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Der lange Weg zum ‚einig Wesen‘

       
   

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Predigtvorschlag zu Bruder-Klausen-Fest und Friedensmessen 2001
Schriftlesung: Kol. 3. 1-4

Einige junge Menschen lesen ein Buch über Kraftorte. Auch der Ranft ist darin aufgeführt; er besitze 9'500 Boviseinheiten energetische Ausstrahlung; damals müssten es 18'000 gewesen sein. Nun wollten die jungen Leute diesen ‚Kraftort’ aufsuchen. Im Gespräch mit dem Verantwortlichen der Wallfahrt stossen sie auf die Frage, ob Niklaus von Flüe ein Heiliger geworden sei, weil er an einem ‚Kraftort’ lebte; oder ob der Ranft ‚Kraftort’ geworden sei, weil ein Heiliger hier lebte. Und ob die Ausstrahlung in alle Kontinente wohl mit einem ‚Kraftort’ in der Schweiz zu erklären sei. - Dann betrachten die jungen Leute das Turm-Bild der oberen Ranftkapelle. In Symbol des Turmes spiegelt sich ja die Sehnsucht des sechzehnjährigen Niklaus, den Himmel zu berühren, das ‚einig Wesen’ zu suchen. - Da entdeckt ein Mädchen, dass diese Turmspitze in Licht eingetaucht sei. Der Künstler wollte offenbar darstellen, dass schon der junge Niklaus offen war nach oben. Er wollte Gottes Licht und Kraft in sich hineinströmen lassen. In ihm war gewissermassen der Himmel geerdet.

Diese Begebenheit illustriert die mahnenden Worte, die Paulus den Christen in Kolossä schreibt: Sie sollten nicht fixiert sein auf das Irdische, sondern den Sinn auf das Himmlische richten. Darüber wollen wir heute nachdenken. -
- Wir blicken zuerst auf Bruder Klaus. Wie hat er Himmel und Erde verbunden und wie ist er zu diesem Ziel gekommen?
- Dann beachten wir einige Gefahren in unserem Leben und fragen uns: Was können wir unternehmen?

1 Wie hat Bruder Klaus das ‚einig Wesen’ gesucht und gefunden?

Schon der junge Niklaus sehnt sich danach, wie ein Turm den Himmel zu berühren. Und erfährt auch, wie mühsam der Weg auf dieses Ziel hin ist. Viele Dinge stehen wie Barrieren in unserem Leben. Ein paar Erfahrungen:

Einmal will Niklaus zum Vieh schauen. Er sieht eine Lilie aus seinem Mund herauswachsen, die bis zum Himmel reicht. In diesem Augenblick kommt sein Vieh vorbei. Er betrachtet mit Wohlgefallen sein Pferd. Da neigt sich die Lilie und das Pferd frisst sie auf. Das ist ihm eine deutliche Warnung: Dem zarten Pflänzchen der Gottesliebe schaden kann auch, was einem Bauern lieb und teuer ist.

Auf Schritt und Tritt sieht er weitere Gefahren: Richter lassen sich beeinflussen, Ratsherren beziehen ‚Pensionen’, wenn sie Söldner anwerben, oder verschaffen sich und dem Staat mit zwielichtigen Einbürgerungen finanzielle Vorteile. Das widert Niklaus an. Er sucht den Weg des Gewissens und schwimmt gegen den Strom. Für ihn ist Gottes Gerechtigkeit das höchste Richtmass. Einem Besucher im Ranft sagt er später: ‚Ich erinnere mich nicht, mich jemandes so angenommen zu haben, dass ich vom Pfade der Gerechtigkeit abgewichen wäre.’

Seinem Freund Welti von Flüe erzählt er von einem weiteren Erlebnis, das seinem Suchen die Richtung weist: Auf dem Weg ins ‚Melchi’ bittet Niklaus Gott inständig um ein andächtiges Leben. Gewiss eine fromme Bitte. Aber die Antwort Gottes hört er aus einer Wolke: Er sei ein törichter Mann. Er solle sich in den Willen Gottes ergeben! Was Gott mit ihm wirken wolle, darin solle er willig sein.’ Was soll das nun heissen? Als ob er das bisher nicht getan hätte! Die Frage beschäftigt ihn weiter. Die Antwort liegt nicht so leicht auf der Hand. Für Niklaus von Flüe geht der Suchweg weiter:

  • Der Politiker bemüht sich noch mehr, seine Aufgaben nach Gottes Gerechtigkeit zu erfüllen. Später entschliesst er sich, aus allen Ämtern zurückzutreten, auch wenn er damit Unverständnis und Argwohn auf seine Familie zieht.
  • Dann quält ihn nochmals die Frage nach der Berufung: Ob er selbst die geliebte Familie und den Hof und das Land verlassen müsse, wie es im Evangelium steht. Darüber spricht er mit seiner Frau; sie denken gemeinsam nach. Sein Leiden um die Berufung verbindet er mit dem Leiden Christi.
  • Schliesslich nimmt er Abschied von Familie, Hof und Heimat und will ‚ins Elend’ - in die Fremde - ziehen. Vor Liestal tauchen neue Bedenken auf: Das Städtchen ist wie in Feuer getaucht, ein Bauer rät ihm ab, vom Himmel her dringt ein Lichtschein wie ein Schwert in seinen Bauch ein.
  • Diese Zeichen überzeugen ihn, dass er zurückkehren solle. Zuhause übernachtet er im Stall und wandert in der Morgenfrühe weiter auf seine Alp Chlisterli. Nochmals lässt ihn Gott in der Unsicherheit. Wo soll er bleiben? Schliesslich weisen ihn vier Lichter in den Ranft hinunter. Er findet eine Bleibe an der Stelle, wo er mit sechzehn Jahren den Turm sah.
  • Im Ranft ist der Suchweg zu Ende. Bruder Klaus hat den Frieden gefunden. Es stört ihn nicht mehr, am Rande seines Hofes, in der Nähe seiner Familie und in seiner Heimat Obwalden als Einsiedler zu leben. Denn er weiss: Gott hat ihn geführt. Es ist ihm ähnlich gegangen, wie es dem Petrus vorausgesagt wurde: ‚Ein anderer wird Dich führen, wohin Du nicht willst’ (Jh 21, 18).
  • Im Ranft begegnet er Gott in einer ungeahnten Intensität und Tiefe:
    - Der Satz im Brief an den Rat zu Bern ist seine tiefste Lebenserfahrung: ‚Fried ist allweg in Gott, denn Gott ist der Fried’.
    - In der Brunnenvision sieht er den dreifachen Lebensstrom Gottes fliessen. Er entspringt in einem Tabernakel. Und dieser Tabernakel ist er selber.

Das ganze Leben von Bruder Klaus ist eine klare Aussage und eine Mahnung an jene moderne Menschen, die sich einseitig an das Irdische klammern. Als ob er sagen wollte: “Der Geist des Menschen muss wieder Stand fassen und den Blick auf Gott richten. Gott ist der Fried.“

2 Nun blicken wir auf uns: die Gefahren, die uns umgeben
und die Aufgaben, die uns gestellt sind.

Eine Mutter hat fünf Söhne, die allesamt Lauskerle sind. Jedes Jahr macht sie eine Wallfahrt nach Einsiedeln. Und bleibt sogar über Nacht. Die Söhne spotten über das fromme Gebaren ihrer Mutter und fragen: Muss das sein? Die Mutter wehrt sich: ‚Einmal im Jahr muss ich den Kopf in den Himmel strecken Dann kann ich Euch wieder aushalten.’

Diese Methode ist auch heute noch aktuell. Aber einmal im Jahr den Kopf in den Himmel zu strecken’, reicht nicht aus. Die Gefahr ist zu gross, dass wir auf der Erde stecken bleiben. Ein dauerndes Bemühen ist nötig. Drei ‚Blitzlichter’ weisen uns auf die Gefahren und Aufgaben hin.

  • Junge Leute vor 200 Jahren haben ‚das Ränzel geschnürt’, heute brauchen sie einen Lieferwagen. Wir haben uns umgeben mit einer Unzahl von Dingen. Fast kann man sagen: Wir haben von allem zuviel. - Ähnlich ist es mit dem Wissen. Damals las man in einem Buch. Heute surft man im Internet. Die glitzernden Fassaden der Wissensgebiete geben ein Gefühl von Allwissenheit, aber verhindern oft das Hinuntersteigen in die Tiefe. Fast kann man sagen: Viel Wissen im Kopf, wenig Weisheit im Herzen. - Wir schwimmen vielleicht nicht gerade im schlimmsten Fahrwasser - aber eine Aufgabe ist uns doch zur Lösung aufgegeben:
  • Machen wir Gott einen Platz frei im Tohuwabohu der Dinge: Lassen wir nicht jede Minute der Aufmerksamkeit belegen durch Geld und Prestige, durch Show und Vergnügen. Schenken wir Gott jeden Tag eine Spanne Zeit - zum Nachdenken, zum Beten, zum liebenden Verweilen. Es muss doch eine Freude sein, Gott als Gast in meinen Leib und als Bruder in unsere Familie einzuladen. Strecken wir den Kopf in den Himmel, indem wir Gott in uns beachten.
  • Ein Statiker, der eine Brücke baut, kennt die inneren Gesetzmässigkeiten, die er zu beachten hat. Manche Psychologen setzen sich darüber hinweg. ’Normal’ ist, was die 50% - Grenze überschreitet, bei der Mehrheit auf ‚Akzeptanz’ stösst. So ist Ehescheidung völlig ‚normal’ geworden, auch Liebe in den verschiedensten Ausfaltungsformen. Und täglich werden wir mit Neuigkeiten überrascht, die ‚normal’ geworden seien: sich einen Seitensprung gestatten, zu einem Abenteuer ausflippen, eine aufregend neue Auffassung vertreten. Keine Frage, ob dies alles Gottes Plan entspreche und auf Dauer durchtrage. Was heisst das für uns?
  • Wenn wir alles täten, was ‚man tut’, wären wir bald, wo wir gar nicht hinwollen. - Wir müssen lernen, unseren persönlichen Weg zu suchen und ihn konsequent zu gehen. Wir brauchen Mut, gegen den Strom zu schwimmen: ‚Können doch alle denken, was sie wollen - ich denke anders!’ ‚Können doch alle tun, was und wie sie wollen - ich handle anders!’ Spitzen wir unsere Ohren, um die leise Stimme Gottes in unserem Inneren zu hören. Auch dann strecken wir den Kopf in den Himmel.
  • Ein Stadtkind lebt einige Tage auf dem Bauernhof. Dort wird zu Tisch gebetet. Das Kind meint: ‚Beten brauchen wir in der Stadt nicht; wir sind keine Bauern.’ Es erlebt die Welt zuhause als planbar und machbar. Milch und Gemüse sind im Laden zu haben - wetterunabhängig. Der Vater verdient; die Mutter kauft ein; es ist alles da; Es gibt keine Hilflosigkeit und nichts Unberechenbares wie beim Bauern. Also: In der Stadt braucht man nicht zu beten.
  • Vielleicht hat ein Stück Machbarkeitswahn uns alle ergriffen? Alle Krankheiten sind heilbar, das Leben verlängerbar, die Gene manipulierbar. Man hat alles im Griff. Der Gedanke ist weit weg, wir könnten Gott ‚ins Handwerk pfuschen’.
  • Befreien wir uns langsam aus diesem landesüblichen Denkmodell. Fragen wir nicht immer: Was will ich? Fragen wir immer häufiger: Was willst Du? Die Antworten sind nicht immer leicht zu finden, besonders, wenn es um die Feinheiten des Lebens geht. Auch hier: Strecken wir den Kopf in den Himmel. Je häufiger wir es tun, desto klarere Antworten werden uns gegeben.

Es braucht ein lang andauerndes Bemühen, wenn wir die Verklammerung an das Irdische lösen wollen. Der lange Weg soll uns nicht entmutigen. Niklaus von Flüe brauchte 50 Jahre, um zu erkennen, was Gott wirklich von ihm wollte. Wir müssen es nicht in zwei Tagen wissen.

Wir haben gesehen, wie der Turm war. Er wollte nicht nur von der Erde leben, sondern auch von der Kraft des Himmels.

Könnte der Turm, das Sehnsuchtsbild des jungen Niklaus, nicht auch uns an die Aufgabe erinnern, Himmel und Erde miteinander zu verbinden? Er hat den Sinn auf das Himmlische gerichtet - und das Irdische nicht vergessen Auch wir sollen nicht an ‚Kraftorten’ stecken bleiben, sondern in den Himmel hinauf ragen! Suchen auch wir das ‚einig Wesen’!

Darum gehen wir zu Bruder Klaus: Er begleite uns in die Nähe des Dreifaltigen Gottes: ‚Fried ist allweg in Gott. Denn Gott ist der Fried’.

Darum beten wir zu Christus, der uns jetzt im Brot des Lebens begegnen will: Nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir. Gib alles mir, was mich fördert zu Dir. Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir. Amen

Pater Josef Banz, Pilatusstrasse 2, Postfach 126, CH-6072 Sachseln

Tel: 041 660 12 65 / seelsorgebruderklaus.com

     
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