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Liebe Mitglieder des Bruder-Klausen-Bundes, liebe Verehrerinnen und Verehrer von Bruder Klaus und Dorothea
Papst Johannes Paul II. hat das Jahr 2003 als «Jahr des Rosenkranzes» ausgerufen und lädt ein, den Schatz dieser Gebetstradition wieder neu zu entdecken. Auf den Rosenkranz aufmerksam macht auch die aussergewöhnliche Ausstellung im Museum Bruder Klaus in Sachseln «Zeitinseln – Ankerperlen. Geschichten um den Rosenkranz».
Was hat Bruder Klaus mit dem Rosenkranz zu tun? Das Gebet, wie wir es heute kennen, entstand zwar am Anfang des 15. Jahrhunderts; Bruder Klaus aber kannte es noch nicht. Verschiedene Abbildungen zeigen ihn mit dem vorher üblichen «Bätti». Diese Gebetsschnur hat 50 Perlen, ist ohne Einteilung in Zehner und abgeschlossen mit einem Ring. Der Biograf Hans Salat schreibt 1537: «Er betete ohne Unterlass, und dies mit einem ‹Paternoster› (‹Bätti›) in den Händen». Das gleiche bezeugt 1571 Ulrich Witwyler: «Er pflegte das christliche Zeichen, das wir ‹Paternoster› oder ‹Bätti› nennen, an seinen Händen zu tragen».
Wie Bruder Klaus mit dem Bätti umging, ist nicht mehr auszumachen. Aber zwei Merkmale dürften zutreffen. Bruder Klaus kannte sicher die Gebetspraxis der Laien, die nicht lesen und schreiben konnten. Diese ersetzten die Psalmen des kirchlichen Stundengebetes mit dem «Vater unser» als Wiederholungsgebet – oft verbunden mit dem «Ave Maria», das damals nur aus dem ersten Teil bestand. Den 150 Psalmen entsprachen 3 mal 50 «Vater unser». So mag der Bauer nach der Arbeit oder der Vater in der Nacht am Stubenofen vor allem das «Vater unser» wiederholt haben. Das Bätti diente dabei als Zählgerät.
In der tiefen Lebenskrise mit etwa 48 Jahren lernte Niklaus das Leiden Christi betrachten. Wie damals üblich wurden Stationen des Kreuzweges Christi den Zeiten des Stundengebetes zugeordnet. So wurde zur Vesper (18.00 Uhr) das Abendmahl betrachtet, zur Komplet (21.00 Uhr) die Todesangst am Ölberg, zur Matutin (3.00 Uhr) der Spott im Haus des Kaiphas, zur Prim (6.00 Uhr) der Prozess bei Pilatus und Herodes, zur Terz (9.00 Uhr) die Geisselung und Dornenkrönung, zur Sext (12.00 Uhr) die Kreuzigung und zur Non (15.00 Uhr) der Tod am Kreuz. Häufig wurde die Leidensbetrachtung mit dem Beten des «Vater unser» verbunden. Die Stationen leuchteten gewissermassen im Hintergrund auf, ähnlich wie die Gesätze beim heutigen Rosenkranz.
Wie Bruder Klaus gebetet hat, bleibt offen. Vielleicht hat er auch sein Lieblingsgebet «Mein Herr und mein Gott» oder andere Herzensgebete mehrfach wiederholt. Dies mag in grosser Sammlung geschehen sein, im Erlebnis des «Einig Wesens» mit Gott. Jedenfalls liess er dabei die Perlen seines Bätti durch die Finger gleiten.
Bruder Klaus wünscht sicher, dass auch wir unser Beten verlebendigen: Sind unsere Gebete «Zeitinseln» – ruhige Inseln im hektischen Hin und Her der Zeit – und «Ankerperlen» – kleine Haltepunkte im aufgewühlten Meer des Lebens? Auch Bruder Klaus hat beim Beten beides erlebt: Sturm und Windstille, Dürre und Fruchtbarkeit. Aber er wusste sich von Gott getragen. So konnte er dem jungen Mann aus Burgdorf sagen: «Gott weiss es zu machen, dass dem Menschen eine Betrachtung so schmeckt, als ob er zum Tanz ginge». Vielleicht helfen das Jahr des Rosenkranzes und die Ausstellung in Sachseln auch uns, im Beten zu einem beschwingten Tanz zu kommen. Das wünscht Ihnen von Herzen
Pater Josef Banz Bruder-Klausen-Kaplan
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