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War Jesus ein Asket

       
   

3. Fastenpredigt in Sachseln: 27. Februar 2005.

Wir stehen in der Fastenzeit, der Anlass, der uns heute nachmittag hier in der Kirche versammelt, heisst Fastenpredigt. Da ist es naheliegend, über den Sinn des Fastens nachzudenken. Heute werde ich dazu die Person Jesus von Nazaret ins Zentrum unserer Überlegungen stellen. Der ausgeschriebene Titel "War Jesus ein Asket?" soll uns herausfordern. Die so gestellte Frage ist gewiss seltsam, ist irritierend. Sie werden sich bereits gesagt haben: Ein Asket, das ist doch einer, der sich in streng enthaltsamer Lebensweise übt, einer der sozusagen dauernd Busse tut. Passt diese Vorstellung auf Jesus? Es wäre interessant zu erfahren, was Sie persönlich davon halten, was für ein Bild von Jesus Sie in sich tragen.

Antwort auf diese Frage müssen uns die Evangelien geben. Was enthalten ihre Berichte über die Lebensweise Jesu? Hat Jesus gefastet? Hat er über das Fasten gelehrt? Ich spreche jetzt bewusst vom Fasten und meine damit nicht ganz dasselbe wie Askese. Denn Jesus hat über das Fasten gepredigt, nicht über Askese. Dabei erfahren wir gleichzeitig, wie er es selbst mit dem Fasten hielt. Jesus denkt anders über das Fasten als seine Zeitgenossen, anders jedenfalls als die geistlichen Lehrer des Volkes, die Schriftgelehrten und die Pharisäer. Seine Lehre ist neu. Fasten ist für Jesus gerade keine asketische Leistung. Und er selbst, ist er Asket? Warten wir’s ab und hören wir uns seine Lehre an.

Jesus hat vor seinem öffentlichen Auftreten 40 Tage in der Wüste gefastet, aber das geschah im Verborgenen. Es war für ihn die Zeit der Vorbereitung und der Bewährung für seinen Auftrag als Messias. Aus der Zeit seines öffentlichen Lebens gibt es keine Überlieferung darüber, dass Jesus gefastet hätte. Natürlich hielt er als gläubiger Jude die gesetzlichen Fasten wie sie in der Tora (Lev 16,29) festgehalten sind, doch das ist für die Evangelisten keiner Erwähnung wert, das ist selbstverständlich. In seiner Lebensführung aber galt er seinen Feinden als "Schlemmer und Trinker, als Fresser und Säufer" (Mt 11,19) Jesus selbst zitiert diese rüde Aussage seiner Widersacher in einer Rede über seine Zeitgenossen. Das Urteil über seine Generation ist zornig und ironisch zugleich (Mt 11,16-19). Ich führe das etwas aus.

Jesus stellt fest, dass die Menschen, die doch auf den Messias warten, die Zeichen der Zeit nicht erkennen. Dass sie nicht sensibel sind für das, was vor ihren Augen geschieht. "Wir haben euch aufgespielt, und ihr habt nicht getanzt", sagt er. Aber auch dies: "Wir haben euch Klagelieder gespielt, und ihr habt nicht geweint". Diese Menschen können oder wollen nicht unterscheiden, wann es wofür Zeit ist. Sie leben entweder im grauen Einerlei der Tage ohne Sinn für Freude, ohne Sinn für Trauer, oder sie reagieren verkehrt: sie weinen, wo sie tanzen sollten und sind fröhlich, wo sie klagen sollten. Die Lebensweisen der Propheten interpretieren sie ebenfalls verkehrt, und zwar aus einer Haltung der Abwehr, des Widerspruchs, des nicht Anerkennenwollens heraus. Ihr Urteil über die damals gegenwärtigen Propheten, Johannes den Täufer und Jesus von Nazareth, gerät so unweigerlich ungerecht. Als Johannes der Täufer kam, der weder ass noch trank – das heisst er fastete, ass wenig und trank keinen Wein -, sagten sie, er sei verrückt. Als Jesus kam, der ass und trank – das heisst, den sie oft bei Gastmählern trafen, der sich einladen liess und ass und trank, was der Gastgeber auftischte, vermutlich vorzügliche Speisen und Wein -, sagten sie: "Seht, den Schlemmer und Trinker!" Kurz: Keiner kann es ihnen recht machen, weil sie selbst immer recht behalten wollen. Sie weigern sich, Menschen als das, was sie sind, gelten zu lassen.

Ist denn für Jesus das Fasten überhaupt kein Thema? Doch. In der Bergpredigt spricht er vom Fasten, aber in der Form einer Korrektur am Fasten der "Überfrommen" seines Volkes.

"Wenn ihr aber fastet, so schaut nicht finster drein wie die Heuchler, denn sie verstellen ihr Gesicht, damit die Leute merken, dass sie fasten. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben schon ihren Lohn. Du aber, wenn du fastest, salbe dein Haupt,
wasche dein Gesicht, damit die Leute nicht merken, dass du fastest, sondern (nur) dein Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dir vergelten." Mt 6,16-18

Fasten und dann finster drein schauen, sich verstellen, sich produzieren – das ist Heuchelei, sagt Jesus. Fasten hat nicht Schaustellung durch trübseliges Gebaren zum Zweck. Im Gegenteil, frohgemut und gepflegt soll man sich in der Gesellschaft bewegen, so dass niemand auf die Idee käme, dass da jemand fastet. Wie Jesus selbst vor Beginn seines Wirkens im Verborgenen gefastet hat, so sollen auch seine Jünger und Jüngerinnen, so sollen die Menschen der messianischen Zeit, so sollen die Christen im Verborgenen fasten.

Die Stelle bei Mt zeigt auf, dass Fasten Gottesdienst ist, Zeichen und Sinnbild der Umkehr zu Gott, der Metanoia, die sich eben im Verborgenen vollzieht. Jesus tadelt ausdrücklich das aufdringliche Gepränge, das Prahlen vor den Menschen. Um es nocheinmal zu sagen: Fasten darf nicht als eine Leistung vor Gott und den Menschen daherkommen, als eine Leistung, auf die man pocht. Fasten soll vielmehr der Umkehr der Herzen dienen, als Gottesdienst, und als solches drückt es Freude aus: "Salbe dein Haupt, wasche dein Gesicht" - Fasten soll etwas Festliches an sich haben. Und ich glaube, dass das neuentdeckte Fasten unserer Tage dieser Lehre Jesu schon eher entgegenkommt. Aber auch da müssen wir immer auf der Hut sein, unser in Gemeinschaft zelebriertes Fasten nie als Leistung auszugeben, auf die wir stolz sind.

Jesu Auffassung und Lehre vom Fasten ist offensichtlich anders als das Fasten der Frömmsten im Volk, nämlich der Johannesjünger und der Pharisäer. Sie ist neu und einzigartig. Wir sahen es schon: Fasten vor Gott, dem Gott derer, die zu ihm umkehren, ist Freude, darum fort mit den griesgrämigen Gebärden der Trauer. Jesus lebt und predigt die Freude, nicht die fromm sein wollende Trauermiene. Das kommt sehr stark zum Ausdruck bei Mk 2,18-22 (auch bei Lk und Mt überliefert):

"Und die Jünger des Johannes und die Pharisäer fasteten gerade. Da kamen (einige) und sagten zu ihm (Jesus): ‚Warum fasten die Jünger des Johannes und die der Pharisäer, und deine Jünger fasten nicht?‘ Jesus antwortete ihnen: ‚Können die Hochzeitsgäste denn fasten, während der Bräutigam bei ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten. Es werden aber Tage kommen, da ihnen der Bräutigam genommen wird, Dann werden sie fasten an jenem Tage. Niemand näht einen Lappen ungewalkten Tuches auf ein altes Kleid. Sonst reisst der Flicken davon ab, das neue vom alten, und der Riss wird noch schlimmer. Auch giesst niemand neuen Wein in alte Schläuche. Sonst wird der Wein die Schläuche zersprengen und der Wein geht zugrunde samt den Schläuchen. Sondern neuen Wein giesst man in neue Schläuche."

Jesus also weist die Beschwerde der Faster zurück und gibt seinen Jüngern recht. Er erklärt es so: Fasten in Gegenwart des Bräutigams wäre widersinnig. Der Bräutigam, das ist der Messias. Die Gegenwart des Messias, des Heilandes, die Heilszeit, ist angebrochen. Und das bedeutet zweifellos Freude, nicht Trauer. Trauer und Fasten gehören in die Zeit des Wartens auf das Heil. Das wird aktuell auch für die Jünger, wenn sie durch Jesu Tod jäh in den Zustand der Wartenden zurückgeworfen werden. Siehe Mk 2,20 und Joh 16,2 : "Ihr werdet trauern.."

Und so ist es auch für uns Christen heute: im Warten, in der Vorbereitung auf die österliche Zeit der Gegenwart des Bräutigams, da fasten wir, jedes Jahr erneut. Die Zeit heisst ja "vorösterliche Busszeit". Es gibt Zeiten des Fastens. Und gerade hier kann Fasten keine Leistung bedeuten, sondern Zeichen der inneren Haltung, Zeichen des Willens zur Umkehr.

Es muss für uns nicht schwer sein zu verstehen, dass mit Jesus die Freude gekommen ist, dass die messianische Zeit eine hochzeitliche Zeit ist, wo wir mit dem Bräutigam feiern dürfen. Denken wir nur an die Gleichnisse vom Hochzeitsmahl, erinnern wir uns an die Einladung in der Geheimen Offenbarung: "Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wenn jemand meine Stimme hört und die Tür aufmacht, so werde ich bei ihm einkehren und Mal mit ihm halten und er mit mir" Off 3,20. Und nicht zuletzt das – nach Johannes – erste Zeichen, das Jesus gewirkt hat. Es geschah auf einer, Hochzeit, auf der Hochzeit zu Kana, Joh 2,1-11. Ich will etwas ausführlich darauf eingehen, weil hier Wesentliches zu unserm Thema aufscheint.

Wir erinnern uns: Auf der Hochzeit geht der Wein aus. Jesus nun lässt nicht die leeren Weinkrüge füllen, sondern er nimmt die Krüge für das Wasser zur Reinigung. Er nimmt Reinigungswasser. Reinigung, das wurde bei den Juden als Kult geübt, mit grossem Aufwand. Es war eine Leistung. Aber auch die Kirche kennt Riten zur Reinigung von den Sünden, die besonders früher bis zu skrupulöser Haltung führen konnten. Dabei wird vergessen, dass nur Gott Sünde vergibt. Und wir laufen Gefahr, Gottes Vergebung durch unsern Machbarkeitswahn zu verdecken, durch eigene Leistung. Auch selbst geleistete Reinigung durchs Fasten könnte dahin führen. Jesus aber befreit uns in diesem ersten Zeichen, das er auf der Hochzeit zu Kana wirkt, vom Leisten müssen, vom Machbarkeitswahn. Er nimmt das Reinigungswasser und schenkt uns, der Hochzeitsgesellschaft, daraus den köstlichen Wein. Jesus lässt mit dem besseren Wein die neue Zeit anbrechen. Jetzt ist Hochzeit auch für uns. Wir sind die Braut. Wir sind auserwählt und schon gereinigt und bereit gemacht. Schon jetzt, nicht erst am Ende unsere Lebens, dürfen wir von seinem Wein trinken. Keine Skrupel: Ich bin nicht würdig! Er bietet sich uns an und sicher nicht, weil wir nicht würdig wären. Ihn anzunehmen ist die einzige Leistung unsrerseits. (Diese Gedanken nach Sr.Eugenia Jörger, Juli 2004).

Das Schauen auf Christus, den Bräutigam, erfüllt uns mit Freude, führt uns weg aus der Fixiertheit auf unsere eigene Leistung. Jesus bringt Neues, Jesu Kommen und Jesu Gegenwart bringt uns eine neue Zeit. Wir brauchen es bloss anzunehmen, wir brauchen bloss ihn aufzunehmen. Doch was Jesus bringt, braucht neue Voraussetzungen. Ein neuer Lappen auf ein altes Kleid taugt nicht, ebensowenig wie neuer Wein in alte Weinschläuche. Wenn wir aber wie manche Zeitgenossen Jesu, eben die immerzu Fastenden und auf ihr Fasten Pochenden, unser Inneres nicht umkehren und neu machen, dann schmeckt uns der neue Wein, den Jesus bringt, auch nicht.

Jesus, der uns zum Hochzeitsmahl einlädt, der uns den neuen Wein schenkt, der für sich selbst bestimmt, wann er fastet und wann er sich zu einem Fest einladen lässt – dieser Jesus ist kein Asket. Er lebt uns vielmehr vor, wie wir als verantwortungsbewusste Menschen mit den gegebenen Situationen umgehen können.

Wenn wir Jesu Lehre vom Fasten zur richtigen Zeit verstehen und ernst nehmen, dann verstehen wir auch die Hochzeitsfreude in der Gegenwart des Bräutigams. Wir verstehen, dass der Verkünder der frohen Botschaft, Jesus, Anlass hat zur Fröhlichkeit im Kreis derer, welchen er sie verkündet. Gehören wir zu diesem Kreis? Haben wir Ohren zu hören, wann der Ernst zur Umkehr im Fasten gefragt ist und wann die Freude der von Jesus zur Hochzeit Geladenen? Jesus, der mehr ist als Asket, gebe es uns.

Sr. Dr. Raphaela Gasser OP, Ilanz

     
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