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Das 'Einig Wesen' - Weg zum Frieden

       
   

Kolping-Wallfahrt 18. Mai 2003
Schriftlesung: Apg 9.26-31 / 1 Jh 3.18-24 / Jh 15.1-8

Liebe Kolping-Familie,
vor genau 140 Jahren - Ende Mai 1863 - besuchte Adolf Kolping Bruder Klaus: Er betete in der Grabkirche in Sachseln, wanderte zum Flüeli und stieg in den Ranft hinunter. Kolping war tief beeindruckt vom Heiligen, der hier lebte. Er sah ihn als Orientierungspunkt in den verwirrenden politischen und sozialen Verhältnissen von damals. Wenn er nochmals in die Schweiz käme, würde er wieder in den Ranft pilgern. So steht es in seinen Reiseerinnerungen.

Und nun, nach 140 Jahren sind Sie da, seine Söhne und Töchter, die Kolping-Familie. Vater Kolping freut sich vom Himmel her. Auch ich freue mich und grüsse Sie - im Namen von Bruder Klaus - mit den Worten, mit denen er die Besucher im Ranft begrüsste: ‚Gott gebe Euch einen guten seligen Morgen, ihr lieben Freunde und lieben Leute!’

Sie haben die Nöte der heutigen Welt mit sich genommen und erwarten eine klärende Antwort - wie Vater Kolping vor 140 Jahren und die Ranftbesucher vor über 500 Jahren. Was will Ihnen Bruder Klaus mit auf den Weg geben? Darüber wollen wir nachdenken.

Achten wir zuerst auf die Botschaft Gottes, die wir in den Worten der Heiligen Schrift vernommen haben.

In der Osterzeit richten wir unseren Blick immer wieder auf die Kirche der ersten Stunde: Da gab es Aufbruch, aber auch Verfolgung, dazwischen Friede, oft aber nur als Stille vor dem nächsten Sturm.

In diese Kirche hinein verkündete Johannes, was er gehört und erlebt hatte: Christus ist die Mitte! Glaubt an ihn! Und haltet euch an das Hauptgebot: Liebt einander!

Der gleiche Johannes weiss aber auch: ‚Gott ist die Liebe!’ Er hat uns zuerst geliebt. Wir geben nur weiter, was wir empfangen. Denn wir sind mit ihm verbunden wie der Rebzweig mit dem Weinstock.

Wir behalten diese Botschaft im Hinterkopf, während wir nun auf Bruder Klaus hinschauen. Drei Bereiche wollen wir genauer betrachten:

A) Die Zeit, in der Niklaus von Flüe lebte, war so unruhig, wie die Zeit der ersten Christen und wie die unsere.

B) Aber in dieser seiner Zeit und in seinem Lebens reifte eine Botschaft heran, die heute aktueller ist denn je - die Botschaft vom Frieden.

C) Bruder Klaus war ein ‚Mystiker’, aber auch ein ‚Praktiker’. Als Mystiker drang er bis zur letzten Quelle des Friedens vor. Als Praktiker wusste er, was man zum Frieden beitragen kann.

Wir gehen heute Vormittag den Spuren des Mystikers nach, im Sendungswort am Nachmittag den Spuren des Praktikers.

A) Die Zeit des Bruder Klaus war geprägt von geistiger Unruhe und tiefgreifenden Umwälzungen.

Die damalige kleine Eidgenossenschaft hatte zwar drei Kriege gegen Karl den Kühnen vom Burgund gewonnen, war aber innerlich zerrissen: Es gab Streit um die Burgunderbeute, Streit zwischen Stadt- und Landkantonen, Streit um die Aufnahme zweier neuer Kantone in den Bund. Das lockere Bündnisgeflecht musste eine gefährliche Zerreissprobe bestehen.

Im kleinen Kanton Obwalden erlebte Niklaus von Flüe viel Ungereimtes: Geldgierige Ratsherren, bestechliche Richter, verrohte Landsknechte - und Familien, die unter der Trunksucht oder Ausschweifung ihrer Väter litten. Auch mit den allgemeinen Sitten war es nicht zum Besten bestellt.

Die Kirche war mehr als reformbedürftig, aber kaum zu Reformen bereit. Der junge Niklaus wurde in Kerns getauft, weil die Sachsler Kirche unbesetzt war. Später musste er gegen den eigenen Pfarrer einen Prozess führen. Die religiöse Praxis war bei vielen Zeitgenossen ins Äusserliche abgeglitten.

Niklaus von Flüe litt darunter und suchte umso mehr seinen eigenen Weg - oft unter dem Zeigefinger von Nachbarn und Mitbürgern.

B) Was tat Niklaus von Flüe in dieser Zeit des Umbruches? Er hielt keine Predigten, gab keine Parolen aus und griff nicht messerscharf in die Diskussionen ein; er lebte - schlicht und einfach - sein Leben, wie Gott es ihm gegeben hatte. Und dieses Leben wurde zu einer kristallklaren Botschaft.

Gibt es ein ‚besonderes Merkmal’, einen ‚Roten Faden’ im Leben des Niklaus von Flüe? Der Sechzehnjährige Niklaus sah im Ranft einen hohen, schönen Turm! Dieses Bild war ein Wegweiser. Niklaus wollte wie ein Turm auf dem Boden stehen und gleichzeitig in den Himmel hinaufragen, er wollte Welt und Gott verbinden, das ‚einig Wesen’ suchen, wie er sagte. Mit Gott verbunden sein, das war sein wichtigstes Anliegen; darauf verwandte er alle Mühe.

Darum zog er sich schon als Bub von den Spielen seiner Kameraden zurück, um zu beten und nachzudenken. Auch legte er sich Verzichte und Fasten auf, um nicht abhängig zu werden von Speise und Trank.

Er sah Gefahren auch in seinem Beruf als Bauer: Könnte die Liebe zu den Tieren vielleicht seine Gottesliebe mindern?

Es zog ihn immer wieder in die Abgeschiedenheit des Ranft. Hier verweilte er häufig, wenn die Arbeit getan war.

Und der Vater ging mit seiner Familie zu Bett, stand aber wieder auf, um beim Ofen in der Stube zu beten. Das bezeugte sein Sohn Hans.

Aber trotz aller Bemühungen schlitterte sein Leben in eine tiefe Sinnkrise: Auf dem Höhepunkt seiner politischen Laufbahn und seines Ansehens - mit etwa 48 Jahren - legte er alle öffentlichen Ämter nieder. Er konnte die politischen Machenschaften nicht mehr ertragen.

Gleichzeitig wurde der Ruf Gottes in seinem Innern immer lauter: ‚Verlasse alles, auch das Liebste - verlasse Haus und Hof, Frau und Kinder.’ Das brachte ihn an den Rand der Verzweiflung; er fiel in eine tiefe Depression.

In dieser Verwirrung nahm er den Rat eines Priester auf, das Leiden Christi zu betrachten. Das tat er nun regelmässig und fand Linderung in seiner Not.

Er suchte auch das Gespräch mit seiner Frau Dorothee und seinen beiden ältesten Söhnen. Gemeinsam suchten sie nach dem Willen Gottes. Nach Monaten inneren Ringens konnten sie gemeinsam das Rufen Gottes annehmen: Dorothee gab ihrem Mann zum zweitenmal ihr Ja - und die beiden Söhne waren bereit, an Stelle des Vaters den Hof zu führen.

Niklaus nahm Abschied. Der Weg führte zuerst nach Basel, dann wieder zurück auf seine Alp Chlisterli, später - nach einem Zeichen Gottes - in den Ranft. Hier im Ranft fand
Bruder Klaus - so nannte er sich von jetzt an - den Ort, der das ‚einig Wesen’ möglich machte. Hier konnte er beten und betrachten und über alle Fragen und Probleme nachdenken, die an ihn heran kamen. Seine Sehnsucht war erfüllt. Bruder Klaus hatte den Frieden mit Gott gefunden - aber auch den Frieden des eigenen Herzens.

Bruder Klaus schwebte aber beileibe nicht auf sieben Wolken, im Gegenteil. Es trifft zu, was der Westschweizer Schriftsteller Denis de Rougemont schrieb: - ‚Er floh die Welt und nun kommt die Welt zu ihm’. (‚Il a fui le monde, et voici, le monde vient à lui’). Ratsuchende fanden in Bruder Klaus einen aufmerksamen Zuhörer, Gesandtschaften von Fürsten schätzten seinen politischen Sachverstand und die göttliche Weisheit in seinen Ratschlägen.

C) So reifte im Ranft die Ernte seines Lebens heran - die Botschaft vom Frieden. Auf der Suche nach dem ‚einig Wesen’ fand Bruder Klaus den Dreifaltigen Gott und in ihm den Urquell des Friedens. - Greifen wir zurück auf das Erlebnis eines Ranftbesuchers.

Es ist vor dem Jahr 1480. Wir gehen in den Ranft und treffen Bruder Klaus im Gespräch mit einem Pilger. Dieser wird später seine Erlebnisse aufschreiben und 1487 im ‚Pilgertraktat’ gedruckt herausgeben. Wir hören aufmerksam zu, was sie miteinander reden.

Zuerst geht es um theologische Fragen; dann ergreift Br. Klaus die Initiative: ‚Wenn es Dich nicht langweilt, will ich Dir mein Buch zeigen, in dem ich lerne.’ Der Pilger interessiert sich schon deswegen um das Buch, weil er weiss, dass der Einsiedler weder lesen noch schreiben kann. Nun zeigt ihm Bruder Klaus die Zeichnung eines Rades: Das Rad hat eine Nabe mit einem Punkt in der Mitte, einen Reifen und sechs Speichen, die Nabe und Reifen miteinander verbinden. Und dann beginnt er zu erklären:

‚In dieser Figur sehe ich das Wesen Gottes, seine unendliche Lebensfülle. Im Mittelpunkt ist die ungeteilte Gottheit, umgeben von der Gemeinschaft der Heiligen. Von diesem Mittelpunkt gehen drei Personen aus, Vater, Sohn und Heiliger Geist. Sie umgreifen Himmel und Erde, Dinge und Menschen, durchdringen das All und halten es in ihrer Hand. Und wie sie vom innersten Geheimnis ausgehen, so kehren sie wieder dorthin zurück - in die ‚unteilbare Macht.’

Die Worte von Bruder Klaus sind kurz und bündig. Und doch scheint die Ergriffenheit durch, mit der er beim Geheimnis des Dreifaltigen Gottes verweilt. Die Zeichnung ist für ihn kein trockenes Schema. Hier erlebt er die unfassbare Lebensfülle Gottes. In diese Lebensfülle ist auch er und die ganze Schöpfung hineingezogen.

Gott bricht also aus seinem Geheimnis heraus, faltet sich auseinander - wird ‚drei-faltig’. Wenn eine menschliche Gemeinschaft sich aus-faltet, läuft sie immer Gefahr, auseinander zu fallen. Bei Gott ist es anders. Er findet in die Einheit zurück. Der ‚drei-faltige’ Gott wird zum ‚drei-einigen’ Gott. Da spüren wir: Das hat mit Frieden zu tun.

Weiter: Gott umfasst und durchdringt auch alles Geschaffene, Himmel und Erde und Menschen. Er nimmt uns an seine Hand und kehrt mit uns in sein Geheimnis zurück. Er fügt auch die auseinanderfallende Schöpfung wieder zusammen. Aus ‚Vielfalt’ wird ‚Einheit’. - Auch das hat mit Frieden zu tun.

Bruder Klaus entdeckt den Drei-einigen Gott als den Urquell des Friedens. Kaum zwei Jahre später wird er diese Erfahrung im Brief an den Rat zu Bern in das Wort fassen: ‚Fried ist allweg in Gott. Denn Gott ist der Fried.’ Und er erlebt - in der Brunnenvision - eindrücklich, wie dieser Urquell in seinem Innern aufbricht. Es würde sich lohnen, länger darüber nachzudenken.

Hier ist ein Vergleich zwischen Johannes und Bruder Klaus am Platz: Johannes sagt in seinem ersten Brief: ‚Gott ist die Liebe’ (1 Joh 4. 8 und 4. 16). Er erlebte an der Seite Christi die herzliche Liebe Gottes und sah unter dem Kreuz den letzten Tropfen Blut und Wasser aus der Seitenwunde fliessen. Dieses Erlebnis drückte er aus im Satz: ‚Gott ist die Liebe’

Bruder Klaus hatte eine andere Erfahrung. Er sah, wie Gott und Welt bei vielen Menschen auseinander brachen. Im Gegenzug wollte er Himmel und Erde wieder miteinander verbinden und mühte sich ab um das ‚einig Wesen’ - um den Frieden mit Gott. - Im Ranft erlebte er den Dreifaltigen Gott und fand in ihm den Urquell des Friedens. Diese Erfahrung fasste er in die Worte: ‚Fried ist allweg in Gott. Denn Gott ist der Fried.’

Liebe Kolping-Familie, was sollen wir nun tun - was sollen wir von all diesen Überlegungen mit nach Hause nehmen? Wenn wir unserem Lebensbereich Werkzeuge des Friedens werden wollen, dann müssen wir nicht grosse Parolen in die Welt hinaus rufen. Wir müssen auch nicht Bruder Klaus oder Mutter Theresa oder Adolf Kolping werden, sondern schlicht und einfach leben, was Gott in uns gelegt hat. So haben es Bruder Klaus, Mutter Theresa und Adolf Kolping auch getan. Wenn Sie dem ‚Roten Faden’ Ihres Lebens folgen, wenn Sie ehrlich Ihr Leben leben, dann wird Gott es fruchtbar machen - zu seiner Zeit und in seiner Art.

Auf was wir dabei besonders zu achten haben, zeigt uns Bruder Klaus: Er war überzeugt: Friede ist zuerst und vor allem Geschenk Gottes. Er wollte nicht Frieden ‚machen’, sondern liess sich Frieden schenken. Das gilt auch für uns: Verbinden wir uns mit dem Ursprung des Friedens, Dann kann der Friede wie eine Lebenskraft vom Stock in die Zweige dringen.

Im Evangelium haben wir gehört: ‚Wer in mir bleibt und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht.’ (Jh 15. 5b).’Dann bittet um alles, was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.’ Jh 15. 7b) Das trifft jetzt zu, da wir Eucharistie feiern. Öffnen wir weit unsere Herzen, stärken wir unser Vertrauen.

Was ich Ihnen zum Abschluss wünsche? Bruder Klaus möge Sie begleiten, dass Sie ebenso sehnsüchtig wie er nach dem ‚einig Wesen’ suchen, dass Sie den Weg durch die Wellentäler Ihres Lebens hindurch finden - und kräftig und ausdauernd und zuversichtlich Ihr Leben gestalten. Amen





Friedensandacht am Nachmittag
Besinnliche Einleitung

Aus dem Brief von Bruder Klaus an den Rat zu Bern

"Fried ist allweg in Gott, denn Gott ist der Fried -

Es gibt Wege auf den Frieden hin. Aber wirksam Frieden schaffen kann nur, wer den Frieden Gottes in sich aufnimmt und ausstrahlt. Denn Gott ist Liebe – und Friede.

- und Fried mag nicht zerstört werden -

Wer auf Frieden hinarbeitet, überlegt und handelt langfristig. Was er aufbaut, hat Bestand.

- Unfried aber würde zerstört."'

Wer Streit entfacht und spaltet, denkt und handelt kurzsichtig, baut nicht auf, sondern reisst nieder.

"Gehorsam ist die grösste Ehr, die es im Himmel und auf dem Erdreich gibt. Darum sollt ihr schauen, dass ihr einander gehorsam seid."

Aufeinander horchen: das Anliegen des andern ehrfürchtig aufnehmen und ernst nehmen.

Einander ge-horchen: Horchen und entgegen gehen, im offenen Gespräch eine Lösung suchen, die beiden Anliegen gerecht wird.

In einer anders gearteten gesellschaftlichen Landschaft begründet Bruder Klaus eine neue politische Kultur:

Einer Zivilisation der Fäuste stellt er eine Kultur der Herzen gegenüber.

Einer Zivilisation des Sich Behauptens hält er eine Kultur des Sich Einfühlens entgegen.

An Stelle von ‚Konfrontation’ propagiert er das ‚Gespräch,’
statt ‚Sich durchsetzen’ - ‚gegenseitige Rücksichtnahme’.

Sendungswort

Liebe Kolping-Familie,
Sie möchten ein kräftiges Wort mit auf den Weg nehmen,
ein Wort, das Sie im Leben brauchen und einsetzen können. Das liegt im Sinn von Vater Kolping, das liegt auch im Sinn von Bruder Klaus. Wir haben dieses Wort bereits gehört. Aber es braucht noch eine Verpackung:

Niklaus von Flüe wollte Himmel und Erde. Gott und Menschen verbinden. Und was stellen wir fest - wenn wir auf sein Leben zurückblicken? Schon der Bauer, Vater und Politiker hatte das ‚einig Wesen’ gefunden. Denn er wohnte in der Welt Gottes; er war ein echt frommer Mann. Und der Mystiker Bruder Klaus stand mit beiden Füssen auf dem Boden. Den politischen und menschlichen Sachverstand behielt er auch im Ranft, verstärkte ihn sogar und ergänzte ihn mit der Weisheit Gottes.

So kommt im Brief an den Rat zu Bern der Mystiker zu Wort, der Gott als den Ursprung, die letzte Quelle des Friedens sieht. aber auch der Praktiker, der weiss, was wir zum Frieden beitragen können.

Aus der Lebenserfahrung des Praktikers ist der Satz herausgewachsen: ’Gehorsam ist die grösste Ehr, die es im Himmel und auf dem Erdreich gibt. Darum sollt ihr schauen, dass ihr einander gehorsam seid.’ Eine kurze, knappe Regel. Typisch Bruder Klaus! Er gehörte zu den Menschen, die mit wenigen Worten viel sagen. Aber was meint er nun im Einzelnen?

‚Horcht aufeinander!’ - ist die erste Aufforderung. - In Niederalteich (im Innenhof der Landvolkhochschule) ist Bruder Klaus dargestellt mit einer Hand am Ohr. Besucher im Ranft haben ihn als aufmerksamen Zuhörer erlebt.Das konnte aber schon der Richter: Zuhören und zum Hören anregen. Denn er wusste: Wer Frieden sucht, muss zuerst aufnehmen, was dem andern Freude oder Sorge bereitet, was er überlegt, plant und träumt.

‚Gehorcht einander’ ist die zweite Aufforderung. Das heisst: Geht einen Schritt aufeinander zu - und überlegt: ’Welche Lösung greift nicht nur mein, sondern auch dein Anliegen auf?’

Niklaus von Flüe stand mit dieser Grundhaltung allein auf weiter Flur. Die Eidgenossen waren Haudegen. Sie schlugen lieber mit ihren Hellebarden zu, als dass sie das Gespräch suchten und miteinander verhandelten. Bruder Klaus begründete mit seiner Regel eine neue politische Kultur: Einer Zivilisation der Fäuste stellte er eine Kultur des Verhandelns gegenüber.

Dieses Landsknechtgebaren übertrug sich zu oft auch auf die Familien. Die Männer wollten sich durchsetzen. Das war beliebter, als sich einfühlen. Bruder Klaus begründete mit seiner Regel auch eine neue familiäre Kultur: Anstelle von ‚Sich durchsetzen’ warb er für ‚gegenseitige Rücksichtnahme’.

‚Einander gehorchen’ wurde schon in der Familie von Flüe gepflegt. Als Niklaus den Ruf Gottes spürte, alles zu verlassen, verfügte er nicht eigenmächtig über seine Zukunft, sondern suchte das Gespräch. Alle hörten aufeinander - über Wochen und Monate - bis sie sich entscheiden - und dem Willen Gottes einfügen konnten.

Liebe Söhne und Töchter von Vater Kolping, ich bitte Sie: Nehmen Sie das Wort vom ‚Einander gehorchen’ - die Grundhaltung von Bruder Klaus - in ihren Alltag hinein. Sie werden erfahren, wie aktuell das Wort ist und wie viel es gibt:

In den Familien, wo es jeden Tag darum geht, auf die andere Sprache, das andere Empfinden, die andere Art des Gegenübers einzugehen.

In den Pfarreien, wo sich mancher Grabenkampf erübrigte, würde man die tieferen Anliegen anders denkender und fühlender Christen wahrnehmen.

Im politischen Bereich, wo die Regel von Bruder Klaus einen ehrfürchtigeren Umgang miteinander und eine menschlichere politische Kultur brächte.

Zu oft erlebten wir das Gegenteil, in Ex-Yugoslawien, Zentralafrika und Südamerika, in den kommunistischen Oststaaten und islamischen Ländern. Wir sollen aber auch Verständnis aufbringen. Der Weg zu gegenseitiger Anerkennung und Ehrfurcht war auch in unseren Breitengraden lang und mühsam.

Probieren Sie also das Wort vom ‚Einander Gehorchen’ aus. Sie werden die schönsten Erfahrungen machen.

Und wenn Sie Bedenken bekommen - ’Was ich tun kann, ist ja nur ein Tropfen auf den heissen Stein?’ - Dann erinnern Sie sich an das Wort: ’Wenn viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten viele kleine Dinge tun, dann werden sie die Welt verändern.

Und dann erinnern Sie sich nochmals an den unbedeutenden Mann, der im unbedeutendsten Schlupfwinkel der Welt ein völlig unbedeutendes Lebens führte. Dieser Mann strahlt heute noch aus, nicht nur in Europa, sondern in der ganzen Welt - der Friedensheilige Bruder Klaus von Flüe. Denn Gott liess ihn nicht allein. Gott lässt auch uns nicht allein. Er macht im Bündnis mit! Amen

     
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