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Verlogene Reden – Feuerflammen

       
   

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Ansprache in der Wachenacht 3./4. Juni 2000
Schriftlesungen: 1 Joh 4. 11-16 / Joh. 17. 6a, 11b-19

Fast täglich berichten die Medien von Skandalen - über Königshäuser und Prominenz in allen Bereichen, Wirtschafts-Manager und Polit-Funktionäre. In den Schlagzeilen geht es um Bestechungsgelder, Veruntreuungen, Geldwäscherei, Vetternwirtschaft, Frauenaffären, Lügengebäude und Intrigen – und wie die Vorwürfe alle heissen. Fast entsteht der Eindruck, als ob jeder, der irgendwo an der Spitze steht, die weisse Weste verloren hätte.

Da blenden wir gerne zurück auf die gute alte Zeit, wo die wahren Werte noch galten, die Menschen danach lebten und die Autorität unangefochten auf dem Sockel stand. Der Schein trügt. Auch damals gab es die ‚heile Welt’ nicht. Besonders wenn wir zurückblenden in die Zeit, als Bruder Klaus lebte. Da waren Filz und Korruption unter Amtsinhabern weit verbreitet. Was sich die Söldner leisteten, brachte der Eidgenossenschaft auch nicht immer Ehre ein. Der Weg des Rottmeisters, Richters und Ratsherrn Niklaus von Flüe verlief oft im Gegenwind. Die krummen Touren mancher Kollegen gaben ihm zu denken. Aber er hatte Sinn für Gerechtigkeit und Zeichen Gottes wiesen ihm den Weg.

So berichtet Hans Salat in seiner ‚Legende’ 1536: ’Als zeitweise Räte und Richter wegen Begünstigungen, Verpflichtungen etc verletzende Worte gegen das Gemeinwohl oder gegen die Rechte Einzelner äusserten, sah der fromme Ehrenmann bei ihnen Feuerflammen zum Mund herauskommen, von derart erschreckender Gestalt, dass er von da an jegliche weltliche Ehre und Macht mied, weil diese so hitzig und schändlich ausgeübt werden.’

Über den eigenen Weg machte Bruder Klaus im Jahre 1469 einem Predigermönch eine vertrauliche Mitteilung: ‚Als ich ein Jüngling war, nahm ich eine Frau und war mächtig in Gericht und Rat und in den Regierungsgeschäften meines Vaterlandes. Dennoch erinnere ich mich nicht, mich jemandes so angenommen zu haben, dass ich vom Pfade der Gerechtigkeit abgewichen wäre.’

Wir wollen uns nicht aufhalten bei den Missständen, die Niklaus von Flüe antraf, wir wollen auch nicht die Korruption früher und heute miteinander vergleichen. Wichtig ist uns die Frage: Wie würde der Amtsinhaber Niklaus von Flüe seinen Kollegen heute raten? Welche Botschaft hat er für führenden Politikern und Wirtschaftsleuten zu? Und was fällt dabei auch für uns einfache Bürger ab?

Wir können uns kaum beziehen auf Worte von Bruder Klaus. Aber sein ganzes Leben ist eine Lektion, die uns anspricht und herausfordert. Ich möchte auf drei Grundlinien aufmerksam machen.

1) Wir leben in einem Wirrwar von Lebenshaltungen und Wertevorstellungen. Alle preisen sich als bestmögliche Lebensform an. Viele Mitmenschen lassen sich verwirren. Andere stellen eigene Grundsätze nach persönlichem Ermessen zusammen. Bei Niklaus von Flüe gab es eine klare, zentrale Verbindlichkeit:

Gottes Wille geht vor dem eigenen Willen.

Das herausragendste Beispiel in seinem Leben ist sein Berufungsweg. Als ihn drei Männer fragten, ob er sich in ihre Gewalt begeben wolle, war seine Antwort: ‚Niemand ergebe ich mich als dem allmächtigen Gott, dessen Diener ich mit Leib und Seele zu sein verlange.’

Es war für Niklaus von Flüe nicht immer leicht, den Willen Gottes zu erkennen. Als das Leben schon gelaufen schien, führte ihn Gott an eine neue Entscheidung heran. Sollte er wirklich alles verlassen und als Wandermönch ausziehen? Niklaus fügte sich.

Aber auch in den kleinen Bereichen seines Lebens suchte er nach Gottes Willen.
- Er liebte die Aufrichtigkeit über alles, verabscheute die Lüge und Intrige.
- Sein Bestreben war es, Recht zu sprechen, nicht den Ohren zu schmeicheln.
- Das Gemeinwohl war für ihm weit wichtiger als der Eigennutz.
- Auf Kriegszügen hielt er seine Landsknechte an, Menschen und Häuser zu schonen, während andere grausam töteten, plünderten, Brände legten und über Frauen herfielen - und sich dabei auf ihr gutes Recht beriefen.

Das ist eine klare Botschaft an Menschen, die heute das Sagen haben: Gott hat uns klare Leitsätze als Grundlage für unser Zusammenleben gegeben. Wir können nicht willkürlich darüber verfügen, auch dann nicht, wenn politisches Kalkül oder sog. wirtschaftliche Zwänge in eine andere Richtung weisen.

Und wir einfache Menschen? Wir fällen selbstherrliche Entscheide über Lebensfragen, ohne nachzudenken: ‚Was will Gott von mir? Auch wir müssten unser Verhalten hinterfragen.

2) Es ist erschreckend, wie viele Menschen nur e i n Bestreben haben, im Trend der Zeit und der Mitmenschen zu liegen. So werden der tolle Wagen, die Traumferien oder die sexuelle Freizügigkeit zu einem absoluten Muss, dem man sich nicht entziehen kann. Psychologen stellen fest, moderne Menschen seien ‚aussengeleitet’, Dabei sollten sie ‚innengeleitet’ sein, das heisst aus ihrem Personkern heraus leben. Niklaus von Flüe hatte eine klare Priorität:

Die leise innere Stimme geht über das laute Geschwätz der Masse.

Schon der junge Klaus sah ein Bild über seinem Leben. Ein Stein mahnte ihn, an der ‚Festigkeit seines Wesens’ zu arbeiten. Er wollte nicht ein Blatt sein, das vom Winde hin und hergewirbelt wird, irgendwo zu Boden fällt und zugrunde geht. Er wollte ein geradliniger Mann werden, auf den man sich verlassen kann.

Mit 16 Jahren sah er einen Turm. Dieser mahnte ihn, nach dem ‚eynig Wesen’ zu suchen. Er wollte ein tüchtiger Bauer, ein liebender Gatte und Vater und ein kompetenter Politiker sein, aber auch lebendiges Glied am Leib Christi sein.

Bei einer solchen Lebenslinie waren Schwierigkeiten vorprogrammiert:
- Als Richter überlegte und entschied er nicht aus Eigennutz oder Liebedienerei, wie andere, sondern nach einem feinen Gerechtigkeitsempfinden.
- Als Ratsherr leitete er Wasser nicht auf eigene Mühlen, wie andere, sondern behielt das Gemeinwohl im Auge.
- Er litt unsäglich unter den Unredlichkeiten und Streitereien seiner Mitbürger und unter den Machenschaften in der Politik seines Landes.
- Sein gerader Weg fand viele Kritiker. Aber er liess sich nicht beeindrucken vom Geschwätz der Landsleute, sondern ging unbeirrt seinen Weg. Gerade beim Abschied und bei der Rückkehr hatten er und seine Familie viel zu leiden.

Auch das ist eine klare Botschaft an Menschen, die heute das Sagen haben: Autorität auf Dauer hat nur, wer den Mut aufbringt, sich nach den innersten Wegweisern seines Lebens auszurichten. Wer sich von wechselnden Trends seiner Umgebung manipulieren lässt, begibt sich auf den Holzweg.

Eine Episode: Firmlinge listen auf, was ihnen im Leben wichtig ist, worum sie sich bemühen möchten. Auf der Liste stehen Stichworte wie Sport, Liebe, Mode – an letzter Stelle auch noch Glaube.
Die Anfrage geht auch an uns: Sind wir Trend-Menschen, Windfahnen? Müssten wir nicht Wettertannen sein, klar und fest wie ein Stein? ‚Tote Fische schwimmen mit dem Strom, lebendige dagegen.’ Was gilt für uns?

3) Wie oft erleben wir in Familien, Pfarreien und Gemeinden verhärte Fronten. Man zieht sich in geistige Schützengräben zurück, erklärt andere zum Feind und schiesst aufeinander, bevor ein ehrliches Gespräch stattgefunden hat. Niklaus von Flüe hatte andere, bessere Erfahrungen gesammelt:

Freunde werden ist besser als Feinde bleiben. Oder ’Schaut, dass Ihr einander gehorsam seid’.

- Als Richter verstand es Niklaus von Flüe, streitende Parteien füreinander aufzuschliessen und (wie wir heute sagen würden) aussergerichtlich zu einigen.
- Als Gott ihn drängte, seine Berufung mit 48 Jahren nochmals zu überdenken, da bezog er die Ueberlegung und den Rat seiner Frau mit ein. Beide rangen mit Gott, bis sie sich gemeinsam unter den Willen Gottes stellen konnten.
- Bekannt ist schliesslich seine Friedenvermittlung an der Tagsatzung in Stans. Die eidgenössischen Standesvertreter waren schon entschlossen, im Krieg den Frieden zu suchen, da kam sein Rat – und sie fanden eine einmütige Lösung.

Dahinter steht die Lebenserfahrung und Weisheit des Niklaus von Flüe. Es ist sein Friedensweg. Im Brief an den Rat zu Bern ist er auf die kurze Formel gebracht: ’Seid einander gehorsam!’

Aufeinander einhacken, sich gegenseitig schlecht machen, auf das Recht pochen und auf dabei noch auf einen vorteilhaften Richterspruch hoffen, das bringt nur Sieger und Besiegte und vergiftet das gegenseitige Verhältnis.

Aufeinander horchen, das Anliegen des andern aufnehmen und sich zu eigen machen, einen Weg zueinander und miteinander suchen, der beiden Seiten gerecht wird, dieses Bemühen kann Feinde zu Freunden machen.

Dem Rat zu Konstanz schrieb Bruder Klaus zu einer bestimmten Streitfrage: ‚Mein Rat ist, dass Ihr grosszügig seid, denn ein Gutes gibt stets das andere. Wenn die Angelegenheit aber nicht freundschaftlich geregelt werden kann, dann wendet den Rechtsweg erst als letztes Mittel an.’

Auch das ist eine klare Botschaft an Menschen, die heute das Sagen haben: Seine Macht ausspielen, in einer Konfrontation den längeren Spiess zeigen, ist Zeichen der Schwäche. Im aufrichtigen Gespräch auf dem Boden der Liebe die Einheit zu suchen, darin besteht die Faszination des christlichen Weges.

Auch in der Kirche gibt es Machtmenschen, nicht zuletzt in den Pfarreien. Einige Christen schwören auf alte Formen, andere auf neue und möchten sie unbedingt anderen aufpressen - und das mit der Sicherheit des unfehlbaren Lehramtes. Besser ist es, Freude zu gewinnen an der Vielfalt, die Kirche als ein Mosaik aus vielen farbigen Steinen zu sehen. Wir brauchen heute das weite Herz von Bruder Klaus, dass wir nicht ausgrenzen, sondern zusammenführen.

Einen Satz aus dem Berner Brief setze ich an den Schluss unserer Betrachtung.

‚Fried ist allweg in Gott, denn Gott ist der Fried, und Fried mag nicht zerstört werden, Unfried aber würde zerstört. Hier eine Deutung, was das wohl heissen mag:

‚Fried mag nicht zerstört werden’:
Wer auf Frieden hinarbeitet, der überlegt und entscheidet langfristig. Was er aufbaut, fällt nicht so bald zusammen, sondern hat Bestand.

‚Unfried aber würde zerstört’:
Wer Streit entfacht, wer Gemeinschaften gegeneinander ausspielt, wer spaltet, denkt kurzsichtig. Er baut nicht auf, er reisst nieder.

‚Fried ist allweg in Gott, denn Gott ist der Fried’.
Es gibt zwar einen Friedensweg. Bruder Klaus hat ihn aufgezeigt. Aber wer wirkungsvoll zum Frieden führen will, der muss den Frieden Gottes im Herzen tragen. Sein ganzes Leben muss diesen Frieden Gottes ausstrahlen.

Bei Bruder Klaus war das der Fall. Hoffen wir, dass immer mehr Menschen diesen Friedensweg gehen. Hoffen wir, dass Friede auch aus unseren Herzen herausstrahlt. Amen

Pater Josef Banz, Pilatusstrasse 2, Postfach 126, CH-6072 Sachseln

Tel: 041 660 12 65 / seelsorgebruderklaus.com

     
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