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Im Kirchengesangbuch der Sechziger Jahre stand der Satz: «Ich glaube fest alles, was du uns durch deine heilige katholische Kirche zu glauben vorgestellt hast.» Da betete einmal einer unter dem Gelächter der Anwesenden: «Ich glaube fast alles...». Vierzig Jahre später könnte es wohl heissen: «Ich glaube fast nichts...!»
Kein sicheres Glaubenshaus mehr
Früher haben wir das «Glaubenshaus» als Ganzes angenommen und nur an Wenigem gerüttelt. Heute rütteln wir an fast allem; nur weniges ist gesichert und stabil. Zum Beispiel: Heute leiden die Kirchgänger unter dem Zeigefinger der Nachbarn, früher waren es die Fernbleibenden. Umkämpft sind auch andere Bereiche des Lebens. Die politische Linie und die Grundsätze der Eltern sind bei Kindern nicht mehr gefragt, höchstens noch das Vermögen. Bei Partnerschaft und Liebe, Arbeit und Karriere wechseln die Trends von Jahr zu Jahr. – Wir atmen alles Trendige ein wie die Luft und sind dauernd am Kämpfen.
Wenn das Glaubenshaus zusammenfällt und im Wellengang der Trends auch der kümmerliche Rest bedroht ist, stossen Ersatzwerte aus Esoterik, Wahrsagerei, Aberglauben und Psychologie nach. Eltern und Erzieher sind beunruhigt. Sie erleben hautnah die Sackgassen, in die ein Leben «nach Lust und Laune» führt, aber finden kein Gehör mehr bei der jungen Generation. Müssen sie aufgeben?
Erprobte Glaubenswege
Eine Alternative gibt es im «Glaubensweg», aktuell bei den ersten Christen – und bei Niklaus und Dorothea. Da beobachtet ein suchender Heide die Christen, obwohl er nur Schlechtes über sie hört. Er sammelt erste Wissensbrocken und erlebt ein Geheimnis: Sie sind verbunden mit einem «Christus », den sie als Gesandten Gottes ansehen. Ihr Leben fasziniert ihn. Nun wird er getauft, sucht weiter auf dem Glaubensweg, trotzt den Hagelgewittern und riskiert für seine Überzeugung sogar das Leben. Auch sein Leben strahlt aus und zieht Menschen an. Das beobachtet ein Heide und schreibt an seinen Freund Diognet: «Was im Leib die Seele ist, das sind in der Welt die Christen. Die Seele wohnt zwar im Leib, sie ist aber nicht vom Leib. Auch die Christen wohnen in der Welt, sie sind aber nicht von der Welt.»
Warum hat auch Bruder Klaus die gleiche Ausstrahlung? Die Mitbürger erlebten ihn als markante Persönlichkeit, wie aus einem Stein gehauen – gleichzeitig Mensch und Gottesmann. Gott und er selber waren am meisseln – das ganze Leben lang. Und Dorothea ging in Treue mit und machte seinen Weg möglich.
Der Glaube des Niklaus von Flüe war nicht «angelernt » oder «aufgeklebt», sondern gesucht, hinterfragt und erfahren. Er litt unter dem Dunkel des Glaubens, erlebte aber auch das Schauen Gottes. Beides wurde ihm zuteil – Karfreitag und Ostermorgen. Bruder Klaus erteilte keine weltfremden Ratschläge. Der Gatte und Vater wusste um Liebe und Ehrfurcht, der Richter sah in die Abgründe der Obwaldner Bauern, der Ratsherr fand Unrecht und Habsucht auch bei Hochgestellten. Alle Erfahrungen verdichteten sich zur Weisheit. Und die menschliche Weisheit wurde überstrahlt von der Weisheit Gottes. Bruder Klaus und Dorothea erfuhren: Wer auf dem Glaubensweg bleibt, der strahlt aus in göttlichem Licht.
Hilfe auf dem Glaubensweg
Keiner erbt heute ein fixfertiges «Glaubenshaus»; jeder muss auf einen persönlichen «Glaubensweg ». Junge Menschen im Suchen unterstützen kann aber nur, wer selber sucht. Das haben schon viele Menschen begriffen. Junge Eltern denken über die Glaubensfragen ihrer Kinder nach. Bei der Taufe, Erstkommunion und Firmung der Kinder erneuern sie auch ihren persönlichen Glaubensweg. Wenn dann später der 16-Jährige Gott in Frage stellt, antworten sie aus eigener Erfahrung. Und wenn die 14-jährige Tochter die Messe ablehnt, erzählen sie, was auch für sie schwierig war und wie sie die Messe heute erleben. Worte aus einem vollen Herzen werden auch von kritischen Jugendlichen beachtet.
Selbst Grosseltern, die im vertrauten Glaubenshaus wohnen, können ihren Enkelkindern auf dem Weg helfen. Wenn sie zurückdenken, wie sie selber gesucht und gekämpft haben, werden sie auch die richtigen Worte zu einem Gespräch finden. Darüber hinaus werden sie vertrauensvoll beten, Gott ihre Opfer anbieten und herzliche Liebe schenken. Ihr strahlendes Gesicht wird in Erinnerung bleiben. Und Gott wird an die gefährlichen Wegkreuzungen seine schützenden Engel schicken – oder Bruder Klaus und Dorothea als Vorbild und Begleitung.
P. Josef Banz
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