Bruder Klaus  
  Kurzbiographie
Sein Leben
Gebet
Kurzfilme
Dorothee
Impulse
Literatur und Medien
 
  Dienste  
  Geschäftsstelle/
Wallfahrssekretariat

Seelsorge
Verkauf
Jugendunterkunft
Tourismusbüro
Museum
 
  Trägerschaft  
  Br-Klausen-Stiftung
Ihre Unterstützung
Br-Klausen-Bund
Rundbrief September 2017
 
     
   
     
 

Mit Besitz klug umgehen - Predigt am Fest des Heiligen Bruder Klaus

       
   

Es ist immer eine besondere Freude, Pilgern und Besuchern die Heiligtümer von Bruder Klaus nahe zu bringen. Gewisse Reaktionen sind mit der Zeit vor-aussehbar. Etwa das ungläubige Kopfschütteln, wenn sein 20-jähriges Fasten zur Sprache kommt. Oder die verstohlenen Seitenblicke und das Gemurmel, wenn davon die Rede ist, dass er seine Frau Dorothee und seine 10 Kinder verlassen hat, um allein für Gott zu leben.

Die Reaktionen sind verständlich. Es fällt schwer, einen Mann wie Bruder Klaus zu begreifen, der 20 Jahre lang so streng gefastet und ein Büsserleben geführt hat. Und ebenso schwer fällt es, in einer Zeit, wo so viele Ehen und Familien in die Brüche gehen, gerade einen Mann zu verehren, der von seiner Familie wegging. Bruder Klaus mag auf den ersten Blick kein besonders lie-benswerter Heiliger sein. Aber nur die wenigsten Heiligen sind dies. Heilige stossen an und regen auf – und sollen dies auch. Könnte Bruder Klaus aber nicht gerade dort, wo er aneckt, zu einem unerwartet aktuellen Landespatron werden?

Bruder Klaus hat zwanzig Jahre lang, von 1467 bis zu seinem Tod im Jahre 1487 ohne Essen und Trinken und in äusserster Kargheit gelebt – und ist heu-te der Patron eines der reichsten Länder der Welt, der Patron einer Gesell-schaft, wo Nahrungsmittel auf dem Müll landen und gelegentlich ganze Ernten aus wirtschaftlichen Gründen vernichtet werden. Wird der Heilige Nikolaus von Flüe hier nicht zu einem unerwartet aktuellen Mahner im Überfluss und Reich-tum? Er fordert uns durch seinen radikalen Lebensstil heraus, als Christen un-seren Umgang mit Besitz und Reichtum zu überdenken.

Seine Zelle im Ranft passt kaum mehr in unsere Zeit und in unser Land – und irgendwie ja auch nicht in unsere Kirche. Aber sollte nicht jeder wahrhafte Christ wie Bruder Klaus im Ranft zu leben versuchen, jedenfalls so asketisch wie möglich – fastend und betend?

Gott sei Dank stellt uns die christliche Botschaft nicht pauschal vor solch strenge Alternativen. Ein Blick in die Heilige Schrift entkrampft die Sache. Je-sus selbst zeigt nirgendwo eine asketische Haltung. Ganz anders als Bruder Klaus ernährt sich Jesus im grossen und ganzen so, wie es üblich ist; braucht, was er nötig hat, und im übrigen wird darüber nicht weiter gesprochen. Wenn man ihn einlädt, nimmt er am Essen teil, wie die andren auch.

Pauschal wird also auch von uns kein Asketentum gefordert. Nicht jeder ist dazu berufen, wie jener Mann im Evangelium alles zu verkaufen. Christus zeigt uns zwei Arten, wie wir mit unserem Drang nach Reichtum und Besitz umgehen können.

Da gibt es einmal die – sagen wir – normale Art, so wie sie in den "Geboten" liegt. Man darf Besitz haben. Man soll ihn gewissenhaft verwalten und etwas mit ihm zum Wohle aller leisten. Es ist eine klare Ordnung, die nach dem Evangelium gültig ist vor Gott. Das Reichsein an sich ist keineswegs ein Hin-dernis fürs ewige Leben.
Der Mann, der Jesus fragt, was er tun soll, um das ewige Leben zu gewinnen, hätte also weiterhin versuchen können, die Gebote zu erfüllen. Auch mit sei-nem Besitz! Auch Bruder Klaus hätte das tun können. Er hätte sich weiterhin um sein Heimetli und um seine Familie und um seine anderen Verpflichtungen kümmern können. Auch so hätte er ein Heiliger werden können.

In Bruder Klaus drängte es aber nach mehr. In diesem Punkt ist er gleich wie jener Mann, von dem im heutigen Evangelium die Rede ist. Auch in jenem drängte es nach mehr. Und das verweist uns auf die andere Ordnung. Die Gebote enthalten die Regel; das, was für alle gilt. In jenem Mann war aber et-was, das darüber hinaus wollte, etwas Grossmütiges, etwas Ungewöhnliches. Auf dieses Ungewöhnliche antwortet Jesus im Evangelium: Wenn es so mit dir steht, darfst du das nicht verdrängen. Du musst das ernst nehmen. Denn nun gilt für dich eine Forderung besonderer Art: du musst alle Kraft des Herzens unmittelbar auf Gott richten.

Im Evangelium heisst es: "Der Mann war betrübt, als er hörte, er solle alles verkaufen, und das Geld den Armen geben und ging traurig weg; denn er hat-te ein grosses Vermögen." Ganz im Gegensatz zu jenem Mann im Evangeli-um ging Niklaus von Flüe nicht einfach weg. Aber auch bei ihm ging es nicht ohne Betrübnis. Er hat lange Jahre gerungen.

Nun, den meisten von uns wird dieses jahrelange Ringen erspart bleiben, be-ruft Gott doch nur selten Menschen dazu, alles wegzugeben. Erspart bleiben wird uns aber nicht das Erschrecken über den Satz Jesu, dass eher ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe als ein Reicher in das Reich Gottes. Darüber sollten eigentlich alle erschrecken.

Im Evangelium heisst es jedenfalls, dass auch die Jünger darüber erschraken. Die Jünger, so arm sie auch waren, haben sich selbst zu den Reichen ge-rechnet, und Jesus stimmt dem zu. Reichsein bedeutet nämlich nicht das viele Geld gegenüber dem wenigen. Dass man überhaupt irgendetwas besitzt, das ist das Reichsein. Die Jünger erschrecken, weil sie mit im Spiel sind, wenn's auch nur ein Fischerboot und ein Häuschen ist, was sie haben. Das Haben überhaupt, selber und für sich - darauf kommt es hier an.

Und nun sagt Jesus: Nur aus der Kraft Gottes, aus der Liebe Gottes heraus kann man alles weggeben, nur aus der Kraft Gottes heraus kann aus einem Reichen ein Armer werden. Aber ebenso kann man nur aus dieser gleichen Kraft Gottes heraus etwas besitzen, ohne im Sinne der Heiligen Schrift "reich" zu sein.

An sich ist es unmöglich. An sich fesselt der Besitz das Herz, das kleine Hei-metli wie das grosse Landgut. Christlich zu besitzen ist nur möglich aus der gleichen Kraft, mit der die christliche Armut gelebt wird. Das Ziel hat der Heili-ge Paulus bezeichnet: dahin zu kommen, dass man besitze, als besässe man nicht.

Wer aber soll das können?! Von der Bindung der Dinge unabhängig werden; wirklich frei - ohne Angst, Neid oder Geiz; was man hat, zu haben aus Gottes Hand und es zu gebrauchen, wie er will – das ist, klar herausgesagt, unmög-lich. Möglich wird es nur von Gott her.

Und ist es nicht mit vielem so? Gerade die Heiligen stellen uns dies klar vor Augen. Darum brauchen wir sie. Leuchtende Zeugen dafür, dass alles letztlich nur von Gott her möglich ist. "Gott weiss", antwortete Bruder Klaus, als er nach seinem totalen Fasten gefragt wurde. Uns scheint dies unmöglich. Doch für Gott ist alles möglich. Und damit dies nicht nur Theorie bleibt, braucht es die Praxis. Und die Praktiker, das sind die Heiligen, gerade die, die anecken und uns vielleicht auch aufregen.

Für uns sind die Dinge dieser Welt ungeheuer wichtig. Bruder Klaus, der As-ket vom Ranft, lehrt uns, dass sie es vielleicht doch nicht sind, weder Besitz noch Geld noch Haus noch Familie noch Ehefrau. Gott allein genügt. Bruder Klaus, der Patron der reichen Schweiz, lehrt uns die rechte Reihenfolge. Zu-erst Gott und sein Reich. Alles andere wird uns dazugeben werden. Bruder Klaus zeigt uns durch seinen besonderen Lebensweg, dass man dann an ver-schiedenen Orten am richtigen Platz sein kann und als guter Christ leben kann, ob in Armut oder Reichtum, verheiratet oder nicht, ob im stattlichen Wohnhaus oben im Flüeli oder in der Kargheit der Zelle unten im Ranft.

Lassen wir uns durch das Beispiel des Niklaus von Flüe ermutigen, unser Le-ben ganz Gott anzuvertrauen. Bruder Klaus brauchte lange – 50 Jahre -, bis er seinen eigentlichen Ort gefunden hatte. Vielen geht es auch heute so. Wir wären gut beraten, dabei Gott und seine Pläne vor uns und unsere Pläne zu setzen. Aber auch wenn wir es vorderhand noch nicht tun oder noch nicht tun wollen – am Ende unseres Lebens wird keiner von uns darum herum komen.

Amen.

     
  Programm  
  Gedenkjahr 2017
Gottesdienste
Besondere Anlässe
Ranfttreffen
 
  Wallfahren  
  Sachseln & Flüeli
Kleiner Führer
Öffnungszeiten
Pilgerwege
Jakobspilger
 
  Verschiedenes  
  Gebet um Frieden
Berichte
Downloads
Foto-Download
Parkplatzordnung
Links
 
     
  deutschfrançaisitalianoenglishespañol