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Gesetz und Gewissen bei Br. Klaus im Einklang

       
   

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Ansprache in Sachseln / 3. Fastensonntag B 2003 / Ausbruch Irak-Krieg

Schriftlesungen: Ex 20. 1-3, 7-8, 12-17 / Joh 2. 13-25

Liebe Schwestern und Brüder, an jedem Sonntag gibt Gott uns eine Weisung in den Alltag. Heute erinnert er uns an seinen Willen, der in den zehn Geboten zum Ausdruck kommt. Oft erleben wir einen Gegensatz zum eigenen Willen und haben Mühe, uns Gott einzuordnen. Um dieses Thema kreisen unsere Überlegungen.

Zuerst eine kleine Beobachtung: Ich habe in den vergangenen Jahrzehnten manche ‚Schnupperlehre’ absolviert. Denn ich habe oft und gern Handwerkern bei ihrer Arbeit zugeschaut. Dabei sind mir immer wieder zwei Dinge aufgefallen:
- Die Arbeit musste schön und gefällig aussehen, fürs Auge etwas bieten.
- Sie musste aber auch den Gesetzmässigkeiten des Materials entsprechen.
So verwandten die Handwerker eine doppelte Sorgfalt darauf - z. B. einen Wechsel mit Rundholz so zu machen, dass er gut aussah, aber auch trug, einen Kalkverputz an die Natursteinmauer so anzubringen, dass er schön und zugleich für die nächsten Jahrzehnte gesichert war. Ein Schreiner wollte sich nicht für einen Pfusch schämen, der bereits im nächsten halben Jahr auseinander zu fallen drohte.

In unserem Leben gibt es ähnliche Situationen: Viele Dinge bringen uns rasch Freude und Zufriedenheit. Zur dauerhaften Freude braucht es aber mehr.
- Ein Gläschen Wein zum Beispiel bringt Freude, zu viele Gläschen bringen Kopfweh und Katzenjammer.
- Wer gestohlen hat, mag über den gelungen Coup stolz sein. Wie lange? Denn es wurde eine Grundregel menschlichen Zusammenlebens verletzt.
- Wie oft landet eine begeistert begonnene Liebe im traurigen Debakel, weil zwei Menschen sich nur oberflächlich vergnügen und nicht auf das Liebesbedürfnis des andern eingehen wollen. Denn dieses Bedürfnis geht tiefer: Lieben und geliebt sein, bergen und geborgen sein - echte Gemeinsamkeit.

Wir heutigen Menschen laufen Gefahr, zu einseitig und zu oberflächlich nach Lebensfreude zu suchen und leisten uns ganze Ketten von Vergnügungen. Aber wie sorgfältig beachten wir die Grundgesetzmässigkeiten des Lebens, die ‚statischen Gesetze’ gewissermassen, die in unsere Natur gelegt sind? Nur sie können die kurzlebige Lebensfreude zum dauernden Glück machen. Nur sie können die oberflächliche Lebenslust zum tiefen Lebenssinn machen.

Wer zum Beispiel anstelle eines Lebenspartners einen Lebensabschnittpartner haben will, der verletzt das menschliche Urbedürfnis nach Liebe aufs Gröbste. Auch im Bereich des Glaubens gibt es Beispiele: Viele Christen - wenn nicht die meisten - stellen ihre Glaubensüberzeugung wie in einem Supermarkt zusammen. Sie nehmen aus den Regalen, was ihnen gerade in die Augen springt und füllen damit ihren Einkaufswagen. Ihr Glaube ist phantasievoll zusammengestellt und präsentiert sich dem Auge in bunten Farben. Aber ob das Ganze stimmt und in Zukunft trägt? Die Frage ist erlaubt.

Ein reformierter Theologe beklagt in seiner Kirche eine um sich greifende ‚Beliebigkeit’. Was meint er damit? Man würde an der Offenbarung Gottes gerade noch anerkennen, was einem rasch einleuchte und zum übrigen Kram des Einkaufswagens passe. Die Folge sei eine fast vollständige Individualisierung des Glaubens. Jeder glaube, was er wolle - und je etwas anderes! Ein gemeinsames Glaubensfundament - zum Beispiel ausgesprochen im Glaubensbekenntnis - gebe es kaum mehr.
Die Erfahrungen in unserer katholischen Kirche sind nicht wesentlich anders. Kürzlich habe ich an einem Podiumsgespräch teilgenommen. Vertreter der katholischen Kirche diskutierten miteinander über ‚Wertevermittlung in einer offenen Gesellschaft’. Es war ein angeregtes und engagiertes Gespräch. Aber ich hatte den Eindruck, man rede kräftig aneinander vorbei. Dachten die Einzelnen das Gleiche, brauchten sie dafür verschiedene Worte. Sagten sie das gleiche Wort, sahen sie darin verschiedene Inhalte - und konnten sich kaum finden. - Tatsächlich muss man in einem Glaubensgespräch immer wieder nachfragen: ‚Wie meinst Du das?’ Und oft muss man klärend hinzufügen: ‚Dein Standpunkt in Ehren! Aber die Glaubenswelt ist grösser, als was in Deinem Kopf Platz hat.

Nun sind wir mit unseren Überlegungen wieder bei der heutigen Botschaft: Gott macht uns aufmerksam: ‚Denkt an die Grundgesetzmässigkeiten, die ich in die Schöpfung investiert und in der Offenbarung bekräftigt habe. Und er fügt mahnend hinzu: Der einzelne Mensch und die menschliche Gemeinschaft können sich nur gesund entfalten, wenn sie sich an klare Regeln halten und sich in die Planung Gottes einbinden. Herumwursteln und Drauflos-Leben bringt kein dauerndes Lebensglück, auch wenn noch so viel ‚Goodwill’ und Phantasie vorhanden sein mag.

Die zehn Gebote sind das Grundkonzept der Ordnung Gottes, wie es im Alten Testament grundgelegt wurde. Christus hat die zehn Gebote zusammengefasst und ergänzt im Hauptgebot der Liebe. Das ist die Botschaft Gottes heute! Im Evangelium erlebten wir zusätzlich: Gott ist es nicht egal, ob wir uns zu Tode wursteln. Er ereifert sich, wenn wir in eine Sackgasse geraten. So hat sich sein Sohn ereifert, als er die Händler im Haus seines Vaters sah.

Eine Bemerkung ist notwendig für die älteren, zu denen ich ja auch gehöre: Wir erinnern uns noch gut an die Zeit, als die Bauern den Pfarrer fragten, ob sie am Sonntag heuen durften. Das hat er dann gestattet oder auch nicht. Auch hat er beurteilt, ob 38 Grad Fieber ausreichten, um die Sonntagsmesse auslassen zu dürfen. Oder ob das Kind zur Erstkommunion gehen durfte, wenn es beim morgendlichen Zähneputzen einen Schluck Wasser erwischt hatte. Damals galt noch die harte Norm und der Pfarrer sorgte für exaktes Einhalten. Der Laie hatte wenig Spielraum, die Norm mit eigenen Überlegungen an eine spezielle Situation anzupassen. So etwas galt damals schon fast als Verrat.

Das ist seit dem Konzil anders geworden: Die Norm wurde zwar vom Konzil nicht abgewertet, aber der persönliche Gewissensentscheid aufgewertet. Eine Grossmutter, damals schon 83 Jahre alt, machte bei dieser Kehrtwendung die lapidare Bemerkung ‚Jetzt kommt es gut. Jetzt müssen die Leute mitdenken und Verantwortung übernehmen!’ Tatsächlich bekam der einzelne Christ die Aufgabe, sein persönliches Gewissen so zu bilden, dass es die Normen verantwortlich interpretieren und mit dem Leben verbinden konnte. Heute, nach über 30 Jahren, ist die Frage berechtigt: Hat das Konzil erreicht, was es erreichen wollte? Haben die Leute begonnen, mitzudenken und verantwortlich zu entscheiden? Wie ich sehe, haben das viele Christen getan, aber lange nicht alle! Die meisten dachten nicht mit, sondern schafften lieber unbedacht missliebige Normen ab. Fortan gaben sie an, nach ihrem Gewissen zu leben. In Wirklichkeit entscheiden sie eher ‚nach Lust und Laune’. Und wenn es nach ‚Lust und Laune’ geht, ist ein Glaubensgespräch schwierig. Denn bei zwölf Christen gibt es eben auch zwölf ‚Lüste’ und zwölf ‚Launen’.

Was ist nun unsere Aufgabe angesichts dieser Sachlage? Ich kann Ihnen nur raten: Beherzigen Sie das Wort der Grossmutter von damals: ‚Denken Sie mit und übernehmen Sie Verantwortung!’ Was heisst das? Tun Sie einfach das, was der Handwerker jeden Tag tut. Er fragt sich: Wie werde ich in meinem Arbeiten dem Material gerecht? Auf was muss ich achten, dass alle Gesetzmässigkeiten stimmen?

Wenn es um meinen Glauben und um das Leben aus dem Glauben geht, muss auch ich mich fragen: Wie werde ich den Weisungen Gottes gerecht? Wie entspreche ich den Gesetzmässigkeiten, die Gott in die Natur gelegt und mit seiner Offenbarung verdeutlicht hat? Wenn diese Grundlage gesichert ist, wenn dieses Sicherungsseil trägt, kann meine Phantasie voll zum Zuge kommen. Denn mein ganzes Leben muss und darf einmalig originell gestaltet sein.

Bruder Klaus hat es wunderbar geschafft, Gottes Willen mit dem eigenen Willen zu verbinden. Seine Sehnsucht war ja das ‚einig Wesen’. Er lebte konsequent und gradlinig aus seiner persönlichen Mitte heraus. Was er als Ziel erkannte, das verwirklichte er unbeirrt - auch im Gegenwind. Aber ebenso sorgfältig suchte er nach Gottes Willen und liess sich auf ihn ein. Darum war er offen für jede Korrektur - zum Beispiel für den Rat seines priesterlichen Freundes oder die Worte eines unbekannten Bauern in Liestal. Darum mahnte er auch seine Besucher, ‚ein jeder möge die evangelische Lehre seines Seelsorgers in ernstem Gemüte bewahren und nach seinen Kräften auszuführen suchen.’ (Wölflin, 1501)

Eine Bemerkung gegen Schluss unserer Überlegungen: Es ist Krieg im Irak, Krieg auch im Heiligen Land. Es wird weltweit demonstriert. Das wurde am Anfang des Gottesdienstes angetippt. Aber in der Predigt ist kein Wort darüber gefallen. Warum? Auch wir könnten - wie viele andere - lautstark in die Welt hinausschreien: ‚Wir wollen Frieden - hört endlich auf mit dem Krieg, im Irak, in Palästina!’ Das bringt nichts! Über die grossen Kriege in der Welt haben wir keine Macht. Aber wir haben Macht über die kleinen Kriege in Familie und Nachbarschaft, in Betrieben und Gemeinden. Da können wir tagtäglich auf Frieden hinarbeiten.

Nehmen Sie sich vor: Jeden Tag einen kleinen Einsatz für den Frieden! Es gibt viele Möglichkeiten dazu: Mehr Verständnis und Rücksichtnahme, Wohlwollen und Verzeihen, Rachegefühle überwinden - und vieles mehr. - Aber auch das ist Einsatz für den Frieden, wenn wir die Ordnung Gottes in unserem Leben wieder zum Zuge kommen lassen. Das bringt den Frieden Gottes in unsere Herzen, in unsere Familien, Betriebe und Gemeinden. - Fügen Sie noch etwas hinzu: Das Gebet zum Friedensheiligen Bruder Klaus! Bei ihm sind wir an der richtigen Adresse. Er betet für den Frieden in der Welt, er hilft uns, den Frieden auch im Kleinen - in unserem Alltag - zu fördern.

So gehen wir nun hinein in das Geheimnis Jesu Christi. Er hat uns den Frieden versprochen. Er helfe uns bei unseren kleinen Bemühungen für den Frieden in unserer kleinen Welt. Er schenke seinen Frieden auch der grossen Welt. Amen

Pater Josef Banz, Pilatusstrasse 2, Postfach 126, CH-6072 Sachseln
Tel: 041 660 12 65 / seelsorgebruderklaus.com

     
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