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Rundbrief September 2017
 
     
   
     
 

Geweiht aus Leidenschaft für Gott und sein Volk

       
   

Ansprach von Bischof Kurt Koch bei der Wallfahrt der Priester und Diakone zu Bruder Klaus am 20. September 2004.

Brunnenwasser und Röhren

Aus einem und demselben Brunnen kann man dasselbe Wasser der Frische und dem Geschmack nach trinken, auch wenn es aus verschiedenen Röhren - bleiernen, kupfernen, silbernen oder goldenen - strömt. Genauso kann man auch "von guten und bösen Priestern, die das Sakrament des Altares vollziehen", die gleiche Gnade geniessen. Mit diesem anschaulichen Vergleich spricht uns Bruder Klaus auf eine Grundspannung in unserem diakonalen und priesterlichen Wirken an, die wir alltäglich erfahren: Wir müssen uns immer wieder Rechenschaft darüber geben, dass Christus uns bei unserer Weihe beauftragt hat, aus dem Brunnen des christlichen Glaubens den Menschen Wasser zu spenden. Zugleich müssen wir immer wieder erfahren, dass wir als endliche und schwache "Röhren" hinter der uns anvertrauten Sendung zurückbleiben.

Diese Unterscheidung von Brunnenwasser und Röhre, beziehungsweise von Amt und Person kann uns in grosse Spannungen führen. Im Grunde aber ist sie ungemein entlastend und lässt uns unsere Sendung in leidenschaftlicher Gelassenheit vollziehen, weil Gott ganz auf den Brunnen setzt und Nachsicht mit den Röhren hat. Belastend und beinahe erdrückend ist vielmehr die heute weit verbreitete Verwechslung oder sogar Gleichsetzung von Amt und Person. Sie ist freilich bloss eine Neuauflage der donatistischen Irrlehre, die aufgedeckt und entlarvt zu haben zu den grössten Verdiensten des Heiligen Augustinus gehört. Doch heute lebt der donatistische Geist wieder auf in der Behauptung, Autorität könne nur haben, wer sich selbst solche zu verschaffen wisse. Wenn wir diese Meinung auf die Kirche und unsere Sendung als Diakone und Priester übertragen, dann fallen wir faktisch hinter die Errungenschaft Augustins zurück, weshalb es auch nicht erstaunen kann, dass der ehemals als "Vater des Abendlandes" gepriesene Kirchenvater weithin zum Prügelknaben vieler heutiger Theologen geworden ist.

Wie wohltuend ist demgegenüber die klare Unterscheidung zwischen dem Brunnenwasser und den verschiedenen Röhren in der gläubigen Wahrnehmung von Bruder Klaus! Auch wenn wir nicht alle und nicht immer silberne oder goldene Röhren sind – und es auch nicht sein müssen -, sind wir dennoch von Christus berufen und gesandt, als Spender seines Lebenswassers wirken zu dürfen. Dies ist uns zugesagt worden in unserer Weihe. Dieses sakramentale Zeichen macht der ganzen Kirche und zunächst uns selbst immer wieder bewusst, dass die Kirche nicht in sich selbst gründet, sondern ihren wahren Grund jenseits ihrer selbst hat. Als Kirche leben wir aus dem, was uns selbst und unsere natürlichen Möglichkeiten unendlich übersteigt. Weil die Kirche nicht einfach eine natürliche Möglichkeit der menschlichen Gemeinschaft ist, deshalb gibt es in ihr ein geweihtes Amt, das gerade nicht eine Sache der Delegation ist, sondern vielmehr der sakramentalen Sendung.

Dienst der Versöhnung

Diesen Grund, auf dem die Kirche lebt und den sichtbar darzustellen der Sinn der Weihe ist, findet Paulus in der heutigen Lesung nicht zufällig in jener Versöhnung mit Gott, die Christus am Kreuz erwirkt hat. Die neutestamentliche Kreuzesbotschaft verkündet, dass "Gott in Christus die Welt mit sich versöhnt hat". Genau in diesem Heilsgeschehen der Versöhnung ist das apostolische und damit auch das priesterliche Amt mitgesetzt. Paulus kommt ausgerechnet dort, wo er die Mitte des christlichen Glaubens – Tod und Auferstehung Jesu Christi – thematisiert, im gleichen Atemzug auch auf den tiefsten Grund und das eigentliche Wesen seines apostolischen Amtes zu sprechen. Er ist überzeugt, dass Gott uns durch Christus versöhnt und das Amt der Versöhnung gestiftet, dass er also mit der entscheidenden Heilstat der Versöhnung zugleich das Amt der Versöhnung mitgesetzt hat: "Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung zur Verkündigung anvertraute" (2 Kor 5.19).

Diesem im Heilsgeschehen mitgestifteten Amt kommt vor allem die Aufgabe zu, die von Gott in Jesus Christus schon geschehene Versöhnung weiterzuvermitteln, damit sie für alle Menschen aller Zeiten heilswirksame Gegenwart werden kann. Diakonaler und priesterlicher Dienst in der Kirche ist vor allem Dienst an der Versöhnung, freilich nicht in erster Linie jener Versöhnung, die wir mit menschlichen Kräften versuchen, sondern jener Versöhnung, die Christus gewirkt hat und die wir nur empfangen können, und zwar am intensivsten in der Feier der Eucharistie. Hier liegt der tiefste Grund, dass die Kirche die Eucharistie nie als Sakrament der Versöhnung verstanden hat, wie dies heute weithin in den Vordergrund getreten ist, wenn die gemeinsame Feier der Eucharistie zwischen Katholiken und Protestanten als Mittel der Versöhnung zwischen den Kirchen missverstanden wird. Bereits die Eucharistie in der apostolischen Zeit setzt das Sakrament der Versöhnung vielmehr voraus und wird als Sakrament der Versöhnten gefeiert, die sich von Christus versöhnen liessen und dadurch gleichsam seine Familie geworden sind.

Der Eucharistie als Feier der Versöhnten geht deshalb immer die Unterscheidung voraus, wie Paulus unmissverständlich betont: "Wer unwürdig von dem Brot isst und aus dem Kelch trinkt, macht sich schuldig am Leib und am Blut des Herrn. Jeder soll sich selbst prüfen; erst dann soll er von dem Brot essen und aus dem Kelch trinken" (1 Kor 11. 27-28). Diese Praxis ist später auch greifbar in der Zwölfapostellehre am Beginn des Zweiten Jahrhunderts, gemäss der der Priester vor der Austeilung des eucharistischen Sakramentes spricht: "Wer heilig ist, der trete hinzu, wer nicht, tue Busse!" Die Eucharistie wurde deshalb von Anfang an in der Hausgemeinschaft Jesu Christi gefeiert und kannte klare Zulassungsbedingungen. Der Grund dafür liegt darin, dass wir in ihr nicht unsere eigenen Versöhnungsversuche feiern, sondern die uns von Christus am Kreuz erwirkte und in der Eucharistie vergegenwärtige Versöhnung mit Gott.

Die Eucharistie wurde deshalb in den frühen Zeiten einfach als "Friede" bezeichnet. "Pax" - "Friede" ist sehr bald einer der Namen des eucharistischen Sakramentes geworden. Denn indem Christus uns in die Kommunion seines Leibes zu sich führt, indem er uns in denselben Raum seiner Liebe hineinführt und indem er uns mit demselben Brot des Lebens nährt und stärkt, verwandelt er uns untereinander auch zu Geschwistern. Die Eucharistie ist zutiefst Friede vom auferstandenen Herrn her für seine Kirche.

"Gesandte an Christi statt"

Von der Eucharistie her wird auch die Sendung des apostolischen und damit auch des diakonalen und priesterlichen Dienstes am deutlichsten sichtbar. Er ist Dienst an jenem Frieden, den uns nur Christus schenken kann, weil er selbst der Friede ist. Paulus drückt dies mit einem bedeutungsschweren Satz aus, bei dem jedes Wort ernst zu nehmen ist: "Wir sind Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt." Damit sind uns vier Weisungen auf unseren Weg als geweihte Amtsträger gegeben.

Wir sind erstens gesandt und können uns weder die Sendung selbst geben noch auch die Botschaft, die wir weiterzugeben haben, selbst aussuchen. Unsere Hauptverantwortung besteht vielmehr darin, alle Kraft zu investieren, damit wieder deutlicher ans Tageslicht treten kann, was Kirche ist: In erster Linie befriedigt die Kirche nicht Bedürfnisse und Erwartungen, sondern sie feiert Geheimnisse. Denn sie ist nicht einfach eine geistliche Bedürfnisbefriedigungsanstalt oder eine spirituelle Wellness-Institution im Konkurrenzkampf mit anderen auf dem weltlichen Markt, sondern sie ist die sehr verbindliche Gemeinschaft derer, die an Christus glauben und auf seinen Namen getauft sind und die deshalb auch ihr eigenes Profil nicht nur entwickeln darf, sondern auch soll.

Wir sind zweitens gesandt "an Christi Statt". Wiederum ist die Eucharistie der vornehmste Ort, an dem wir als Priester dieses "an Christi Statt" verwirklichen. Denn Christus als den Hohepriester in der liturgischen Feier zu repräsentieren, macht die besondere Sendung des geweihten Amtes aus. Diese Sendung darf freilich nicht so missverstanden werden, dass der Priester einen Abwesenden stellvertreten würde. Dies wäre priesterlicher Atheismus. Die Aufgabe des Amtes besteht vielmehr darin, den in der Eucharistie unsichtbar, aber real anwesenden und wirkenden Christus als Hohepriester darzustellen und bis in die Sinne hinein sichtbar werden zu lassen.

Unser Wirken als Diakone und als Priester muss drittens so vollzogen werden, dass deutlich wird, dass es Gott selbst ist, "der durch uns mahnt". Unser Wirken muss transparent sein für Gott, damit er durch uns "per-sonieren", durchklingen kann. Als Amtsträger müssen wir deshalb stets zunächst empfangen, was wir uns überhaupt nicht selbst besorgen können. Und wir müssen uns nicht krampfhaft darum bemühen, selbst gross herauszukommen. Unsere Verantwortung liegt vielmehr darin, dass Gott in unserem Wirken durchkommen kann. Nirgendwo wird diese für den kirchlichen Dienst notwendige Grundhaltung so konkret und anschaubar wie im Gebet und im Gottesdienst. Hier wird erfahrbar, dass im christlichen und kirchlichen Leben das Entscheidende von Gott her geschieht. Kirchliche Amtsträger müssen sich deshalb immer wieder genügend Zeit für das persönliche Gebet nehmen, und zwar auch und gerade zu Gunsten der ihnen anvertrauten Menschen. Denn Seelsorge ohne den langen Atem führt entweder in rastlose Kurzatmigkeit oder früher oder später in die Resignation und in den heute viel beschworenen Frust der Kirchenfunktionäre: Kirchlicher Dienst ohne Innerlichkeit wird zu leerem Aktivismus! Den für den kirchlichen Dienst notwendigen langen Atem können wir aber nur von jener Wirklichkeit empfangen, die diesen Namen wirklich verdient, nämlich vom Pneuma, vom Heiligen Geist.

Bei unserem diakonalen und priesterlichen Dienst haben wir viertens keine andere Autorität als die Autorität der demütigen, aber entschiedenen apostolischen Bitte: "Wir bitten an Christi Satt: Lasst euch mit Gott versöhnen!" Die heute so viel unterstellte und kritisierte Macht der Geweihten in der Kirche besteht allein darin, dass wir die "Autorität des bittenden Christus" selbst zu verkündigen haben. Diese bescheidene Grundhaltung wird uns in der heutigen Situation der Kirche ohnehin zugemutet, in der das Glaubenswissen rapide schwindet und der Glaube wegschmilzt wie der Schnee vor der beginnenden Frühjahrssonne. Die über dreihundert Zuschriften, die ich in diesem Sommer erhalten habe, haben mir unmissverständlich gezeigt, dass ein sehr grosser Teil unserer Gläubigen den eucharistischen Glauben unserer Kirche nicht mehr teilt oder ihn nicht einmal mehr kennt. In dieser Situation haben wir keine andere Aufgabe, als mit der Autorität der apostolischen Bitte die Wahrheit unseres Glaubens zu verkünden – gelegen oder ungelegen und keineswegs bloss gelegentlich.

Kriterium der Liebe

Damit ist uns zugemutet, in neuer Weise in der Glaubensverkündigung zusammenzusehen und zusammenzuhalten, was sich nicht auseinanderdividieren lässt, weil es unlösbar zusammengehört: Wahrheit und Liebe. Denn auf der einen Seite kann Wahrheit ohne Liebe brutal werden, weil sie die weise Empfehlung nicht beherzigt, die Max Frisch einmal so ausgedrückt hat, man solle die Wahrheit einem Menschen nicht sagen wie einen Waschlappen, den man ihm um die Ohren schlägt, man solle die Wahrheit einem Menschen vielmehr hinhalten wie einen Mantel, in den er schlüpfen kann. Auf der anderen Seite aber kann Liebe ohne Wahrheit banal werden, weil sie dem Menschen das Kostbarste vorenthält, das es gibt, nämlich die Wahrheit.

Wahrheit ohne Liebe ist blind; aber Liebe ohne Wahrheit ist leer. Jenseits von liebloser Wahrheit und wahrheitsleerer Liebe muss sich unser Dienst durch eine sensible Liebe zur Wahrheit auszeichnen und müssen wir die Wahrheit in Liebe verkünden. Dass letztlich alles an der Liebe in Wahrheit hängt, macht das heutige Evangelium in besonders dichter Weise sichtbar. "Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?" Dies ist die alles entscheidende Frage, die der Auferstandene an Petrus stellt, bevor er ihm die Sendung anvertraut, seine Schafe zu weiden. Jesus wiederholt seine Frage dreimal, um unmissverständlich deutlich zu machen, dass in der Liebe das wichtigste Kriterium für eine spezifische Berufung in der Nachfolge Jesu liegt. Für geschulte Ohren von modernen Christen und Christinnen mag diese Konzentration auf das eine Kriterium der Liebe zu Christus seltsam klingen. Doch wir können das heutige Evangelium drehen und wenden, wie wir wollen, wir kommen nicht an der Feststellung vorbei: Der Auferstandene fragt Petrus nicht nach seinem künftigen pastoralen Programm und schon gar nicht nach seinem kirchenpolitischen Kurs, den er einzuschlagen gedenkt. Der Auferstandene fragt Petrus nicht einmal danach, ob ihn die anderen Jünger und das Volk Gottes wohl annehmen werden. Nein, Christus fragt Petrus allein nach seiner Liebe zu ihm: "Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?"

Diese entscheidende Frage stellt Christus heute auch uns täglich. Mit dieser Frage kommt an den Tag, was das tiefste Wesen der Kirche und was die Sendung des geweihten Amtes in der Kirche ist. Das Johannesevangelium gibt uns darauf die schöne Antwort: Die Kirche und in ihr das geweihte Amt leben von derjenigen Liebe, mit der Christus uns liebt. Die Kirche wird deshalb allein dadurch immer besser Kirche und der Priester wird dadurch ein glaubwürdiger Hirte, dass sie die bis zum Äussersten gehende Liebe Jesu Christi sichtbar darstellen und wirksam bezeugen. Der Dienst des Diakons und des Priesters besteht vor allem darin, dass Christus selbst seinen Dienst an der Kirche ausüben kann: Das geweihte Amt ist kirchlicher Dienst für den Dienst Jesu Christi an seiner Kirche, und dieser ist nur möglich in der Grundhaltung der Liebe zu Christus.

Die Liebe des Diakons und des Priesters zu Christus übersetzt und konkretisiert sich in der Liebe zur Kirche und zu den ihm anvertrauten Menschen. Denn er ist geweiht aus Leidenschaft für Gott und sein Volk. Mit dieser entschiedenen Betonung der Liebe kommen wir nochmals auf die Grundspannung zwischen Amt und Person zurück. Wir sind von Christus berufen, als Spender seines Lebenswassers wirken zu dürfen. Gerade deshalb müssen wir uns auch um unsere eigenen Röhren kümmern. Diese müssen weder silbern noch golden sein. Aber entscheidend wichtig ist, dass sie durchlässig sind, dass sie derart hohl werden, dass das Brunnenwasser des Glaubens auch wirklich durchfliessen kann. Denn verstopfte Röhren werden nicht nur den Menschen zum Hindernis, sondern sie schaden auch der Glaubwürdigkeit des Brunnenwassers.

Bitten wir an diesem Heiligen Ort Bruder Klaus, der in der unbeirrbaren Zuversicht gelebt hat, dass Brunnen und Röhren zusammengehören, und der dennoch dem Brunnen den eindeutigen Vorrang gegeben hat, um seine hilfreiche Begleitung, dass wir neue Freude an unserer Berufung zur Spendung des Lebenswassers erhalten und dass wir immer glaubwürdigere und überzeugende Röhren im Dienst des Brunnens Jesu Christi werden.

Bischof Kurt Koch

     
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