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Rundbrief September 2017
 
     
   
     
 

Auszug und Rückkehr des Bruder Klaus.

       
   

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Ansprache zur Wachenacht im September 2000
Lesungen: Gen 12. 1-4a (15. 1-6 / 22. 1-19)

Ein Gaukler hat sein Seil über den Dorfplatz gespannt und schiebt einen Schubkarren auf die andere Seite. Das Volk jubelt. Nun lädt er jemand ein, sich in den Schubkarren zu setzen. Niemand wagt es. Endlich meldet sich ein Bub, setzt sich in das wackelige Gefährt und winkt quietschfidel vom Seil herunter dem Volk zu. Man staunt über den Mut des Buben. Nachher fragt ihn jemand, ob er denn keine Angst gehabt hätte. Der Bub winkt ab: ‚Nein, es ist doch mein Vater!’

Die Geschichte von Abraham ist noch um einiges dramatischer. Zuerst fordert Gott ihn auf, sein Land und seinen Besitz zu verlassen und in ein Land zu gehen, das er ihm zeigen werde. Abraham zieht fort. Dann verspricht Gott dem kinderlosen und alt gewordenen Abraham reiche Nachkommenschaft. Kaum ist der Sohn herangewachsen, soll er ihn Gott zurückgeben – eine geradezu unmenschliche Zumutung. Abraham lässt den Spatz in der Hand los zugunsten der Taube auf dem Dach. Er glaubt, dass Gott auch aus einem erstorbenen Schoss Kinder erwecken kann und dass Gott auch dann weiterhilft, wenn er eine erfüllte Verheissung preiszugeben verlangt. Auch Abraham denkt: ‚Gott ist ja mein Vater!’ Diese Einstellung bringt ihm den Titel ‚Vater des Glaubens’ ein.

Da finden wir eine deutliche Parallele bei Niklaus von Flüe. Gott verlangt bereits vom jungen Niklaus, er solle ausziehen. Und dieser zieht sich aus den Spielen der Kameraden zurück, um zu beten. Er legt sich schon früh Fasten und Opfer auf, um Gott ergeben zu sein. Der junge Rottmeister lässt sich nicht von Beutegier und Mordlust treiben, sondern hält seine wilde Horde an, Menschen und Häuser zu schonen. Der Richter distanziert sich von der Käuflichkeit seiner Kollegen und geht den unbequemen Weg der Gerechtigkeit. Der Ratsherr lässt sich nicht bezahlen, Söldner anzuwerben. Und als Pfarrgenosse von Sachseln führt er einen Prozess gegen den eigenen Pfarrer, weil dieser ungebührliche Forderungen stellt.

Niklaus von Flüe ging zu jeder Zeit den Weg seines Gewissens und lehnte sich gegen die Machenschaften seiner Mitbürger auf. Er stand oft im Gegenwind. Schon als Rottmeister und als Politiker musste er ‚ausziehen’.

Dahinter stand eine Sehnsucht, die der Sechzehnjährige entdeckte, als er einen hohen, schönen Turm sah, und zwar an der Stelle, wo später seine Zelle und Kapelle standen. Wie ein Turm wollte er sein, in der sichtbaren Welt seiner Sippe, seines Hofes und seines Landes verankert - und gleichzeitig in den blauen Himmel hinaufragen. Er wollte Himmel und Erde verbinden oder – wie er später einmal aussagte – das ‚einig Wesen’ suchen.

Auch Bruder Klaus war getragen vom Gedanken: ‚Gott ist mein Vater. Ihm vertraue ich mich an. Ihm zuliebe gebe ich alles hin, ihm zuliebe ziehe ich aus.’

Aber es genügte ihm nicht, auszuziehen aus der zwiespältigen Lebensweise seiner Mitbürger. Immer stärker hörte er den Ruf Gottes in seinem Innern, alles zu verlassen, selbst Frau und Kinder. Sollte er selbst das Kostbarste und Liebste aufgeben, das Haus, das er selber gebaut hatte, den Hof, mit dem er zutiefst verwachsen war, seine Frau und seine Kinder?

Nach 18 Jahren glücklicher Ehe kam eine grosse Dunkelheit über ihn. Niklaus von Flüe sprach mit befreundeten Priestern, vertraute sich seiner Frau Dorothee an. Die Not war gross, das Ringen dauerte lange. Gemeinsam kämpften sie um die Frage: ‚Was will Gott von uns?’, und rangen sich zur Antwort durch: ‚Wir fügen uns dem Willen Gottes ein!’ Das Einverständnis von Frau Dorothee und der Kinder bedeutete Bruder Klaus sehr viel. Jahre später erzählte er seinem Freund Erni Anderhalden, dieses Einverständnis sei das grösste Geschenk, das er Gott zu verdanken habe.

Mittlerweile kam der Tag des Abschiedes. Dorothee hatte ihrem Mann ein Pilgergewand bereitet – gesponnen, gewoben, genäht – und sicher auch mit ihren Tränen benetzt. Niklaus von Flüe – nun ‚Bruder Klaus’ zog gegen Norden. Er wollte Gesinnungsgenossen im Elsass oder am Niederrhein aufsuchen.

Bei Liestal, in der Nähe von Basel, wurde Bruder Klaus aufgeschreckt: Er sah das Städtchen im hellen Feuerschein. Ein Bauer warnte ihn weiter zu ziehen, weil die Eidgenossen als Haudegen bekannt und unbeliebt waren. In der Nacht traf ihn ein unbeschreiblicher Schmerz, als ob ein Schwert in seinen Leib eingedrungen wäre. Bruder Klaus sah darin den Hinweis Gottes: ‚Kehr um!’ Und er kehrte um, übernachtete in seinem Stall und wanderte in der Morgenfrühe auf seine Alp Chlisterli zuhinterst im Melchtal. Von neuem begann die Ratlosigkeit, was Gott mit ihm vorhatte. Schliesslich wiesen ihm vier Lichtstrahlen den Weg in den Ranft. Hier sollte er als Einsiedler leben. - Die Parallele zu Abraham wird überdeutlich:

Abraham verzichtet auf Heimat und menschliche Einsicht, selbst auf den leiblichen Sohn, die erfüllte Verheissung Gottes. Aber nun hält Gott seine Hand und schenkt ihm den Sohn zurück, den er opfern will.

Auch Bruder Klaus gibt alles, was ihm lieb und teuer ist. Aber Gott sagt ihm: ‚So will ich es nicht! Du sollst ein ‚Aussteiger’ sein auf deinem eigenen Grund und Boden, bei deiner angestammten Familie, in deinem Land und unter deinem Volk, dort, wo du Deine Wurzeln hast.’

Ist es nicht eine eigenartige Führung Gottes:

Bruder Klaus verlässt seine Heimat und zieht ins ‚Elend’ (in die Fremde) – und Gott will ihn im Obwaldnerland sehen, wo er als Politiker gewirkt hat.
Bruder Klaus verlässt den Hof, den er über Jahrzehnte geliebt und gepflegt hat - und Gott schickt ihn auf seinen eigenen Grund und Boden zurück.
Bruder Klaus verlässt seine Frau und seine Familie - und Gott weist ihm einen Platz zu, wo er jederzeit erreichbar ist.
Bruder Klaus sagt dem Predigermönch über sein vergangenes Leben: ‚Ich war mächtig in Gericht und Rat und in den Regierungsgeschäften meines Vaterlandes’. Nun gibt er die politische Laufbahn auf - und Gott schenkt ihm einen viel nachhaltigeren Einfluss auf die Geschicke seines Landes.

Ich sehe in dieser Tatsache ein ungemein starkes Zeichen Gottes - gerade für uns Menschen in unserer Zeit. Ähnlich wie Bruder Klaus müssen auch wir ausziehen.

Ich habe manchen Aussteiger kennen gelernt: Der eine aus den 68er-Jahren lebt exotisch auf einem Kanalschiff in Südfrankreich. Einen andern zog es nach Mittelamerika, wo er heute als Bauer lebt. - Wir werden nicht auf diese Weise aussteigen. Wir bleiben in unserem Arbeitsfeld, in Sippe und Familie, Dorf und Pfarrei und haben dieses Stück Welt zu gestalten. Aber ausziehen – in einem geistigen Sinne – das müssen wir alle ohne Ausnahme. - Das zeigen uns zwei Lebenssituationen:

Ausziehen müssen wir, wenn wir unseren persönlichen Lebensweg suchen wollen.

Ein Vorwurf trifft vor allem die ältere Generation: ‚Früher musste man! Man konnte nicht anders!’ Der Vater schlug mit der Faust auf den Tisch; und das bestimmte den Alltag. Diese Faust ist heute weg. Aber an ihre Stelle ist eine psychologisch ausgeklügelte Manipulation getreten.

Illustrierte und Fernsehen, Radio und CD-Player und die Reklame in den Massenmedien vermitteln uns nicht nur eine Unzahl von Informationen, drängen uns nicht nur zahllose Produkte auf, sondern jubeln uns auch die verschiedensten Lebens-Sehnsüchte unter die Haut. Täglich vernehmen wir eindrücklich und anschaulich, was uns glücklich macht und was unserem Leben mit Garantie einen Sinn gibt: Geld und Besitz, Leidenschaft und Rausch, Abenteuer mit Freiheit ohne Grenzen, Karriere und Berühmtheit, langes Leben und dabei jung und vital bleiben, sich selber verwirklichen – und all das notfalls auch auf krummen Wegen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens wird beantwortet mit oberflächlichen Rezepten. Und wenn das eine Rezept nicht hinhaut, dann sicher das zweite.

In diesem vielfältigen und widersprüchlichen Strahlungsfeld zu leben ist nicht einfach. Es ist zwar nicht alles schlecht, was auf uns zukommt. Aber schon die Fülle kann verwirren. Und wir bräuchten ein sehr feines Empfinden, um das Gute vom weniger Guten, das Passende vom weniger Passenden zu unterscheiden. Auch der junge Klaus musste in den verwirrenden Einflüssen seiner Umgebung den persönlichen Weg suchen. Das wird uns heute noch viel eindringlicher abverlangt.

Aber es lohnt sich auf Dauer, seinen eigenen Weg zu gehen. Vor Jahren erlebte ich ein ergötzliches Beispiel: Eine Gymnasialklasse mit 16-jährigen jungen Männern war besonders anfällig für Stimmungsmache. Einige Rädelsführer bestimmten, gegen wen oder für was man zu schreien hatte. Und das klappte ausgezeichnet. Bis ein Neuer, der Willy, in die Klasse kam. Der hatte die Kühnheit, jederzeit seine Meinung zu sagen, auch wenn sie den Wortgewaltigen der Klasse zuwider lief. Eine solche Frechheit konnte aber nicht ungestraft bleiben. Nun legte man den Willy auf eine Schulbank und gab ihm ‚Klassenprügel’. Aber kaum stand Willy wieder auf den Beinen, wiederholte er, was er schon vorher gesagt hatte. Und die Prozedur begann von Neuem. Das dauerte vier Wochen lang. Dann war Willy der angesehenste Mann der Klasse. Denn jeder wusste: ‚Der sagt, was er denkt und tut, was er sagt’.

Ausziehen aus dem Trend der Masse oder Schwimmen gehen den Strom lohnt sich auf Dauer. Ich glaube, Bruder Klaus hätte Freude gehabt an diesem jungen Mann. - Er soll Freude haben auch an uns.

Eine zweite Lebenssituation: Ausziehen müssen wir auch, wenn wir unseren persönlichen Glaubensweg suchen und finden wollen.

Ob Sie Ihren bisherigen Glaubensweg schon einmal zurückverfolgt haben? Da ist in den letzten Jahren vieles anders geworden. Ich erinnere mich selber an früher. Damals haben wir überzeugt gebetet: ‚Ich glaube fest alles, was du uns durch deine Kirche zu glauben vorgestellt hast.’ Das Glaubenshaus stand klar vor uns, überschaubar und sicher. Junge Leute werden das so nicht mehr beten können. Sie gestehen sich eher ein: ‚Ich glaube fast nichts mehr, was du uns ....’

Doch die Sehnsucht nach Tiefe ist geblieben, das Bedürfnis, die letzten Urgründe des Lebens zu erforschen, woher wir kommen und wohin wir gehen. Aber auch bei diesem Suchen werden wir heute von allen Seiten her bombardiert:

Strenge Gesetzesbeobachter wollen auf frühere Zeiten zurückführen, wo alles noch gut und klar und sicher gewesen sein soll. Andere brechen mit dem Vergangenen und schwören auf neue Formen, die einzig und allein in die Zukunft führen sollen. Und zwischen solchen Extremen gibt es wenig liebevolle Grabenkämpfe. Das nützen die Sekten aus. Sie predigen urchristliche Gemeinschaft, religiöse Erlebnisse und einfache Verhaltensregeln. Und kommen bei vielen an.

Schliesslich branden die Wellen und Wogen der Esoterik an uns heran. Da kann jeder haben, was er will: Selbsterlösung durch Wiedergeburt und Seelenwanderung, astrologische Lebensdeutung anstelle der Führung Gottes, Glauben an Kraftorte und Lebens-Energien statt Glauben an Christus und sein Wohnen in uns. Damit verbunden ist meist das schwergewichtige ‚Dogma’: ‚Das Christentum ist sowieso vorbei. Die Kirche stirbt aus. Wir gehen einer nachchristlichen Ära entgegen’.

Die Auswahl an Glaubensüberzeugungen und quasireligiösen Lebensentwürfen ist gewaltig, ebenfalls die Verwirrung, die sie stiften. Auch Bruder Klaus erlebte eine schwierige Kirchensituation. Er musste auch im Glauben seinen Weg suchen. Darum holte er sich Rat bei befreundeten Priestern und hielt Ausschau nach den ‚Gottesfreunden’, den Reformkräften der damaligen Kirche.

Bruder Klaus wird uns helfen, zum Wesentlichen vorzudringen:
- Den Glauben zu erneuern, dass Christus seine Kirche schützt, wie das Schiff im Sturm (Mt 8. 23-25), dass die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen (Mt 28. 20).
- Den Glauben zu erneuern, dass Christus mich so hält, wie Petrus, der auf dem Wasser geht und plötzlich Angst bekommt. (Mt 14.30-31), dass Christus mich so liebt, wie den Johannes, der an seiner Brust ruhte (Jh 21.20).

Kehren wir zurück zum Buben, zu Abraham und Bruder Klaus und ihrem Glauben.
Ich wünsche Ihnen eine grosse Selbstsicherheit, dass Sie Ihren Weg suchen und finden, auch wenn Sie allein sind oder belächelt werden. Ich wünsche Ihnen ein ebenso grosses Gottvertrauen, dass Sie aus dem Bewusstsein heraus leben: ‚Christus ist auch für mich Weg, Wahrheit und Leben’ (Jh 14. 6). Ich wünsche Ihnen, dass Bruder Klaus und Dorothee Sie auf Ihrem Lebens- und Glaubensweg als Vorbilder und Fürsprecher begleiten. Amen.

Pater Josef Banz, Pilatusstrasse 2, Postfach 126, CH-6072 Sachseln

Tel: 041 660 12 65 / seelsorgebruderklaus.com

     
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