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Auf dem Weg zwischen Glauben und Schauen

       
   

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Auf den Lebensweg mit Niklaus und Dorothee.

3. Fastensonntag, 23. März 2003 / Diakon Ernst Fuchs, Sachseln

1 Cor 13. 12
‚Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.’

Liebe Brüder und Schwestern, ‚Zu dir hin, Herr, hast du uns geschaffen und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir’. Kein geringerer als der heilige Augustinus schreibt so zu Beginn seiner Bekenntnisse! Unruhig war sein Herz. Und unseres? Spürt unser Herz noch eine solche Unruhe? Oder sind unsere Sinne dermassen erfüllt von all den Dingen, die wir besitzen, und all den Ereignissen, die täglich an uns heranbranden, dass der Blick für das Unsichtbare, Hintergründige sich immer mehr trübt. Sind wir überhaupt noch fähig, unser Herz zu spüren?

Unser modernes Leben ist ja oft recht oberflächlich. Doch die Oberfläche ist so faszinierend und vielfältig, dass es kaum erstaunt, wenn wir an ihr stecken bleiben. Dabei könnten wir doch wenigstens wie Maulwürfe in die Tiefe graben oder gar wie Adler die Welt überblicken. Der Glaube wird in einer solch oberflächlichen Welt immer mehr der Phantasterei gleichgestellt. Wir glauben, was wir sehen. Und wir sehen nichts, und drum glauben wir auch nichts.

Könnte man doch nur einen Blick hinter die Kulissen werfen! Wenn es doch nur möglich wäre, einmal wenigstens für ein paar Augenblicke in die göttliche Welt zu schauen!

Vielleicht glauben wir nicht einmal selbst so recht, dass dies möglich ist: ein Blick in die göttliche Welt. Doch genau davon wird uns in der Heiligen Schrift immer wieder berichtet. Die Menschen der Bibel durften gelegentlich einen Blick in jene andere Welt werfen; ein Blick, der ihr Leben radikal änderte und zeitlebens nicht vergessen ging.

Denken wir nur daran, wie Jesus Petrus, Jakobus und Johannes auf einen hohen Berg führte. Dort wurde Jesus vor ihren Augen verwandelt; sein Gesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden blendend weiss wie das Licht. Die Stimme aus der Wolke haben die drei Jünger ihr Leben lang nie vergessen: ‚Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich Gefallen gefunden habe; auf ihn sollt ihr hören!’ (Mt 17. 5). Durch alle Widrigkeiten des Lebens und Glaubens hat dieses tiefe Erlebnis die drei Jünger getragen. Nicht anders erging es Paulus. Durch die Begegnung mit Jesus auf dem Weg nach Damaskus wurde aus dem Christenverfolger ein glühender Eiferer für das Evangelium Jesu Christi. Einmal schreibt er im Ersten Korintherbrief:

‚Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin.’ (1 Kor 13. 12)

Bei Niklaus und Dorothee

Schauen wir nun auf einen Menschen, der wie wir nur rätselhafte Umrisse sah, dem aber doch hin und wieder ein klarerer Blick geschenkt wurde. Der Bauernbub Niklaus von Flüe wächst mit Menschen und Tieren auf, ist geborgen in Familie und Sippe. Eine wunderschöne Landschaft umgibt ihn. Er kennt die Wiesen und Wälder, die Bäume und Blumen, die Steine und Felsen, die Berge und Schluchten. Hier hat er seine Wurzeln. Aber schon in jungen Jahren bleibt er nicht beim Vordergründigen stehen. Er sucht nach dem Dahinter, nach dem Geheimnis Gottes.

Dem jungen Mann wird die Sehnsucht nach dem ‚einig Wesen’ zur Lebenssehnsucht. Ein Bild dafür ist der Turm, den er im Alter von 16 Jahren gesehen hat, an der Stelle im Ranft, wo später seine Klause und die Kapelle zu stehen kamen. Natürlich ist es nicht jedem gegeben, einen Turm zu bauen. - Wer aber einen bauen will, soll sich zuerst hinsetzen - sagt Jesus im Lukasevangelium - und rechnen, ob seine Mittel für das ganze Vorhaben ausreichen. Sonst könnte es geschehen, dass er das Fundament gelegt hat, dann aber den Bau nicht fertig stellen kann. Und alle, die es sehen, würden ihn verspotten und sagen: Der da hat einen Bau begonnen und konnte ihn nicht zu Ende führen (Vgl. Lk 14. 28-30). Lange berechnete Bruder Klaus die Kosten für seinen Turm und dachte nach, betete und fastete. Gott half nach und gab Zeichen und Bilder wie Wegweiser in sein Leben. Es wurden ihm ähnliche Erlebnisse geschenkt wie den Jüngern oder dem Völkerapostel Paulus. Er durfte gewissermassen einen Blick in den Himmel tun. Gott hatte für Augenblicke den Schleier von seiner geheimnisvollen göttlichen Welt weggezogen.

Es wird berichtet, dass Bruder Klaus schon in jungen Jahren ‚Visionen’ hatte. Als er einmal ‚auf die Weide ging, um das Vieh zu besehen, setzte er sich auf den Boden und begann aus innerstem Herzen zu beten. Plötzlich sah er aus seinem Mund eine weisse Lilie von seltenem Wohlgeruch emporwachsen, bis sie den Himmel berührte. Bald kam das Vieh vorüber. Er senkte den Blick und heftete sein Auge auf ein Pferd, das schöner als die andern war, da fiel die Lilie dem Pferd zu und wurde vom Tier verschlungen.’ 7)

Was das wohl zu bedeuten hat: die weisse Lilie, die aus seinem Mund emporwuchs? Und das Pferd? Und warum verschlang gerade das Pferd, das schöner als die andern war, die Lilie? Solche Fragen brennen nicht nur uns auf den Lippen. Auch Bruder Klaus selbst dürfte sie gestellt haben.
Eine Vision ist ja alles andere als ein trockenes Wörterbuch. Bei Visionen und Schauungen gibt es nicht einfach richtig und falsch. Visionen erinnern eher an Traumbilder. Sie setzen einen Prozess in Gang, einen Prozess des Nachdenkens und Abwägens. Für einen Moment mag ein Visionär versunken sein in der Liebe, doch dann geht’s nicht mehr weiter wie bisher. Visionen sind nicht alltäglich, und was sie auslösen, ist nicht alltäglich. Es dürften manche Menschen froh sein, dass Visionen nicht allzu häufig sind. Denn Visionen rütteln Menschen aus ihrem Alltag auf und erinnern sie an ihre Grösse und Würde.

Etwas muss in einem Visionär aber schon angelegt sein. Visionen überfallen einen nicht. Aus innerstem Herzen betete Bruder Klaus, als er plötzlich aus seinem Mund die weisse Lilie bis zum Himmel emporwachsen sah. Menschen, die aus innerstem Herzen beten können, sind vielleicht ebenso selten wie Menschen, die Visionen erleben. Und beiden sieht man es an! Im Gesicht des Heiligen im Ranft erahnten die Menschen damals, dass er mehr geschaut haben muss, als ein ganz gewöhnlicher Sterblicher. Besucher erschraken vor ihm. Sein Gesicht war verzerrt. Mit offenem Mund schaut er überwältigt in die Weite.
Ganz ähnlich empfängt die kleine Holzstatue über dem Hauptportal unserer Kirche die Pilgerin und den Pilger. Wie viele wohl heute noch erschrecken vor dieser von Gott gezeichneten Gestalt? Es dürften aber nicht alle sein. Schon zu Lebzeiten des Heiligen erschraken nicht alle. Viele erlebten gar einen leutseligen Bruder Klaus mit freundlichem Gesicht und herzlichen Worten.

Menschen mit tiefen mystischen Erlebnissen berichten davon, dass kein Wort die Schönheit und Fülle der geschauten Wirklichkeit einfangen könne. Das, was man in Worte fassen könne, sei nur ein schwacher Abglanz. Und erst recht das Reden über die Worte! Das Schweigen, Nachdenken und Verweilen passt besser zur erlebten Wirklichkeit als das stotternde Sprechen. Vermutlich hat auch Bruder Klaus über viele mystische Erlebnisse geschwiegen. Er durfte als Visionär die Nähe, die Liebe und die Schönheit Gottes hier auf Erden erfahren. ‚Den überfliessenden, ewig strömenden Quell von Öl und Wein und Honig hat Bruder Klaus gefunden’. 8) - Bruder Klaus kann auch uns heute gelegentlich daran erinnern, wozu wir alle als Christen berufen sind!

Die meisten Menschen können nicht von eigenen Visionen erzählen. Gerade sie entdecken immer mehr Dorothee, die Frau von Bruder Klaus.

Das 'einig Wesen' ist erreicht. Bruder Klaus 'glaubt' nicht nur an Gott, er 'schaut' IHN in seiner überwältigenden Lebensfülle.Von Dorothee sind keine Visionen überliefert. Sie gehört zu den Menschen, die ‚nur’ glauben - wie die meisten von uns. Erst nach jahrelangem Überlegen und Erwägen, Suchen und Fragen kann sie ihren Mann, der schauen darf, im Glauben verstehen. Dorothee ist ihrem Mann zugleich ‚ganz nah und weit weg’. Vielleicht ist sie uns gerade deswegen so nah, weil ihr Glaube ohne grosse Visionen auskommen musste. Zugleich ist sie von uns unendlich weit weg, weil sie den Willen Gottes über die eigenen vordergründigen Bedürfnisse stellte!

Impuls für den Alltag

Was hat der ‚schauende’ Bruder Klaus uns ‚glaubenden’ Menschen von heute zu sagen? Ein Weg führt vielleicht über seine Naturverbundenheit. Zur Zeit von Bruder Klaus war die Natur ganz selbstverständlich Gottes Schöpfung. In der Natur stiess der Mensch auf Gott und erlebte sich abhängig von ihm. Die Natur sicherte oder bedrohte seine Existenz. Er brauchte ‚die Früchte der Erde und der menschlichen Arbeit’. In der Natur konnte der Mensch die ihn übersteigende Wirklichkeit erfahren und wahrnehmen. Die meisten Menschen von heute sind gegenüber den Launen der Natur relativ unabhängig. Wenn bei uns nach einem schlechten Sommer eine schlechte Ernte eingefahren wird, entstehen keine existenziellen Probleme. Vielleicht kann der moderne Mensch bei Bruder Klaus lernen, die Natur wieder als Ort göttlicher Macht zu erfahren.

Vielleicht finden aber gerade jene Menschen, denen die Naturverbundenheit eines mittelalterlichen Menschen fremd geworden ist, in Bruder Klaus einen Gefährten auf ganz anderer Ebene. Im Mittelalter wurde das Dasein Gottes kaum hinterfragt. Ganz selbstverständlich rechneten die Menschen mit Gott und seinem Eingreifen. Damit gab sich Bruder Klaus aber nicht zufrieden. Er war und blieb - auch als Schauender - ein kritisch Suchender! Das verbindet ihn mit vielen Menschen heute.
Einmal sei der Teufel – so wird überliefert - in Gestalt eines Edelmannes zu ihm gekommen. Dieser riet ihm, er solle doch von seinem Vorhaben absehen und tun wie die anderen Leute. So könne er das ewige Leben nicht verdienen. Niklaus liess sich davon nicht beeindrucken. Er tat nicht wie die anderen Leute. Er wollte sich von Gott suchen und finden lassen, ob das seiner Umgebung nun passte oder nicht.

Wer glaubt, kann in einem glanzvollen Sonnentag auf einem Berg Gottes Grösse erfahren und für einen Moment ein Schauender werden. Das macht aber noch nicht den Christen aus. Christsein heisst, sich durch Christus Jesus als Kind Gottes erfahren. Diese Erfahrung braucht die Begegnung mit Menschen, die sich als Kinder Gottes angenommen wissen. In solchen Begegnungen erkennen wir den Glanz Christi, der in einem jeden leuchtet.

So werden wir ‚Glaubende’ immer mehr auch ‚Schauende’. Erleben wir das nicht auch bruchstückhaft in der Feier der Heiligen Eucharistie? Wir sehen und sehen doch nicht; wir glauben und glauben doch nicht. Wir schauen wie in einem Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse.

Sehr vielen Menschen unserer Zeit ist Gott fremd geworden, leise ist er aus ihrem Leben entschwunden. Vielleicht hat er auch gar nie einen Platz gehabt. Sie werden verständnislos den Kopf schütteln, wenn wir über den Weg vom ‚Glauben’ zum ‚Schauen’ nachdenken, ist ihnen doch selbst das ‚Glauben’ nicht geläufig. Vielleicht werden sie durch die Erlebnisse von Bruder Klaus und anderen mystisch begnadeten Menschen aufgerüttelt. Vielleicht ist aber sein ‚skandalöses’ Leben schon Provokation genug, und sie brauchen die Auseinandersetzung mit dem ‚Schauen’ des Heiligen im Ranft gar nicht.

Auch uns ist und bleibt Bruder Klaus und sein Schauen ein Stachel im Fleisch. Auch wir leben ja zuweilen ganz gut und gemächlich ohne Gott dahin. Bruder Klaus wird uns vielleicht zu einem guten Freund gerade auch in unserer eigenen Glaubensnot. Überzeugte und praktizierende Christen werden auch im Obwaldnerland immer seltener. Und die grosse Mehrheit ist nicht einmal mehr verunsichert. Vielleicht zum ersten Mal in der Geschichte gibt es Menschen, die in sich keine religiöse Unruhe mehr spüren und darum auch nicht verstehen können, wenn andere von dieser Unruhe umgetrieben werden. Diese Menschen sind aber nicht einfach Fernstehende. Sie leben mit uns zusammen. Es sind unsere Geschwister, Kinder, Partner. Vielleicht sagen sogar sie uns, was einst jener Edelmann Bruder Klaus sagte: Hör doch auf mit deinem eigenartigen Gehabe und tu wie andere Leute!

In solchen Momenten ist auch unsere Stärke gefragt. Dann sollen wir von unseren Erlebnissen und Erfahrungen mit Gott sprechen, auch wenn sie nicht so spektakulär sind wie jene von Bruder Klaus. So helfen wir einander, immer mehr ‚Glaubende’ und ‚Schauende’ zu werden. Bruder Klaus wird uns gerade darin beistehen, dass wir nicht so tun wie die anderen Leute.

‚Alles, was wir in uns spüren, namenlos oft, doch so dicht,
das führst du in deiner Liebe aus dem Dunkel hin zum Licht.
Du bist da, immer da, manchmal fern und manchmal nah,
doch in allem und für jeden bist du da.’ (Kathi Stimmer-Salzeder)

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Anmerkungen:
7) - Seite 44
8) - Seite 145

Ernst Fuchs, CH - 6072 Sachseln / 041 660 01 66 / erfubluewin.ch

     
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