Bruder Klaus  
  Kurzbiographie
Sein Leben
Gebet
Kurzfilme
Dorothee
Impulse
Literatur und Medien
 
  Dienste  
  Geschäftsstelle/
Wallfahrssekretariat

Seelsorge
Verkauf
Jugendunterkunft
Tourismusbüro
Museum
 
  Trägerschaft  
  Br-Klausen-Stiftung
Ihre Unterstützung
Br-Klausen-Bund
Rundbrief September 2017
 
     
   
     
 

Ausdauer, Kreuz und Bärentatze

       
   

Text im PDF-Format

Ansprache zur Wachenacht 1./2. Juli 2000
Schriftlesungen: 2 Tim 4. 6-8 / Joh 14. 18 – 21 + 23

Die reformierte Stiftung Bruder Klaus, 1998 im Berner Oberland gegründet, will die Botschaft von Bruder Klaus allen Schweizern neu erschliessen. Es ist auch unsere Überzeugung, dass Bruder Klaus unserem Volk wegweisende Worte zu sagen hat. An den Wachenächten wollen wir solche Wegweiser sehen und in unser Leben hineinstellen. Heute betrachten wir ein Erlebnis des jungen Mannes Niklaus von Flüe – eine Art Berufungserlebnis. Der Biograph Wölflin berichtet:

‚Es ist aber nicht zu übergehen, dass drei wohlgestaltete Männer, die in Gewandung und Haltung einen adeligen Rang verrieten, zu ihm kamen, während er mit häuslicher Arbeit beschäftigt war. Der erste begann in folgender Weise das Gespräch: Nikolaus, willst Du Dich ganz, mit Geist und Leib in unsere Gewalt begeben? Jener erwiderte sofort: Niemand ergebe ich mich als dem allmächtigen Gott, dessen Diener ich mit Seele und Leib zu sein verlange. Auf diese Antwort wandten sie sich ab und brachen in ein fröhliches Lachen aus.

Und wiederum zu ihm gewendet, sprach der erste: Wenn Du allein in die ewige Knechtschaft Gottes Dich versprochen hast, so verspreche ich Dir für gewiss, dass, wenn Du das siebzigste Jahr erreicht hast, Dich der barmherzige Gott, Deiner Mühen sich erbarmend, von aller Beschwernis erlöst.

Darum ermahne ich Dich inzwischen zu beharrlicher Ausdauer, und ich werde Dir im ewigen Leben die Bärenklaue und die Fahne des siegreichen Heeres geben; das Kreuz aber, das Dich an uns erinnern soll, lasse ich Dir zum Tragen zurück.’

Im Zusammenhang mit diesem Erlebnis steht eine ‚Erscheinung’ am Grab des Eremiten am Tag nach seinem Tod. Dem jungen Mann wurde eine Verheissung gegeben, seine Frau Dorothee erlebte ihre Erfüllung. Wölflin berichtet darüber:

‚Als aber am Tag nach dem Hinscheiden des Seligen Vaters die Gattin Dorothee zum Grabe kam, um zu beten, tröstete sie ein Bote, der ihr nachlief und mit kurzen Worten erzählte, er habe den verblichenen Nikolaus auf dem Felsen (von dem wir sagten, dass er jenem Geschlecht den Namen gab) in strahlendem Glanze gesehen, in der Hand eine Fahne mit der Bärenklaue tragend: Alle feindlichen Gewalten seien durch die Standhaftigkeit jenes Starken bereits besiegt.

Was hat diese Erlebnis im Leben des jungen Niklaus von Flüe bedeutet?

  • Niklaus erkannte bei weiterem Nachdenken, dass erGott begegnet war, der ihn zu einer besonderen Lebensaufgabe berief, ähnlich wie Abraham den drei Männern bei Mamre begegnete. Die Parallele ist offensichtlich.
  • Dieser Gott eröffnete ihm, wie lange er zu leben hatte. Im 70. Altersjahr werde er von seinen Leiden erlöst und die Bärentatze und die Fahne des siegreichen Heeres empfangen.

    Wer damals einen Bären erlegte, durfte die Tatze an den Türpfosten seines Hauses hängen. Das war ein eindrückliches Zeichen für Mut und Tapferkeit, im weiteren Sinn auch ein Symbol für den Kampf gegen das Böse. Der Kampf gegen das Böse kommt im österlichen Erlebnis der Frau Dorothee am Grab ihres Mannes deutlich zum Ausdruck. Alle feindlichen Gewalten seien durch die Standhaftigkeit jenes Starken besiegt worden.
  • Für die Lebenszeit ermahnten ihn die Männer, beharrlich durchzuhalten und gaben ihm das Kreuz zu tragen.

    Um diese Beharrlichkeit hatte Niklaus sich schon als Vater und Politiker bemüht. Vor seinem Abschied begann er auch mit der täglichen Betrachtung des Leiden Jesu Christi und verband sein Leiden immer mehr mit dem Kreuz. Bei seinem Tod hatte er sich die Fahne des siegreichen Heeres redlich verdient. Er hatte wie Paulus ‚den guten Kampf gekämpft’ (2 Tim 4. 7)

Diese Begegnung mit den drei Männern war im Leben des Niklaus von Flüe ein klarer Wegweiser. Was kann die Begebenheit in unserem Leben bedeuten? Drei Hinweise möchte ich machen:

1) Moderne Menschen legen grossen Wert darauf, ‚autonom’ zu sein. Sie möchten weder von Menschen, noch von Gott in Dienst genommen werden. Sie wollen nach eigenen moralischen Gesetzen schalten und walten; Geld und Besitz lassen sie unabhängig erscheinen von einem fürsorgenden Gott. Oft spielen sie sich auf wie selbsternannte Götter oder wie die Herren der Welt.

‚Willst Du Dich mit Geist und Leib in unsere Gewalt begeben?’ fragt Gott Niklaus, aber auch uns. Und er weist uns mit dieser Frage den Platz an, der uns zusteht:

  • Wir Menschen sind Geschöpfe. Gott ist der Schöpfer. Dass wir das Leben haben, geht auf sein Schöpferwort zurück. Wir können diese Abhängigkeit anerkennen oder nicht. Sie ist eine Tatsache, an der es nichts zu rütteln gibt.
  • Wir Menschen sind Berufene. Gott hat uns als Originale geschaffen und hat uns auch eine originale Aufgabe in Kirche und Welt anvertraut. Alles, was uns persönlich auszeichnet, geht auf seinen Gedanken zurück. Wir können Talente nicht auswählen; sie sind von Gott geschenkt. Wenn wir sie freudig annehmen, bekommt unser Leben Sinn.
  • Wir Menschen sind Geführte. Gottes Hand trägt uns. Ohne sie fallen wir ins Nichts zurück. Gottes Hand führt uns. Ohne sie fehlt uns Richtung und Ziel. Gottes Hand schützt uns. Ohne sie überrollt uns das Böse.

Moderne Menschen tun gut daran, sich an diese Grundtatsache ihres Lebens zu erinnern. Vielleicht kann uns folgende Geschichte dabei helfen:

‚Eine Spinne liess sich an einem langen Faden herab und baute ihr Netz. Sie spann Faden um Faden und verband sie sorgfältig miteinander. Allmählich entstand das Netz und glänzte in der strahlenden Sonne. Die Spinne war zufrieden. An einem nebligen Morgen ging sie über ihr Netz und prüfte die Fäden. Sie sah, wie ein Faden sich im Nebel verlor. ‚Der hat keinen Sinn!’ dachte sie. Schlecht gelaunt, wie sie war, biss sie ihn kurzerhand entzwei. Aber an diesem Faden hatte sie sich heruntergelassen. Er trug ihr Netz. Dieses fiel in sich zusammen. Die Spinne verwickelte sich in den Fäden ihres eigenen Netzes und kam elend um.’

2) Für viele moderne Menschen ist Gott nur eine trockene Idee im hintersten Winkel ihres Kopfes oder ein ‚Irgend-Etwas’ weit weg, hinter sieben Wolken. Andern kommt er vor wie ein Buchhalter, den man sich möglichst weit vom Leibe hält, oder wie ein Notfalldienst, den man bei Bedarf beansprucht.

Für Niklaus von Flüe war Gott ein vertrauter Partner, mit dem er sprechen, ein Gegenüber, dem er sich anvertrauen konnte. Er wusste sich mit Gott verbunden, erlebte seine Liebe und war bestrebt, in Liebe zu antworten.

Viele Christen sind abgeschnitten von Gott und leben, als ob sie Atheisten wären. Sie vergessen die Wirklichkeit, die Christus geschaffen hat: Wir sind vielfältig verbunden mit Menschen und Idealen, Orten und Dingen, aber auch mit Gott.

  • Die Taufe hat eine innige Lebensgemeinschaft mit Christus begründet. Sie ist so reich und so tief, dass ein Bild nicht ausreicht, sie zu illustrieren. Christus vergleicht sich mit dem Weinstock, an dem wir die Reben sind. Wir sind mit ihm zusammen ein Leib: Er ist das Haupt, wir sind die Glieder. In einem ‚Gastmahl der Liebe’ gibt er sich uns als ‚Brot des Lebens’ zu essen. Die Liebe im Dreifaltigen Gott zwischen Vater und Sohn verbindet uns mit ihm und uns Menschen untereinander. Ein grossartiges Geheimnis der Liebe!
  • Seit der Taufe verläuft unser Leben nach dem Lebensrhythmus Christi. Wir nehmen teil an Christi Wachsen und Reifen, an seinem Angenommen- und Abgelehnt werden, an seinem Leiden und Sterben, an seiner Auferstehung und an der Herrlichkeit des Gottessohnes beim Vater. Nach der Wandlung jeder Messe beten wir: ’Deinen Tod, o Herr, verkünden wir und Deine Auferstehung preisen wir, bis Du kommst in Herrlichkeit.’ Damit anerkennen wir mit Freude: sein Leben ist unser Leben geworden.
  • faszinieren und begeistern wie die Liebe eines Menschen. Warum tut sie es nicht? Die Liebe eines Menschen ist mit den Sinnen erfahrbar und bringt unsere Gefühle in Bewegung. Gott und wir Menschen werden verbunden durch eine Brücke des Glaubens. Bis eine solche Brücke trägt, braucht es Einsatz, Geduld – und Demut.

Bruder Klaus erzählt dem Jüngling von Burgdorf, wie er Beten und Betrachten erlebt: ‚Gott weiss es zu machen, dass dem Menschen eine Betrachtung so schmeckt, als ob er zum Tanzen ginge und umgekehrt weiss er ihn eine Betrachtung so schmecken zu lassen, als ob er im Kampf streite.’ Wie ihn der Jüngling unsicher anblickt, wiederholt er: ‚Ja, als solt er an ain dantz gon.’

Bruder Klaus hat das Sprechen mit Gott so lebendig erlebt wie das Sprechen mit seiner Gattin Dorothee. Göttliches zu betrachten hat ihn ebenso begeistert wie ein Tanz und hat ihn zu gleicher Konzentration angespornt wie das Kämpfen im Krieg. - Hoffen wir, dass Bruder Klaus dieses Geschenk auch uns erbittet.

3) Viele heutige Menschen sind fixiert auf die Spanne ihres irdischen Lebens. Verjüngungskuren mit Hormonen kommen in Mode. Die Genforschung soll uns 350 Lebensjahre bescheren. So suggerierte es kürzlich eine Schlagzeile. Der Traum von der ewigen Jugend verdeckt die Perspektive eines Lebens mit Gott.

Die drei Männer zeigen Bruder Klaus die Spanne seines Lebens auf und verheissen ihm die Siegesfahne. Sie ermahnen ihn zu ‚beharrlicher Ausdauer’ und übergeben ihm das Kreuz zum Tragen. An was erinnert uns diese Verheissung und Mahnung?

  • Unser irdisches Leben ist ‚Durchgang’. Jetzt erfahren wir Gott im Glauben wie hinter einem Schleier, später werden wir ihn schauen von Angesicht zu Angesicht. Unser irdisches Leben ist nur Auftakt. Die Symphonie, die nach dem Auftakt beginnt, wird kein Ende haben.
  • Gott will, dass wir das Schöne und das Schwere dieses Lebens durchleben: Wir sollen die Lebensalter gestalten und verkosten bis auf den Gipfelpunkt, das Aelterwerden annehmen und eines nach dem andern loslassen, um dereinst mit leeren Händen und einer grosser Erwartung vor Gott zu treten.
  • Unser irdisches Leben ist eine Zeit der Bewährung: Wie unser Meister sollen auch wir das Kreuz tragen. Wie Bruder Klaus seine Leiden mit dem Leiden Christi am Kreuz verbunden hat, sollen auch wir ‚in unserem irdischen Leib ergänzen, was an den Leiden Christi noch fehlt’. (Vgl, Kol 1. 24)
  • Unser irdisches Leben ist auch eine Zeit des Kampfes. Die Stürme, die Christus durchzustehen hatte, bleiben auch uns nicht erspart:

  • ‚Die (Glaubens-) Treue halten’ ist ein harter Kampf: Gegen den Spott der Medien, gegen die Abwertung durch Kollegen, gegen das ‚Dogma’, Christus habe ausgespielt, gegen das Gift, das über die Kirche ausgesprüht wird.
  • Den persönlichen Lebensweg gehen ist ein täglicher Kampf: Gegen Trends, die unsere Originalität einebnen, gegen Strömungen, welche Moralgesetze lächerlich machen, gegen die Propaganda für neuartige Lebensentwürfe.
  • Wirbelstürme wie Viviane und Lothar haben ganze Wälder umgelegt. Wirbelstürme anderer Art setzen am Fundament der Gesellschaft und der Kirche an. Wir brauchen kräftigere Wurzeln, um ihnen standzuhalten.

Nun verbinden wir uns mit Christus, der uns seinen Schutz versprochen hat. In der Eucharistie erleben wir seine liebende Nähe. Er begleitet uns auf der Fahrt ans andere Ufer. Wir brauchen keinen Sturm zu fürchten. Denn er geht mit uns.

  • Unser Leben ist mit Gott verbunden. Kein Säugling erklärt sich als ‚autonom’. Nur Menschen leugnen die Nabelschnur, die sie mit Gott verbindet.
  • Unser Leben dauert nur eine kurze Spanne. Verlieren wir nicht aus den Augen, was uns nachher verheissen ist – die ewige Freude in der Liebe Gottes.
  • Unser Leben ist ein Kampf. Kämpfen wir so ausdauernd wie Bruder Klaus. Kämpfen wir wie er mit der Waffenrüstung Gottes. Amen

P. Josef Banz, Pilatusstrasse 2, Postfach 126, CH-6072 Sachseln

Tel: 041 660 12 65 / seelsorgebruderklaus.com

     
  Programm  
  Gedenkjahr 2017
Gottesdienste
Besondere Anlässe
Ranfttreffen
 
  Wallfahren  
  Sachseln & Flüeli
Kleiner Führer
Öffnungszeiten
Pilgerwege
Jakobspilger
 
  Verschiedenes  
  Gebet um Frieden
Berichte
Downloads
Foto-Download
Parkplatzordnung
Links
 
     
  deutschfrançaisitalianoenglishespañol