habe er Gott um die Gnade eines andächtigen Lebens gebeten. Da sei eine Wolke vom Himmel gekommen, die mit ihm redete und sagte, er solle sich in den Willen Gottes ergeben; er sei ein Tor; was Gott mit ihm wirken wolle, darin solle er willig sein.’ 3) Es dauerte dann aber noch lange, bis sich der Wille Gottes deutlicher zeigte. Und viel Leiden war nötig, bis er in Gottes Willen einwilligte und seine Frau Dorothee und seine zehn Kinder nach deren Einverständnis verliess, am 16. Oktober 1467 mit fünfzig Jahren. Nur nach zähem Ringen konnte er Abschied nehmen. Drei Berichterstatter sagen kurz, dass er dann ins Elend - ins Ausland - ging. Barfuss zog er aus, weil Gott es so gehabt haben wollte, wie jemand hinzufügte. In jenem ‚Elend’ wollte Gott ihn aber gar nicht haben. Sein ‚Elend’ lag viel näher. Doch erst in Liestal wird er zurückgepfiffen. Er solle, meinte ein Bauer, dem er dort begegnete, zu den Seinen heimgehen und dort Gott dienen. Aber wo genau? Im Chlisterli, im Ranft?

Lange dauerte es, bis Bruder Klaus den Ort fand, der sich zur Lobpreisung Gottes eignete. Wenn schon er so lange brauchte, wie lange wohl wir?

Das Leiden am inneren Ruf, alles zu verlassen, hat bei Niklaus von Flüe eine tiefe Depression ausgelöst. Er war so niedergedrückt, dass ihm selbst seine Frau und die Gesellschaft der Kinder lästig wurden. Lange fand er kein Mittel dagegen und fand keinen Trost. Sein Freund, Pfarrer Heimo Amgrund (seit 1465 in Kriens) konnte ihm schliesslich weiterhelfen. Er riet ihm, es doch mit der Meditation des Leidens Jesu Christi zu versuchen. Dieser Rat war für Bruder Klaus mehr als ein Hoffnungsschimmer. Durch die meditative Betrachtung des Leidens Christi wird ihm bewusst geworden sein, dass ihn seine Niedergedrücktheit, seine Depression dem Karfreitag unseres Herrn näher bringt. Er verbindet sich mit dem Leiden Christi und findet so langsam zum Licht von Ostern.

Bruder Klaus betrachtet das Leiden Christi und findet aus seiner Schwermut heraus. Die Danksagungsvision ist wie eine Bestätigung Gottes für Bruder Klaus. ‚Um Gottes und seines Leidens willen brach ein Mensch seinen Schlaf und dankte Gott für sein Leiden und seine Marter. Und Gott gab ihm Gnad, dass ihm die Stunden wie köstliche Augenblicke entschwanden.’ 4)

Und Dorothee, seine Frau? Hat sie den Dank Gottes erlebt? Als Bruder Klaus sie verliess, war ihr jüngstes Kind Klaus nicht einmal vier Monate auf der Welt. Lange Zeit vorher rang Bruder Klaus mit dem Entschluss, seine Familie zu verlassen. Längst wusste sie, dass eine überirdische Macht um die Seele ihres Mannes warb. Wie lange mochte sie gehofft haben, dass Gott sich mit einzelnen Stunden zufrieden gebe, mit Nachtwachen, Tränen, Fasten. Dass er alles verlangte, wurde ihr dann zur bitteren Gewissheit. Wie schwer muss es Dorothee gefallen sein, ihr Einverständnis zu geben, selbst wenn Bruder Klaus es ihr zeitlebens dankte.

Wie schwer muss es für Dorothee gewesen sein, einfach nur zusehen zu müssen, wie ihr Mann mit sich und dem Ruf Gottes rang. Sie konnte ja nichts anderes als zusehen und nicht verstehen. Und wie unendlich schwer muss es für sie gewesen sein, ihren Mann einfach Gott übergeben zu müssen so kurz nach der Geburt ihres jüngsten Kindes. Dies alles eben nicht in der Helle des Schauens. Ihr Mann Niklaus hatte tiefe Erlebnisse, Visionen, und hörte die innere Stimme Gottes. Dorothee hatte das alles nicht. Wie nahe ist sie uns vielleicht gerade deswegen!

Impuls für den Alltag

Bruder Klaus und seine Frau Dorothee können uns - auf je andere Weise - helfen, in unserem Alltag mit unserem Leiden, mit unseren Verwundungen umzugehen. Wir dürfen uns nicht darauf beschränken, Leiden einfach nur zu beseitigen. Wir sollen es ja auch bewältigen lernen.

Nehmen wir den Rat jenes Pfarrers zu Herzen, der Niklaus die Meditation des Leidens Christi empfahl. Vielleicht werden wir so auch langsam dahingeführt, dass wir den tieferen Sinn, den Gott dem Leiden gegeben hat, zumindest erahnen können. Der Lebensrhythmus des Gottessohnes auf Erden soll ja durch die Taufe auch unser Rhythmus werden. Karfreitag und Ostern - Tod und Auferstehen. Und vergessen wir nicht den Tag der Gottferne, den Karsamstag. Wie viele leben doch gerade heute zwischen Karfreitag und Ostern, mitten im Karsamstag: der Gottessohn tot, die Hoffnungen zerbrochen, das Licht von Ostern in weiter Ferne. Bruder Klaus hat an seinem Karsamstag auf den Rat seines Freundes Heimo Amgrund gehört. Nehmen wir diesen Rat besonders auch jetzt in der Fastenzeit zu Herzen!

Das Leiden unseres Herrn zu meditieren, uns mit seinem Leiden zu verbinden, hilft uns, Leid zu bewältigen. Das entbindet uns aber nie davon, alles zu tun, was in unserer Macht steht, um Schmerz und Leid bei sich und bei andern zu lindern. Ein Leben lang bleibt dies unsere Christenpflicht!

Leid wird uns sowieso nicht erspart. Vielleicht tröstet es uns zuweilen, wenn wir wissen, dass alles Leid, das wir erleben, seinen Sinn nicht auf Anhieb zeigt. Die Fügungen Gottes sind im Moment unverständlich. Vielleicht dürfen wir aber im Verlauf der Jahre einen tiefen Sinn gerade auch in den schmerzlichen Stunden unseres Lebens entdecken. Doch bleiben wir hier behutsam. Leiden und Schmerzen kann man nicht zerreden, nur durchleben und durchstehen.

Menschen, die das tun mussten, können uns Mut machen, Dunkles und Schweres anzunehmen und durchzutragen. Oft stehen wir ja erschüttert vor Menschen, die trotz unendlichen Leids nicht aufgegeben haben. Von einem solchen Menschen sei zum Schluss noch die Rede, vom Psychologen Viktor Frankl. Er überlebte das entsetzliche Grauen eines deutschen Konzentrationslagers und schreibt seine Erlebnisse in einem Buch mit dem programmatischen Titel auf: ‘... trotzdem Ja zum Leben sagen’. 5)

‘Wer ein Warum zu leben hat, erträgt fast jedes Wie’. Dies ist die Erfahrung, die Frankl und mit ihm Abertausende von Häftlingen im KZ bestätigen. Er schreibt einmal: ‘Wehe dem, der kein Lebensziel mehr vor sich sah, der keinen Lebensinhalt mehr hatte, in seinem Leben keinen Zweck erblickte, dem der Sinn seines Daseins entschwand - und damit jedweder Sinn eines Durchhaltens. Solche Leute, die auf diese Weise völlig haltlos geworden waren, liessen sich alsbald fallen. Die typische Redewendung, mit der sie allen aufmunternden Argumenten entgegentraten und jeglichen Zuspruch ablehnten, lautete dann immer: ‘Ich habe ja vom Leben nichts mehr zu erwarten’. 6)

Ergeht es uns nicht oft auch so, wenn wir mit unserem eigenen Leiden oder dem anderer Menschen konfrontiert sind. Was hat man da vom Leben noch zu erwarten?! Was hier not tut - meint Frankl - ist eine Wendung in der ganzen Fragestellung nach dem Sinn des Lebens: Wir müssen lernen und die verzweifelnden Menschen lehren, dass es eigentlich nie und nimmer darauf ankommt, was wir vom Leben noch zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf: was das Leben von uns erwartet!

Auch wir müssen das jeden Tag neu lernen. Was erwartet das Leben von uns? Und ganz getrost dürfen wir hinzufügen: Was erwartet Gott von uns?

Das Leben erwartet etwas von uns. Gott erwartet etwas von uns, aber nicht von allen das gleiche. Gerade die Lebensgeschichten grosser religiöser Gestalten führen uns dies immer wieder drastisch vor Augen. Das politische Engagement von Oscar Romero oder das 20-jährige totale Fasten des Heiligen vom Ranft sind Beispiele unterschiedlichster Erwartungen Gottes an Menschen. Und wie unterschiedlich sind auch die Leiden, die Menschen zu ertragen haben. Und wie unterschiedlich werden sie bewältigt! Geheimnisvoll spricht der Apostel Paulus im Kolosserbrief von den Leiden, die er auch für die Kolosser ertrage. ‘Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leben das, was an den Leiden Christi noch fehlt.’ (Kol 1. 24)

Was erwartet Gott von uns - von mir? Gott wird uns zu allem, was er von uns erwartet, auch die Kraft geben, es anzunehmen und durchzutragen. Darauf dürfen wir vertrauen. Und in diesem festen Vertrauen gelingt es uns vielleicht zuweilen, selbst im Leiden froh zu werden, so wie es Paulus im Kolosserbrief schreibt: Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage (Kol 1. 24).

Beten wir, wie ein Dichter es tut: ’Herr, schicke, was du willst, ein Liebes oder Leides. Ich bin vergnügt, dass beides aus deinen Händen quillt’. Amen

____________
Anmerkungen:
1) Vokinger Konstantin, Bruder Klaus. Sein Leben, NZN Buchverlag Zürich 1994, S. 40
2) - Seite 40
3) - Seite 44
4) - Seite 144
6) - Seite 124
5) Viktor E. Frankl, ...trotzdem Ja zum Leben sagen. (Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager, München 1982)

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