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Ein Gott, der führt und formt

       
   

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Fastenpredigt vom 10. März 2002
Schriftlesung: Jh 21.18

Liebe Schwestern und Brüder,
in diesen Tagen und Wochen wird viel geworben für die Expo.02, die Schweizer Landesausstellung. Die Schweizer Kirchen sind auch dabei mit einem Projekt in Murten: ‚Un Ange passe, sieben Räume des Glaubens’. Sie nennen es auch ‚sieben Himmel’. In jedem von ihnen wird ein religiöses, christliches Thema von zeitgenössischen Künstlern in die heutige Zeit umgesetzt. Die Themen sind: Schöpfung, Wort, Austausch und Begegnung, Segen, Gute Nachricht, Wunder und Jenseits.

Es sind zwei Gross-Veranstaltungen vorgesehen. An Pfingsten 2002 ist ein Chorfest. Es werden über 120 Chöre an vier Orten singen. Am Bettag 2002 sind Begegnungen mit bekannten und unbekannten Menschen, die im Alltag Grosses leisten unter dem Motto ‚ein Funke(ln) genügt’.

Warum ich jetzt von der Expo.02 erzähle, ist aber diese Redeweise

‚Un Ange passe - ein Engel geht vorüber’

Es ist ein Ausdruck, den man braucht, wenn in einer Runde plötzlich alle still sind und niemand genau weiss, weshalb alle schweigen. Es ist ein Moment der Gnade oder der Überraschung.

Es gibt heute eine Verhaltenheit, eine Scheu über Gott zu sprechen. Eher spricht man vom Heiligen oder von Engeln. Gott ist bevor wir sind, bevor wir beten und reden, er segnet bevor wir empfangen.

Davon spricht auch der Engel. Er ist zunächst Bote, Schützer und Vermittler, der auf die Gegenwart Gottes in dieser Welt hinweist. Der Engel tritt in der Bibel und in unserm Alltag häufig als Wesen auf, das den täglichen, normalen Ablauf unterbricht, das in die Alltagswirklichkeit einbricht, das die menschliche Weisheit und Logik beflügelt, ergänzt oder gerne auch stört. - Es gibt das jüdische Wort, den Engel erkenne man erst im Nachhinein. Er ist wie ein Bote, der aufmerksam macht auf den Vorübergang des Herrn.

Engel sind Ausdruck für unser Schutzbedürfnis, in einer Welt, die wir als zerrissen und unbeständig erleben. Sie antworten auf unsere Sehnsucht nach Durchsichtigkeit und tiefer Kommunikation mit der jenseitigen Welt. Wir sehen sie am Werk, wenn wir ahnen, dass Gott uns führt und formt. Der volkstümliche Sammelbegriff ‚Schutzengel’ kann für alles Wesentliche unserer inneren Erwartungen und Empfindungen stehen, wie eine himmlische Metapher.

Da sei eine Wolke vom Himmel gekommen…

Bruder Klaus hatte auch eigene, überzeitliche Bilder, wenn er von inneren Erfahrungen sprach: Visionen, ein inneres Schauen, ganz eigenwillig und doch für jeden intuitiv verständlich.

„Welti von Flüe, Venner zu Unterwalden, hat erzählt, dass ihm Bruder Klaus einmal unter anderem erzählt habe, dass er einst, am Anfang seines Abbruchs, in das Melchi mähen gehen wollte. Unterwegs habe er Gott um die Gnade gebeten, dass er ihm ein andächtiges Leben schenke. Da sei eine Wolke vom Himmel gekommen, die mit ihm redete und sagte, dass er sich in den Willen Gottes ergeben soll, denn er sei ein törichter Mann. Was Gott mit ihm wirken wolle, darin solle er willig sein, und darum habe er sich mit Recht in den Willen Gottes ergeben.“

Eine zeitgenössische Übertragung von Frau Margrit Spichtig (in ‚Bruder Claus von Flüe - Erleuchtete Nacht’ / Kanisius-Verlag) lautet so schön:

nicht zeichen und wunder
da wo du stehst (nicht fern)
törichter mann (törichte frau)
schau in dich
zögere nicht

nur eine wolke über dir
rüttelt dich wach:
höre auf leisere stimmen
dein weg deine Zukunft liegen in dir
jetzt - folge mir nach

Unser Thema lautet: Ein Gott der führt und formt. Und wir haben die beiden Bilder: Der Engel und die Wolke, die zu uns sprechen. Was sagen sie mir? Wie kann ich sie für mich verdeutlichen, übersetzen?

Mein Tanzschritt im Dreitakt …

Einmal, es war in Afrika, kam mir, unser Leben lasse sich mit drei Worten beschreiben: - Suchen - Wagen - Finden. Unser Leben sei wie ein täglicher, stündlicher Tanzschritt, bei dem ich mich wie im Kreise, nein besser wie in einer aufsteigenden Spirale bewege: - Ich suche - nach Zeichen, nach dem Willen Gottes, was ich tun oder lassen soll ... - Ich wage - das oft Wenige was ich sehe, schenkt mir Mut, Schritte zu tun ... - Ich finde - neue Hinweise, Horizonte, meist nur wenig, nicht viel, aber grad genug, um neu die Lust und die Neugier zu wecken am Weitersuchen und wieder zu wagen und wieder zu finden und so fort …

Diesen Tanzschritt üben wir im Angelus, im Engel des Herrn, zu dem uns die Glocken immer noch täglich einladen. Der Engel bringt die Botschaft - ich antworte - und das Wort kann Fleisch werden. Der Engel macht Hinweise auf den grossen ‚Willen Gottes’ - ich vergleiche mit meinem kleinen ‚Willen’ und handle entsprechend - und das hat eine bestimmte Wirkung, bringt mich an einen Ort, eine neue Ausgangslage und so fort!

‚Nicht Zeichen und Wunder, nur eine Wolke über Dir...’ Wo und wann spricht denn der Engel, wo und wann und wie führt und formt denn dieser Gott?

Von wo kommt mir Sein Zeichen, Sein Wort her?

Wo, wie und wann kommen mir seine Zeichen und Worte entgegen? Ich stehe nicht am Sinai, wo Gott in Blitz und Donner zum Volke sprach. Ich stehe nicht neben einem Lautsprecher, aus dem mir die Weisung entgegenkommt. Ich habe keine „Visionen“, keine Feuersäule zur Nacht und keine Wolke bei Tag.

Und doch gibt es sie und sie kommen mir dauernd entgegen, die Zeichen und Worte. Nicht unmittelbar vernehme ich seine Stimme, aber mittelbar wendet Er sich an mich. - ‚Gott kommt in vielfältiger Weise auf uns zu, er liebt die Verkleidung’ schreibt der Heilige Bernhard. Wir sollen uns darin üben, Ihn in jedem Gewand zu erkennen.

Bruder Klaus bittet um ein ‚andächtiges Leben’, um die Gnade des ‚Merkens’, der Aufmerksamkeit, der Achtsamkeit. ‚da wo du stehst (nicht fern) rüttelt Er dich wach’ und spricht dich an. Die Gnade eines ‚andächtigen Lebens’ ist die Gnade der plötzlichen oder auch allmählichen Entdeckung: ‚Es ist der Herr!’. Es ist nicht ein Gespenst, es ist wahrhaft der Herr.

Doch die Frage bleibt, manchmal bohrend: Wo denn? Wann denn? Wie denn? Drei bevorzugte Gelegenheiten wollen wir in Erinnerung rufen, wo Führung und Formung geschehen kann. Nein, tatsächlich geschieht, so oder so, ob ich mitmache oder nicht. Nochmals ein Wortspiel:
Was mir ein-fällt, was mir auf-fällt, was mir zu-fällt.

  • Was mir ein-fällt, die innere Stimme, der innere Meister, mein tiefstes Wissen, mein Ge-Wissen ist ein bevorzugter Ort, wie Er führt. ’Höre auf leisere Stimmen, schau in dich, dein Weg liegt in dir’. Aber eben, es sind leisere Stimmen, leicht zu überhören und zu verwechseln. Ich soll mein Ohr schulen und üben, mein Gewissen bilden. Was mir ein-fällt: Lumina, Lichter nannten es unsere Vorfahren, Leuchtspuren am Rande des kaum sichtbaren Weges in dunkler Nacht.
    Bruder Klaus, wird überliefert, hätte die Gewohnheit gehabt, den ganzen Morgen durchs eine Fenster auf den Altar zu schauen und auf diese Stimme zu hören. Er lädt mich heute ein, meine Gebetskultur zu bedenken. Gibt es Spuren eines andächtigen Betens bei mir: am Morgen, am Abend, bei Tisch, überhaupt?
  • Was mir zu-fällt, die Zufälle, was mir entgegenkommt: Erfreuliches und Unerfreuliches, Angenehmes und Unangenehmes, Umstände, Situationen, Konstellationen, erwartete und unerwartete. Zu-fall sei das Pseudonym Gottes, sein Deckname, hat einer gemeint. Man spricht heute gerne von Koinzidenz oder Synchronizität. Am deutlichsten können wir es von Mensch zu Mensch erfahren, in einer erfüllenden Begegnung, aber auch in schmerzlicher ‚Vergegnung’.
    Des Nachmittags habe Bruder Klaus, so wird berichtet , die Gewohnheit gehabt, die Besucher zu empfangen - durch das zweite Fenster seiner Zelle. Er ermuntert mich, meine Begegnungsgewohnheiten zu überprüfen. - In einem Gebet heisst es (KG 714.5): ‚Welcher Engel wird wohl kommen, der den Stein vom Grabe hebt? Wirst Du für mich, werd ich für dich, der Engel sein? Welcher Engel schenkt uns Augen, die im Keim die Frucht schon sehn?’
  • Was mir auf-fällt, was mich staunen lässt, was mich innerlich berührt: Die Schönheit und das Tragische, das Staunenswerte und das Angstmachende in der Schöpfung. - All das, was ohne menschliches Zutun um mich ist. Die kosmischen Zusammenhänge, die Gestirne. - All das, was mich trägt und erhält: Das Wasser, die Erde, die Luft und das Feuer, die Blüten und Früchte ... - Das Allerelementarste, das die grössten Geheimnisse birgt.
    Bruder Klaus hat in seiner Zelle, beim Eingang, noch ein drittes, kleineres Fensterchen, durch das man in die Natur sieht: den Wieshang und den Waldrand und das Wild. Er lädt mich ein, der guten Schöpfung Gottes Aufmerksamkeit zu schenken. Durch sie möchte mich der Schöpfer und Erhalter meines Lebens führen und formen.

Ein Gott, der führt und formt - durch das was mir ein-fällt, auf-fällt, zu-fällt. An Bruder Klaus wird es anschaulich: Er liess sich führen und formen durch seine innere Sehnsucht, er folgte den vielen Windungen seines Lebensflusses treu und unbeirrt. - Er liess sich führen und formen durch die starken Bilder seiner Visionen: den Stein und den Stern und das Öl, die Lilie und das Pferd, durch den Turm und die vier Lichter. - Er liess sich führen und formen durch seine Frau Dorothee und seine Kinder, durch den Bauern von Liestal und den Bischof von Konstanz.

Führung im Leben ist ein gar geheimnisvolles Ding. Sie geschieht, bevor wir überhaupt daran denken. Im Nachhinein, manchmal sehr viel später ahnen oder erkennen wir es. Dann erfüllt es uns mit Dankbarkeit und Zuversicht und auch mit Mut, achtsamer und folgsamer zu werden, elastischer und beweglicher.

Ich danke Dir für Menschen und Umstände, die mich weitergebracht haben, manchmal gegen meinen Willen, zum Besseren für mich. Schenke mir weiterhin Personen und Begebenheiten, die mich führen und formen. Es ist ein wundersames Ineinander von Geschehenlassen und Mitmachen. Es ist ein Abenteuer des täglichen Lebens.

Die Verantwortlichen für die Kirchen an der Expo.02 haben die Frage ausgeschrieben: ‚Wer bist Du für Gott?’ Mit den originellsten Kurzantworten wollen sie die ‚Himmel’ tapezieren - man könnte sie verstehen wie die ‚Ex voto - Tafeln’ im Eingang zur Zelle im Ranft. - Was könnte ich antworten auf die Frage ‚Wer bist Du für Gott?’ Eine der Antworten lautet: ‚Un souci constant’ - ‚Eine dauernde Sorge’. Er sorgt sich um mich, möchte mich führen und formen. Lasse ich es geschehen?

Karl Rahner hat dieses Ineinander und Miteinander zwischen Oben und Unten, zwischen Menschlichem und Göttlichem, zwischen Ihm und mir, zwischen Geschehenlassen und selber Wollen in gute Worte gefasst. Ich denke Dorothee und Bruder Klaus würden ihm zustimmen. Sie sind wie ein Wunsch, den wir uns gegenseitig auf den Weg geben:

Wir gehen, wir müssen suchen.
Aber das Letzte und Eigentliche kommt uns entgegen,
sucht uns, freilich nur, wenn wir ihm entgegen gehen.
Amen.

P. Edwin Germann, Berg Sion, CH - 6048 Horw LU

Tel: 041 349 50 24 / pgermannschoenstatt.ch

     
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