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Ein Gott, der dankt

       
   

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Fastenpredigt vom 17. März 2002
Schriftlesung: Lk 22. 28-30

Ich möchte mit Ihnen nachdenken über das Thema der heutigen Fastenpredigt, über das Thema „Ein Gott, der dankt“.

Die Dankesvision des Bruder Klaus

Wahrscheinlich ist uns allen die nächtliche Vision des heiligen Bruder Klaus bekannt, in der er drei Personen sah, welche ihm von Herzen dankten. Er sah sich in einem weiten Saal. Die Stimme einer unsichtbaren Gestalt – den man als den Hl. Geist deuten darf – sprach zu Gottvater über Bruder Klaus mit den folgenden Worten: „Hier ist jener, der dir deinen Sohn getragen und geboren hat und ihm zu Hilfe gekommen ist in seiner Angst und in seiner Not. Danke ihm dafür.“ Da kam ein schöner, stattlicher Mann dahergeschritten und legte Bruder Klaus beide Arme auf seine Schulter, drückte ihn an sich und dankte ihm herzlich, dass er seinem Sohn Jesus in seiner Not zu Hilfe gekommen war. Der Visionär erschrak, bekannte sich unwürdig und sagte: „Ich weiss nicht, dass ich deinem Sohn je einen Dienst erwiesen habe.“

Da kam eine schöne, stattliche Frau durch den Palast geschritten. Sie legte ihm ebenfalls ihre beiden Arme auf seine beiden Schultern und drückte ihn gründlich an ihr Herz , weil er ihrem Sohn so treu zustatten gekommen war in seiner Not. Wiederum erschrak Bruder Klaus und sagte: „Ich weiss nicht, dass ich eurem Sohn je einen Dienst erwiesen habe.

Schliesslich sah er den Sohn selber neben sich sitzen in einem blutrot besprengten weissen Kleid. Der Sohn neigte sich zu ihm und dankte ihm innig, dass er ihm in der Not beigestanden sei.

Der Mensch muss Gott danken

Diese Vision zeigt uns einen Gott, der dankt.

Dass Gott einem Menschen dankt, das erstaunt mich zunächst sehr. Warum? Ist es nicht der Mensch, der Gott danken muss, und nicht umgekehrt? Denn danken heisst doch: Ich bin mir bewusst, dass ich von jemandem etwas erhalten habe, das nicht von mir kommt und das mir unter Umständen nicht einmal geschuldet war. Gott gegenüber trifft dies in einem Höchstmass zu. Denn hier gilt, mit Paulus gesprochen: „Was hast du, das du nicht empfangen hättest?“ (1Kor 4,7). Der Dankende ist sich bewusst, dass er in jeder Sekunde von Gott abhängt; dass er ganz auf ihn angewiesen ist; dass er alles, was er hat, Leib und Leben, Vergebung und ewiges Leben, ihm verdankt. Jesus erachtet es als selbstverständlich, dass wir Gott gegenüber dankbar sind. Von den zehn geheilten Aussätzigen kehrt nur einer zurück, um Gott zu danken. Jesus ist erstaunt. „Es sind doch alle zehn rein geworden. Wo sind die übrigen neun? Ist denn keiner umgekehrt, um Gott zu ehren, ausser diesem Fremden?“ (Lk 17,17f.).

Ich hänge auch von Menschen ab. Beim Zügeln trage ich eine Schachtel, die ich allein nicht zu tragen vermag. Jemand hilft mir tragen. Ich danke ihm dafür. Ich liege krank im Spital. Jemand besucht mich, denkt an mich, schreibt mir eine Karte, bringt sogar eine Rose ans Spitalbett. Ich freue mich und danke für diese Aufmerksamkeit.

Muss Gott den Menschen dankbar sein?

Der Mensch soll Gott danken, weil er von ihm alles erhalten hat. Soweit sind wir einverstanden. Aber kann und soll denn auch Gott seinen Geschöpfen danken? Ist der dreifaltige Gott nicht von Ewigkeit zu Ewigkeit unendlich in sich glücklich? Er besitzt ja von sich aus alles, er braucht den Menschen nicht, weder sein Mitleid, noch seine Hilfe, noch seinen Trost.

Dennoch, wir haben die Vision des Bruder Klaus. Gottvater und Christus danken ihm, auch die Mutter Jesu dankt ihm. Sie danken, weil er Jesus im Leiden nicht allein gelassen hat. Das will wohl heissen: Der Heilige hat mit dem Leiden Christi mitgefühlt, hat sich in die Seelennot des Heilandes hineingedacht, hat das Leiden Christi durch sein eigenes Herz gehen lassen. Nicht nur das. Was Bruder Klaus selber am eigenen Leib zu erleiden hatte, das hat er getragen aus Liebe zu Christus und auch aus Liebe zum mystischen Leib Christi, seiner Kirche. Und damit tat er, was Paulus von sich sagte: „Jetzt freue ich mich in den Leiden, die ich für euch ertrage. Für den Leib Christi, die Kirche, ergänze ich in meinem irdischen Leib, was dem Leiden Christi noch fehlt“ (Kol 1,24).

Für dieses Mitgehen und Mittragen danken ihm die himmlischen Personen, so wie Jesus seinen Jüngern gedankt hat, als er sagte: „In allen meinen Prüfungen habt ihr bei mir ausgeharrt. Darum vermache ich euch das Reich, wie es mein Vater mir vermacht hat“. Wir wissen allerdings, dass die Jünger auch Krisen hatten, dass sie im Ölgarten einschliefen, dass sie vom Kreuz wegliefen. Aber bei Gott zählt schon der gute Wille und zählt die Reue.

Gott macht sich abhängig vom Menschen

Es ist wahr: Streng genommen bräuchte Gott den Menschen nicht. Aber er hat es anders gewollt: er macht sich aus Liebe abhängig von der Mitwirkung der Menschen. Jesus lässt sich helfen. Da sind die Frauen, die auf seinen Pastoralreisen für ihn sorgen dürfen. Die Dienste von Martha und Maria nimmt er gerne an. Er wirkt seine Wunder meistens nicht ohne Hilfe der Jünger, so auf der Hochzeit zu Kana, so bei der Brotvermehrung. Und auf dem Kreuzweg lässt er sich von Simon von Cyrene das Kreuz abnehmen, lässt sich von Veronika den Schweiss vom Antlitz abwischen. Jesus will gemocht werden, er hungert nach Geliebtwerden. Dreimal fragt er den Petrus: ‚Hast du mich gern, wirklich gern?‘ (Vgl. Jh 21. 15-17)

Wir dürfen ein Stück weitergehen. Es ist erstaunlich, dass Gott, weil er es so beschlossen hat, sich vom Menschen abhängig macht, dass er im wahrsten Sinn, weil er es so will, auf den Menschen angewiesen ist. Besonders deutlich wird dies an Maria. Der Engel erfragt ihre Bereitschaft, ihr freies Ja zur Gottesmutterschaft. Und Gott wird ein hilfloses Baby. Babys sind bekanntlich ganz und gar auf ihre Mutter angewiesen. - Jesus braucht das Gleichnis vom Weinstock, und Mutter Teresa deutet es mutig so: Was wäre der Weinstock ohne die Rebzweige. Er könnte ohne sie keine einzige Traube hervorbringen. Man kann mit Recht sagen: Nichts ohne Christus --„ohne mich könnt ihr nichts tun“--, aber auch nichts ohne den Menschen. So weit geht die Achtung Gottes vor der Menschenwürde.

Gott lässt sich beschenken

Gott lässt sich beschenken, und zwar echt beschenken, also nicht nur scheinbar, nicht nur als ob. Es ist ähnlich wie bei den Menschen. Das Kind schenkt zum Muttertag Pralinés. Das Kind kaufte die Schachtel mit dem Geld aus der Sparbüchse, mit dem Geld, das es zwar von Mutter und Vater und Gotte bekommen hatte, das ihm aber ganz und gar gehörte; es konnte damit machen, was es wollte. Die Pralinés sind also ein echtes Geschenk, und der Dank der Mutter daher ein echter Dank.

Auch Gott beschenkt uns zwar immer zuerst. Ohne ihn besässen wir gar nichts. Als Beschenkte aber dürfen wir bestimmen, was wir zurückschenken und weiterschenken wollen. Was wir ihm frei schenken, das ist ein echtes Geschenk. Darum dankt er uns.

Gerade Kinder begreifen tief, was es heisst, Gott zu beschenken Sie bringen Gaben zur Krippe. „Mein Herz will ich ihm schenken und alles, was ich hab“, heisst es im Weihnachtslied. - Charlie Chaplin beschreibt, wie ihm als Kind in der dunklen Londoner Wohnung die alleinerziehende Mutter anhand des Neuen Testamentes aus dem Leben Jesu erzählte. „Sie sprach von Christus so ergreifend, wie ich es noch nie gehört oder gesehen habe“ , schreibt er. Dann habe seine Mutter auch das Leiden und Sterben Christi geschildert. „Und wir weinten beide. ‚Begreifst du’, sagte die Mutter, ‚wie menschlich er war; wie wir alle litt auch er Zweifel’. Mutter hat mich so mitgerissen, dass ich noch in derselben Nacht sterben und Jesus gegenübertreten wollte. Mutter war jedoch nicht so schwärmerisch (und sagte): ‚Jesus will, dass du jetzt und hier lebst und deine Bestimmung erfüllst’. In jenem dunklen Kellerraum entzündete Mutter für mich das sanfteste Licht, das die Welt je gekannt hat: Liebe, Mitleid und Menschlichkeit.“

Gottes Liebe weiterschenken

Damit komme ich zum letzten Gedanken. Wir sind von Gott eingeladen, alles zum Geschenk zu machen, indem wir Jesus im Mitmenschen, besonders im leidenden Mitmenschen, helfen.

Chaplin hat tatsächlich in seinen Filmen etwas von dieser Menschlichkeit, die er von Jesus lernte, weitergegeben. - Ein anderes Beispiel: Wir kennen von Kindsbeinen an die Geschichte des hl. Martin, der mit einem frierenden Bettler am Stadttor von Amiens seinen Mantel geteilt hatte und dem in der Nacht Jesus im Traum erschien mit den Worten: Dieser Bettler war ich.

Das zweimalige Bekenntnis des Bruder Klaus in der Vision: „Ich weiss nicht, dass ich deinem Sohn je einen Dienst erwiesen habe“, erinnert an das Erstaunen der Gerechten beim Weltgericht: „Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen und dir zu essen gegeben, oder durstig und dir zu trinken gegeben? Und wann haben wir dich fremd und obdachlos gesehen und aufgenommen, oder nackt und dir Kleidung gegeben? Und wann haben wir dich krank oder im Gefängnis gesehen und sind zu dir gekommen?“ Aber Jesus beharrt darauf, dass alles ihm gegolten hat und dankt es ihnen: „Kommt her, ... nehmt das Reich in Besitz.“ (Mt 25,37-40). So ist Gott: er dankt, indem er belohnt. Und gerade denjenigen, die um seines Namens willen und aus Liebe zu ihm wie Bruder Klaus Frieden stiften und Leiden auf sich nehmen, verspricht er: „Euer Lohn im Himmel wird gross sein“. (Mt 5,12).

Gott als Bettler und als Dieb

Darf ich zusammenfassen.

Alles, was wir sind und haben, ist Gottes Geschenk. Bruder Klaus bat den Herrn: „Gib alles mir, was mich fördert zu dir.“

Alles Empfangene sollen und dürfen wir zurück- und weiterschenken; aber es soll freiwillig geschehen. Bruder Klaus bat darum, Gott selber möge das von ihm nehmen, was ihm Freude mache und vor allem das, was seine Gottesliebe mindern könnte. „Nimm alles von mir, was mich hindert zu dir.“

Es gibt ein schönes Büchlein, welches Gott liebenswürdig, aber doch ernsthaft als Bettler und als Dieb schildert. Wie zögerlich und knauserig sind wir Menschen oft im Hergeben und Weiterschenken, obwohl der Herrgott bettelt und bettelt. Und so muss Gott halt oft als Dieb kommen und sich selber holen, was wir ihm zwar eigentlich zu geben versprochen hatten, aber nie loszulassen imstande waren. Im Ranft brauchte Gott nicht als Dieb zu kommen; denn Bruder Klaus ist ihm mit seiner Bitte zuvorgekommen.

Schenken wir alles durch die Hände der Muttergottes. Sie macht unsere Gaben, Freud und Leid, fruchtbar fürs Reich ihres Sohnes. Auch sie dankte ja Bruder Klaus.

Ein Gott, der dankt

Jede und jeder von uns möge täglich darüber staunen, dass Gott ein Gott ist, der dankt.
Dass er ein Gott ist, der umarmt. Dass er Schuld wegnimmt.
Dass er kleine Menschen mit grossem Lohn belohnt.
Dass er uns liebt, nicht weil wir gut sind, sondern weil ER gut ist. Amen.

P. Alois Ziegler, Langgasse 21, Postfach, 9008 St. Gallen

Tel: 071 243 50 33 / p.zieglerschoenstatt.ch

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