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Füreinander und Miteinander in der Familie von Flüe

       
   

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Auf den Lebensweg mit Niklaus und Dorothee.

4. Fastensonntag, 30. März 2003 / P. Josef Banz, Sachseln

Kol 3 12-15
Ihr seid von Gott geliebt, seid seine auserwählten Heiligen. Darum bekleidet euch mit aufrichtigem Erbarmen, mit Güte, Demut, Milde, Geduld! Ertragt euch gegenseitig, und vergebt einander, wenn einer dem andern etwas vorzuwerfen hat. Wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr! Vor allem aber liebt einander, denn die Liebe ist das Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht. In eurem Herzen herrsche der Friede Christi; dazu seid ihr berufen als Glieder des einen Leibes. Seid dankbar!

Liebe Schwestern, liebe Brüder, wenn wir bunt und anschaulich über das Leben der Familie von Flüe berichten möchten, kommen wir in Verlegenheit. Die Berichterstatter von damals hatten einzig und allein den ‚Heiligen’ im Auge. Unbeachtet blieb, wie und mit wem zusammen er zum Heiligen heranwuchs. So wird spärlich über Dorothee berichtet, noch spärlicher über die Familie. Dabei wüssten wir liebend gerne, wie die Familie auf dem Hof Schübelacher leibte und lebte, wie der Vater die Söhne in die Arbeiten auf dem Hof einführte und Dorothee die Töchter das Haushalten lehrte. Das können wir nur aus einigen Randbemerkungen rekonstruieren.

Aber es bleibt uns noch die Möglichkeit, zu lesen wie Liebende vor 100 Jahren. Die haben auch verstanden, ‚zwischen den Zeilen zu lesen’. Das wollen auch wir versuchen. - Und nun erzähle ich Ihnen von der Familie von Flüe, was ich aus sicherer Quelle weiss - und zwischen den Zeilen gelesen habe.

Eine erste Reihe von Beobachtungen:
Niklaus und Dorothee Seite an Seite

Die jungen Obwaldner heirateten früh, die Burschen knapp über 20, die Mädchen etwa 15 Jahre alt. Die kurze Lebenserwartung legte das nahe. Dass Niklaus von Flüe bis gegen 30 Jahre zuwartete, ist eher ungewöhnlich. Dafür baute er für seine Familie ein stattliches Haus. Das erforderte umsichtige Planung und langjährigen Arbeitseinsatz mit Verwandten und Nachbarn. Holz und Steine mussten gerüstet und bearbeitet werden. Und die für einfache Bauernhäuser ungewöhnlichen Butzenscheiben? Wenn Niklaus mit dem Jungvieh auf die Viehmärkte in der Lombardei ging, trug er sie vielleicht als wertvolle Akquisition nach Hause. All diese Aktivitäten zeigen: Niklaus investierte in seine Zukunftsvision viel herzliche Liebe und Aufmerksamkeit.

Wir wissen nicht, wann und wie Niklaus die Bauerntochter Dorothee auf der andern Seite des Sarnersees kennen lernte. Aber wir können uns ihre Freude aneinander gut vorstellen. Dorothee war stolz auf den ernsthaften jungen Mann Niklaus mit dem klaren Kopf und der menschlichen Ausstrahlung, angesehen bei seinen Landsleuten und von ihnen bereits mit ehrenvollen Ämtern betraut. Niklaus erahnte sicher schon im jungen Mädchen, was spätere Ranft-Besucher lobenswert über Frau Dorothee sagten. Da wird mit dem Ausdruck ’Suberliche junge frowe’ ihr gutes Aussehen und die Eigenschaften einer vorbildlichen Frau gelobt. Die Worte ‚Gottesfürchtig und fromm’ gehen weit über die Vorstellung von einer durchschnittlichen Bäuerin hinaus. Mit ‚fromme husfrowe’ meint ein anderer Autor ‚tüchtig und umsichtig, ehrbar und tapfer’. 1) Der Weg zu dieser inneren Reife begann in der Partnerschaft mit Niklaus.

Wie war das nun, als sich die Ehe anbahnte und in die Flitterwochen kam? Bei zwei Berichten aus dem Ranft lesen wir zwischen den Zeilen:
In der sogenannten ‚Vision der Danksagung’ erlebte Bruder Klaus, wie der Vater im Himmel und die Gottesmutter Maria ihm dankten, dass er ihrem Sohn im Leiden so treu beigestanden sei. Das gleiche tat auch der Sohn selber. Von Maria berichtet Kaspar Ambüel mit folgenden Worten: ‚Eine schöne stattliche Frau ... legte ihm ihre beiden Arme auf seine beiden Schultern und drückte ihn gründlich an ihr Herz mit überfliessender Liebe, weil er ihrem Sohn so treu zustatten gekommen war in seiner Not.’ - Bruder Klaus erlebte die herzliche Umarmung Marias - sicher deswegen so lebendig, weil er sich lange Jahre in den Armen seiner Frau Dorothee geliebt wusste. Das dürfen wir annehmen. 2)

Etwa an dieser Stelle könnte oder müsste das Umschlagbild von Haas-Triverio eingefügt werden ‚Abschied von der Familie’)

Ein anderes Beispiel: In den Ranft kam ein junger Mann aus Burgdorf und fragte nach, wie man das Leiden Christi betrachten könne. Bruder Klaus gab Auskunft - und fügte hinzu: ‚Gott weiss es zu machen, dass dem Menschen eine Betrachtung so schmeckt, als ob er zum Tanz ginge’. Das erstaunte den jungen Mann. Denn Tanzen galt damals als anrüchig. Bruder Klaus sah die Verlegenheit und wiederholte den Ausdruck: ‚Ja, als solt es an ain dantz gon’. Niklaus erlebte die Liebe mit seiner Frau Dorothee auch im beschwingten und begeisternden Tanz. Die Erinnerung daran blieb bis in den Ranft erhalten. 3)

Nun waren die Beiden voll beansprucht vom Alltag auf dem Bauernhof und den Aufgaben der wachsenden Familie. Niklaus war das Grossvieh anvertraut, die Pflege der Wiesen und Weiden, die Nutzung des Waldes - und nicht zuletzt das politische Geschäft. Die Buben halfen ihren Kräften entsprechend mit. Dorothee besass in ihrem Aufgabenbereich eine beträchtliche Selbständigkeit. Sie pflegte den Gemüse- und Obstgarten, sammelte Nüsse, Waldbeeren und Heilkräuter und sorgte für Wintervorräte. Im Haus kamen vielfältige Aufgaben zusammen: Sorge für die Kleinkinder, Kochen für Familie und Gesinde, alle Kleider für Werktag und Sonntag anfertigen - vom Spinnen und Weben bis zum Schneidern und Waschen. Gefragt war auch ein offenes Herz für die Notleidenden, die an die Türe klopften. Dorothee konnte mit der wachsenden Mithilfe der Mädchen rechnen.

Albrecht von Bonstetten, Dekan des Stiftes Einsiedeln, stellt der Ehe von Niklaus und Dorothee ein vorzügliches Zeugnis aus. Er hebt sie ab von den damals weit verbreiteten Lastern wie Seitensprünge und Trinken im Übermass. 4) Allerdings nahmen die öffentlichen Aufgaben stetig zu und erreichten beim 45-jährigen Niklaus ihren Höhepunkt. In dieser Zeit wurden seine beiden Söhne volljährig. Im Blick auf ihre Heirat baute er mit ihnen das Geburtshaus um. 5) Im Rückblick auf diese Zeit sagte er später: ‚Ich war mächtig in Gericht und Rat und in den Regierungsgeschäften meines Vaterlandes.’ 6)

Die Ämter brachten nicht nur Ehre und Anerkennung ins Haus, sondern auch Belastungen. Denn Niklaus von Flüe litt unter den vielen politischen Machenschaften seiner Zeit. Als schliesslich der Widerwille zu gross wurde, zog er sich aus allen Ämtern zurück. Das belastete auch Frau und Kinder. 7) Dazu kam die innere Stimme, alles, auch Frau und Familie zu verlassen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens brach wieder auf und machte ihn ratlos. Gegen diese Depression half auch nicht das nächtliche Gebet am Stubenofen. Schliesslich riet ihm ein bekannter Priester, Heimo Amgrund, täglich das Leiden Christi zu betrachten. Diese Übung brachte Linderung in sein Leiden. 8) Gerade jetzt fand Niklaus in Dorothee ‚gleichsam seine treue Beraterin’. 9) Dorothee wusste, wann er sich zum Gebet in den Ranft zurückzog. 10) Beide sprachen offen über seinen Ruf Gottes, das ‚einig Wesen’ zu suchen. So reifte bei Dorothee schliesslich der Entschluss, ihn für Gott freizugeben. 11)

Niklaus hatte sich vorgestellt, als unbekannter Pilger durch die Welt zu ziehen. Gott fügte es anders. Er fand seinen Platz nicht im Elsass, sondern in der nahegelegenen Ranftschlucht. Wie schon beim Abschied hatten Dorothee und die ganze Familie unter dem Geschwätz der Mitbürger zu leiden. Aber der um sich greifende Ruf des ‚lebenden Heiligen’ glättete mit der Zeit diese Wogen. - Die Ehe ging auf anderer Ebene weiter - ohne Dach- und Tischgemeinschaft, aber mit einer tiefen Gemeinsamkeit im geistigen und religiösen Bereich. 12)
- Dorothee und die Kinder suchten den Vater auf, wenn sie Rat brauchten. 13)
- Dorothee und ihr jüngster Sohn besuchten, wie Hans von Waldheim berichtet, eine Messe im Ranft. Es wir nicht das einzige Mal gewesen sein. 14)
- Der jüngste Sohn Niklaus erhielt 1482 einen Studienplatz in Basel. Aus Verehrung zu seinem Vater nahm ihn ein Professor in sein Haus auf. 15)
- Und schliesslich: Nachdem der Versuch von Bruder Ulrich, ebenfalls zu fasten, scheiterte, bat Bruder Klaus seine Frau, ihm Speise zu bringen. 16)
- Nach einer mündlichen Überlieferung begleitete Dorothee ihren Mann während des einwöchigen Todeskampfes auf das Sterben hin.

Nach dem Tod von Bruder Klaus trifft die Verheissung der drei Männer ein.Als Dorothee das Grab ihres Mannes besuchte, kam ein Bote und tröstete sie: Er habe Niklaus auf dem Felsen der von Flüe ‚in strahlendem Glanz gesehen, in der Hand eine Fahne mit der Bärenklaue tragend.
Seine Standfestigkeit habe alle feindlichen Gewalten besiegt’. -
Das war der Dank Gottes an sie, die ihrem Mann so treu beigestanden war. 17)

Eine zweite Gruppe von Beobachtungen -
Über die Atmosphäre in der Familie von Flüe:

Das Haus auf dem Schübelacher war geprägt von Herzlichkeit und Lebensfreude - eine gute Illustration für die Worte aus dem Kolosserbrief. Das zeigen uns bereits die beiden Rückblenden aus dem Ranft, wo Bruder Klaus vom Tanzen spricht und die herzliche Umarmung Marias erlebt. Das zeigen uns weitere Hinweise ‚zwischen den Zeilen’.

  • Niklaus hatte grosse Freude an seiner Frau und der wachsenden Kinderschar. Auch dazu finden wir eine Rückblende aus dem Ranft. Im Jahre 1469 erzählte er einem Besucher von der abgrundtiefen Not, die der Ruf Gottes, alles zu verlassen, mit sich brachte: ‚Ich war so tief niedergedrückt, dass mir selbst die liebe Frau und die Gesellschaft der Kinder lästig war’. Er konnte nicht verstehen, dass seine Freude an der Familie derart getrübt wurde. Er fand die einzige Erklärung in seiner tiefen Niedergeschlagenheit. 18)
  • Noch ein zweites Mal blickte Br. Klaus im Ranft auf seine Familie zurück. Erny Anderhalden gab 1488 zu Protokoll: ‚Bruder Klaus habe mehr als einmal gesagt, dass ihm Gott unter anderem drei grosse Gnaden verliehen habe, nämlich die erste, dass er von Frau und Kindern die Erlaubnis erhalten habe, ein einig Wesen zu führen’, ‚die zweite, dass er den Willen, die Begierde oder Versuchung nie gehabt habe, von diesem Wesen wieder zu Frau und Kindern zurückzukehren’. Als dritte Gnade bezeichnete er die Nahrungslosigkeit. 19)
    Niklaus machte sich beim Abschied Sorgen: ‚Was soll ich tun, wenn die tiefe menschliche Liebe zu Frau und Kindern wieder über mich kommt?’ Dass Gott ihn davor bewahrte, betrachtete er als besonderes Geschenk. Ein weiteres Geschenk war die Erlaubnis, nicht ertrotzt oder erschlichen, sondern aus einem langen Gespräch und einer verständnisvollen Liebe herausgewachsen. - Darüber wird im Folgenden noch die Rede sein.
  • Wie ist man in der Familie von Flüe miteinander umgegangen? Eltern und Kinder? Die Kinder untereinander? So können wir uns fragen. Was stand im Vordergrund: ‚Sich behaupten’ oder ‚Sich einfühlen’?

Mir scheint, bei Dorothee sei zugetroffen, was der Evangelist Lukas von Maria sagt: ‚Sie bewahrte alles, was geschehen war in ihrem Herzen und dachte darüber nach’ (Vgl. Lk 1. 19 und 51). Maria bewegte Unverständliches hin und her - bis es einen Sinn gewann. Ähnlich mag es Dorothee ergangen sein: Sie konnte das Geheimnis im Leben ihres Mannes nicht auf Anhieb deuten, aber sie bewegte es lange hin und her. Ich glaube, das habe im Hause von Flüe zur ‚Familienkultur’ gehört: ‚Behutsam hören - lange nachdenken - und dann verstehen!’. Wie lässt sich das belegen? Wir lesen wieder zwischen den Zeilen.

  • Im Brief an den Rat zu Bern spricht Bruder Klaus vom Frieden. Der Praktiker mit der grossen Lebenserfahrung weiss, was Frieden bringt. Darum diktiert er den Satz: ‚Gehorsam ist die grösste Ehr, die es im Himmel und auf Erden gibt. Darum sollt ihr schauen, dass ihr einander gehorsam seid’. 20)
    Das ist kein momentaner Gedankenblitz, sondern angereicherte Lebenserfahrung und heisst im Einzelnen Aufeinander horchen - ein Ohr haben für die Anliegen und Sorgen, die Erfahrungen und Lebensträume, die Sichtweise und Lebensweise des Mitmenschen. Alles ins Herz aufnehmen, wertschätzen und gern bekommen.
    Das heisst aber auch: Einander ge-horchen: Dem andern einen Schritt entgegen gehen und nach einer Lösung suchen, die beide Anliegen aufgreift. Das kann Menschen miteinander verbinden. Das hat schon der Richter Niklaus von Flüe erfahren, wenn er streitende Parteien zusammenführte. Und selbst bei der Friedensvermittlung im Jahre 1481 an der Tagsatzung in Stans schimmert diese Erfahrung durch.
  • Die gleiche Grundeinstellung muss auch in der Familie von Flüe lebendig gewesen sein. Bezeichnend dafür sind die Jahre vor dem Abschied. Als Niklaus den Ruf Gottes spürte, auch Frau und Kinder zu verlassen, verfügte er nicht eigenmächtig über seine Zukunft, sondern zog auch seine Gattin ins Vertrauen. Selbst die ältesten Kinder wurden mit einbezogen. Sie ‚horchten’ aufeinander, was dem andern wichtig war. Sie überlegten miteinander - über Wochen und Monate - bis sie sich aus Überzeugung entscheiden konnten: ‚Wenn Gott es so haben will, dann wollen wir uns nicht dagegen auflehnen’.
    Das ‚Einander Ge-horchen’ wurde sicher schon vorher gepflegt. Wenn manche Männer damals das rüde Landsknecht-Gebaren auch auf die Familie übertrugen, ist das bei Niklaus nicht denkbar. Da wurden Entscheide nicht durchgeboxt, sondern miteinander besprochen. - Horchen, was dem andern wichtig war, gehörte zum Alltag.
  • Ein Künstler hat Bruder Klaus mit der Hand am Ohr dargestellt. Er horcht aufmerksam hin. So erlebten ihn Besucher im Ranft. So war es schon in der Familie. Ohr und Herz waren weit offen für Frau und Kinder.
    Bei Dorothee war es nicht anders. Sie musste ja besonders hellhörig sein, um das Geheimnis im Leben ihres Mannes einigermassen zu verstehen - die Wegweiser Gottes im Leben des Buben Niklaus, die tiefen religiösen Erlebnisse - Visionen - beim reifen Mann, und die auf diesem Hintergrund besonders gewichtige innere Stimme ‚Verlass alles, auch Deine Familie!’. Dabei hatte Dorothee als Kind keine Zeichen als Wegweiser, als junge Frau keine Visionen, die sie Gott erleben liessen. Sie hörte keine innere Stimme, die ihr den Willen Gottes kundtat. Sie hatte einzig und allein die herzliche Liebe zu ihrem Mann und eine tiefe Ehrfurcht vor dem unverständlichen Geheimnis seines Lebens. Sie horchte und dachte nach - fragend und suchend wie Maria damals. Darum konnte sie sich entscheiden, wenn auch mit wundem Herzen: ‚Ich sage zum zweitenmal Ja, ich gebe ihn frei!’

Ein Wort über die Ausstrahlung der Familie nach aussen.

Bruder Klaus schrieb an den Rat zu Bern: ‚Ihr sollt schauen, dass ihr auf Frieden abstellt, Witwen und Waisen beschirmet, wie ihr noch bisher getan.’ 21) Niklaus erwartete vom Rat zu Bern Schutz und Schirm für Witwen und Waisen. Das wurde schon vorher in der Familie gepflegt. Es gab im Obwaldnerland von damals Armut und Hunger und viele geistige Notlagen, z. B. wenn Eltern dem Trunk ergeben waren oder früh wegstarben. Manche dieser Nöte brandeten auch an die Haustür auf dem Schübelacher. Da hatte Dorothee gewiss ein offenes und mitfühlendes Herz. Und Niklaus unterstützte sie kräftig.

Über die Kinder, Blutsverwandten und Nachkommen.

Niklaus und Dorothee erzogen ihre Kinder in aller Güte zur Gottesfurcht und zu einem rechtschaffenen Leben - kamen aber nicht bei allen Kindern zum Erfolg. Das mag ein Trost sein für jene Eltern, denen es heute ähnlich ergeht.

  • Der älteste Sohn Hans heiratete schon vor dem Abschied und bezog das Geburtshaus, das der Vater mit den beiden Ältesten ausbaute. Das Gerede über den Vater beim Rückzug aus der Politik lief zwar ihren ehrgeizigen Plänen zuwider. Aber schliesslich gaben sie doch ihre Zustimmung zum Abschied und erklärten sich bereit, den Hof zu bewirtschaften. 21)
  • Vielleicht sträubten auch sie sich mit anderen Blutsverwandten gegen den Bau der Zelle und Kapelle im Ranft. Argumentiert wurde folgendermassen: ‚Für so mühevolle und grosse Aufgaben wäre es nach härterer Prüfung und nach längerer Beharrlichkeit noch immer Zeit gewesen’ 22)
  • Beide stiegen in die Politik ein und wurden mehrere Male ins höchste Amt gewählt. Sie vertraten aber nicht die politische Linie ihres Vaters. Besonders der älteste Sohn Hans stand lange Zeit im Zwielicht. Aber gerade dieser Sohn gab 1488 ein sehr schönes Zeugnis über seinen Vater ab. 23)
  • Auch manche Nachkommen lebten nicht nach dem Vorbild ihres Vorfahren. Einer von ihnen - Hauptmann Melchior von Flüe - stiftete 1576 eine Kapelle als Sühne für einen Mord aus Jähzorn. - Ein anderer - Peter Ignaz von Flüe - baute 1784 mit Geld aus der Söldnerwerbung das stattliche Bürgerhaus in Sachseln, in dem heute das ‚Museum Bruder Klaus’ untergebracht ist. 24)
  • Liebe Schwestern, liebe Brüder, nun haben wir lange hineingeschaut in die Familie von Flüe, wie sie lebte, ihre Fragen löste und Probleme meisterte. Wir haben dabei auch überlegt, was wir für unser Leben brauchen können. Ich möchte zum Abschluss nur eine einzige Anregung weitergeben: Die Bauernfamilie auf dem Flüeli lebte und pflegte das ‚Einander Gehorchen’ - ganz gegen den Trend ihrer Zeit, die eher geprägt war von ‚Konfrontation’.

Müsste nicht das ‚Einander Gehorchen’ auch unsere ‚Familienkultur’ werden - das Klima in Familien und Pfarreien, in Nachbarschaft und Betrieb bestimmen? Überprüfen wir uns immer wieder: Sind wir so hellhörig, wie Niklaus und Dorothee? Sind unsere Herzen so offen und unsere Hände so freigebig wie ihre Herzen und Hände? Die Fastenzeit könnte uns zu einem Neubeginn anregen:

Durchbrechen auch wir die Mauern der Isolation. Öffnen wir uns für den Nächsten.
Bruder Klaus und Dorothee sollen uns helfen, einer ‚Zivilisation der Fäuste’ eine ‚Kultur der Herzen’ gegenüber zu stellen. Das ist der beste Einsatz für den Frieden in der Welt. Amen.

_____________
Anmerkungen

Hinweis auf Bücher:

- Durrer: Durrer Robert ‚Bruder Klaus’ / Sarnen 1917 - 1921
- Amschwand: Rupert Amschwand / Sarnen 1987
- Gröbli: Gröbli Roland: ‚Die Sehnsucht nach dem einig Wesen’ / Zürich 1991
- Dorothee-Hearing 95 / Sammlung von Aufsätzen im Dorothee-Hearing 8./9. Okt. 95.
- Wölflin: Die erste Biografie über Bruder Klaus / Kleine Ausgabe des NZN-Verlages 1978

1) Hans Waldheim 1474: Durrer Seite 60 / Gröbli Seite 286
Hans Waldheim schätzt Dorothee als zu jung ein, aber bezeichnet sie als ‚suberliche junge frawe’ - im Blick auf ihr gutes Aussehen und die Eigenschaften einer vorbildlichen Frau.
Heinrich von Gundelfingen 1488: Durrer Seite 427 / Gröbli Seite 287
Dorothee (‚uxorem religiosam magnaeque devotionis matronam’) wird weit über eine durchschnittliche Bäuerin hinaus gehoben.
Berner Chronik des Valerius Anshelm 1529: ’eeliche fromme husfrowe’ meint nicht nur ‚fromm’ im engen Sinn‚ sondern ‚tüchtig und umsichtig, ehrbar und tapfer’ /
Durrer S. 653 / Dr. Werner T. Huber in Dorothee-Hearing vom 8./9. Okt. 95 S. 6

2) Dankbarkeitsvision: Amschwand Seite 31

3) Jüngling aus Burgdorf, 1487: Durrer Seite 407

4) Albrecht von Bonstetten, Dekan des Stiftes Einsiedeln, 1478:
Durrer Seite 83 / Gröbli Seite 126: über Ehebruch und Trunksucht
Text: ‚Er ist nie als ehebrüchig oder als Trinker vermerkt’)
5) Umbau des Geburtshauses mit den Söhnen: Gröbli Seite 127 - 128

6) Mitteilungen an den Prediger: Durrer Seite 39 / Gröbli Seite 127
Welche Regierungsgeschäfte hat Niklaus von Flüe ausgeübt?
Ausführliche Aufzählung: Gröbli Seite 126-127

7) Rückzug aus der Politik: Gröbli Seite 129

8) Die Leidensbetrachtung des Niklaus von Flüe: Gröbli Seite 128

9) Heinrich Wölflin, 1501: Amschwand § 19, Seite 134 / Wölflin-Biografie s 23
Hans Salat, 1536 (* 15) Durrer Seite 677

10) Dorothees Wissen um sein betrachtendes Gebet im Ranft:
Bruder Klaus an den Prediger, 1469: Durrer Seite 40 / Gröbli Seite 286

11) Dorothee gibt Niklaus frei: Heinrich Wölflin, 1501: Amschwand §19, Seite 134

12) Ehe auf einer anderen Ebene: Darstellung und Interpretation von Dr. Werner T. Huber in ‚Dorothee-Hearing’ vom 8./9. Oktober 95 S. 7 + 10

13) Heinrich Wölflin, 1501: Amschwand Seite 142 / Wölflin Seite 38 (‚Der Einsame’)
Hans Salat 1529: Durrer Seite 684

14) Hans von Waldheim aus Halle, 1474: Durrer Seite 60 / Gröbli Seite 286
NB: Dorothee wird nicht das einzige Mal eine Messe im Ranft besucht haben.

15) Studium des jüngsten Sohnes: Durrer Seite 415-417 / Seite 1017

16) Heinrich Wölflin, 1501: Bruder Ulrich und sein Fastenexperiment:
Durrer Seite 543-544 / Gröbli Seite 287

17) Heinrich Wölflin, 1501: Das österliche Erlebnis von Dorothee:Durrer Seite 544 / Gröbli Seite 287 / Wölflin Seite 49

18) Bruder Klaus zum Prediger, 1469: Durrer Seite 39 / Gröbli Seite 285

19) Bruder Klaus an Anderhalden, 1488: Durrer Seite 463 / Gröbli Seite 285

20) Brief an den Rat zu Bern, Dezember 1482:

21) Gröbli Seite 285 und Vgl. Anmerkung 19

22) Wölflin, 1501: Seite 33

23) Sohn Hans von Flüe wird beschuldigt:
Durrer Seite 355-358 / Auszüge: Textsammlung Gröbli Seite 287-288

24) Kurze Information über die beiden Nachfahren im ‚Führer durch die Heiligtümer’ Seite 11 (Melchior von Flüe) und Seite 10 (Peter Ignaz von Flüe)

Pater Josef Banz, Pilatusstrasse 2, Postfach 126, CH-6072 Sachseln
Tel: +41 (0)41 660 12 65 / seelsorgebruderklaus.com

     
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