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Bruder Klaus und das Geheimnis der Kirche.

       
   

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Nach einer Predigt in Sachseln / 5. Ostersonntag, 28. April 2002
Lesung: 1 Petr 2. 4-9

Im Abschnitt aus dem Petrusbrief haben wir eine tiefgründige Aussage über die Kirche gehört. Um sie besser zu verstehen, eine Vorbemerkung:

1) Wenn wir heute ‚Familie’ sagen, denken wir an eine Vierzimmerwohnung, Vater und Mutter und zwei Kinder, an lockere Kontakte zu den Grosseltern im Altersheim, zu Onkel und Tante, Cousins und Cousinen. Hie und da trifft man sich, oder sie kommen gelegentlich auf Besuch. Eine ‚vierköpfige Familie - das Modell ‚Kleinfamilie’.

Zu Bruder Klausens Zeiten sah es anders aus. Am Mittagstisch der Familie von Flüe sassen mehr als ein Dutzend Leute: Die Eltern, die wachsende Kinderschar, der Grossvater, ein Onkel und sicher noch Knechte und Mägde. Und im weiteren Sinn gehörten verwandte Familien in der Umgebung zur Sippe der von Flüe. Die Familie damals war ein Netzwerk - mit vielen Kontakten und gegenseitiger Verantwortung, vielleicht auch mit Differenzen, und doch mit einer grosser Hilfsbereitschaft versehen, zum Beispiel bei Krankheit und im Todesfall, oder beim Bau eines Hauses. Das war die ‚Grossfamilie’ - üblich in früheren Zeiten.

2) Wenn Petrus von ‚Kirche’ spricht, denkt er nicht an eine ‚Kleinfamilie’, sondern an eine ‚Grossfamilie’, die er sicher auch erlebt hat. Und wenn er von der ‚Grossfamilie Kirche’ spricht, gerät er fast ins Schwärmen. Er macht zwei Aussagen, zieht zwei Vergleiche.

Die erste Aussage:
Gott hat euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen. Ihr seid sein besonders Eigentum. Unter ihm - dem Vater - seid ihr ein heiliger Stamm, ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft - also das Beste vom Besten, das man sich vorstellen kann. - Und nun die - unausgesprochene - Einladung: Seid stolz auf diesen königlichen Stamm. Und fügt euch ein als vollwertige Glieder.

Die zweite Aussage
Die Kirche gleicht einem Haus, das gebaut ist aus vielen behauenen Steinen. Jeder Stein hat seinen Platz und seine Aufgabe. Aber es gibt auch einen Eckstein, der das Haus zusammenhält, einen Grundstein, der alles trägt. Jene, die als Bauleute der Kirche vorgesehen waren, haben diesen Stein verworfen. - Und nun die Einladung an uns: Lasst euch als lebendige Steine einbauen in dieses geistige Haus, nehmt eure Aufgabe darin wahr. Und vergesst nicht den Eckstein. Damit es euch nicht ergeht wie den Bauleuten, denen der Grundstein zum Stolperstein wurde.

In beiden Aussagen oder Vergleichen treten zwei Tatsachen deutlich zutage: Zur Kirche gehören die vielen Menschen der Sippe, aber auch der Stammvater, von dem her alles kommt. Die Kirche ist aufgebaut - ähnlich wie ein Haus - aus ‚lebendigen Steinen’. Sie wird getragen und zusammengehalten von einem Grundstein. Petrus sieht die menschliche Seite, das Gebilde von Menschen und zugleich den göttlichen Ursprung, seine Lebenskraft, sein Fundament.

3) Liebe Schwestern und Brüder, schauen wir einen Augenblick auf uns selber: Wie sehen und erleben wir Kirche? Wir sind vielen Einflüssen ausgesetzt und manchmal auch geprägt von dem, was wir sehen und hören. Es wird viel geschimpft über das menschliche Gebilde, die Institution Kirche: Man zeigt mit Fingern auf (wirklich oder vermeintlich) unglaubwürdige Kirchenglieder und hat vieles zu bemängeln beim ‚kirchlichen Bodenpersonal’. Das Negative bietet sensationellere Schlagzeilen an als das Positive. Unter diesem Negativtrend stehen wir alle. Und da kann die Begeisterung des Petrus fast gänzlich verloren gehen. Als Christen kommen wir uns manchmal vor wie Menschen, denen man faule Eier an den Kopf oder an die Kleider wirft.

Schauen wir alle diese Vorwürfe und Einwendungen genauer an, stellen wir fest: Man hat die Fassade beschmutzt, aber nicht bemerkt, dass dahinter noch etwas mehr steckt, ein Geheimnis. Man hat viele Mängel und Fehler bei Menschen angekreidet und dabei vergessen, dass Gott eben auch schwache Menschen für seine Pläne einsetzt. Denn er kann auch auf krummen Linien gerade schreiben.

4) Liebe Schwestern und Brüder, wenn wir das richtige Verhältnis zur Kirche bekommen wollen, dann müssen wir in zwei Richtungen vorwärts kommen:

Die erste Aufgabe betrifft das Äussere. Die Kirche hat eine menschliche Seite und wird sie immer haben. Und wo Menschen sind, da ‚menschelt’ es. Aber es ist unfair - und wäre es auch in einer Familie - immer nur das Nachteilige zu sehen und als schmutzige Wäsche genüsslich an die Leine zu hängen. Es gibt neben Fehlleistungen auch grossartige Leistungen bei einfachen Gläubigen und bei Verantwortlichen in der Kirche. Es gibt nicht nur Zusammenbruch, sondern auch Aufbruch - besonders wenn wir ‚Kirche’ weltweit sehen. Priestermangel oder ‚Gläubigenmangel’ ist ein Problem in Europa, nicht in den aufbrechenden Ländern des Ostens und Südens. Das zur menschlichen Seite.

Die zweite Aufgabe betrifft die göttliche Seite: Das Gefäss mag zerbrechlich sein, das Haus mag Risse haben. Dahinter verbirgt sich trotzdem ein Gottesgeheimnis. Wir fragen uns, wie wir diese Seite pflegen können.

5) Blicken wir einen Augenblick zurück auf Bruder Klaus und seine Zeit. Was hat er erlebt und gedacht? Was hat er getan? Das könnte auch uns den Weg weisen. Bruder Klaus konnte im Blick auf die Kirche von damals nicht ‚himmelhoch jauchzen’. Auch er hätte eher ‚zu Tode betrübt’ sein müssen. Die Kirche befand sich in einem erbärmlichen Zustand. Niklaus musste in Kerns getauft werden, weil Sachseln zur Zeit seiner Geburt keinen Pfarrer hatte. Später musste der Richter Niklaus von Flüe gegen den eigenen Pfarrer einen Prozess führen.

Trotz dieser Erfahrungen hat Niklaus von Flüe die Kirche geschätzt: Er konnte den Glanz des Göttlichen auch in der menschlichen Hülle sehen. So sagt Bruder Klaus zum Prediger: ‚Vor allen Menschen schätzte und ehrte ich das königliche und priesterliche Geschlecht, das heisst die Priester Christi, so dass, sooft ich einen Priester sah, es mir schien, ich sähe einen Engel Gottes. Erst dadurch glaube ich, kam ich zu der grossen Ehrfurcht und Verehrung für das heiligste Sakrament des Leibes und Blutes Christi.’

Der Biograf Wölflin berichtet: ‚Wenn einfache Leute zu ihm kamen, um ihn über das göttliche Recht zu befragen, antwortete er gütig, ein jeder möge die evangelische Lehre seines Seelsorgers in ernstem Gemüte bewahren.’

Und Gundelfingen lobt einen ‚heilsamen Zuspruch’, mit dem Bruder Klaus die Gläubigen anhielt, auf die Priester zu hören: ‚Wie man aus ein und demselben Brunnen, der verschiedene - bleierne, kupferne, silberne und goldene - Röhren habe, dasselbe Wasser der Frische und dem Geschmack nach trinke, so geniesse man auch von guten und bösen Priestern, die das Sakrament des Altares vollziehen, (wenn man sich würdig mache) die gleiche Gnade.’

Entsprechend diesen Worten hat Bruder Klaus auch gelebt. Er hat sich nicht in laute Proteste verstiegen, sondern hat in beharrlicher Konsequenz dieses innere Leben der Kirche gesucht und gepflegt. Die Sehnsucht nach dem ‚einig Wesen’ ist der rote Faden, der sich durch sein ganzes Leben zieht. Die Brunnenvision, die ihm im Ranft geschenkt wurde, bringt das zum Ausdruck: In ihm - in seinem ‚Tabernakel’ - bricht die Quelle des Dreifaltigen Gottes auf, nicht nur für seine Person, sondern auch für viele andere Menschen. Sie können kommen und reichlich schöpfen.

6) Diese Schau der Dinge müssten auch wir uns zu eigen machen - und können es gleich jetzt ‚einüben’, da wir diesen Gottesdienst feiern.

Ob die Lieder, die wir singen, die Predigt, die wir hören, die Gesten und Handlungen, die wir sehen und die Gemeinschaft, die wir erleben, uns menschlich ansprechen, ist nicht das Wichtigste. Das Allerwichtigste ist verborgen:

- Gott will uns etwas sagen in Lesung und Evangelium und in der Predigt.
- Im Glaubensbekenntnis stellen wir uns vor diese Wirklichkeit Gottes und sagen ein kräftiges ‚Ich glaube!’
- In der Wandlung sagt letztlich Gott: ‚Das ist mein Leib, das ist mein Blut.’
- Im ‚Vater unser’ erinnern wir uns daran, dass wir in die Familie Gottes gehören. Hoffentlich schwingt ein bisschen Freude und Stolz mit.
- Wenn wir zur Kommunion gehen, erhalten wir nicht nur ein Stückchen Brot, sondern Gott ist es, der sich in diesem Zeichen verborgen hat.
- Der Trost, die Kraft und die Begeisterung, die Gott uns gibt, sind wichtiger als alles, was uns menschlich anspricht.

7) Liebe Schwestern und Brüder, zum Schluss erinnere ich an ein Wort aus dem Evangelium (Jh 14. 3 ff): Jesus sagt etwas zu seiner Aufgabe in der Kirche:

Er steht im Gespräch mit den Aposteln. Er bereitet sie auf seinen Abschied vor und tröstet sie: ‚Ich gehe zum Vater zurück und werde euch dort eine Wohnung bereiten. Dann komme ich wieder und hole euch zu mir. Und wohin ich gehe, den Weg dorthin kennt ihr.’ Da fragt Thomas zurück: Wir wissen nicht, wohin du gehst. Wie können wir dann den Weg kennen? Darauf antwortet Jesus:

’Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben!’
Was heisst das?

  • Wir tasten uns ein Leben lang voran und suchen mühsam unseren Weg. Wir zweifeln und zögern, fallen zurück, verirren uns und fangen neu an. Da macht uns Jesus auf sein Geheimnis aufmerksam: ‚Habt keine Angst. Ich bin der Weg!’
  • Wir sind mühsam auf der Suche nach der Wahrheit. Wir werden mit tausend Wahrheiten und Halbwahrheiten eingedeckt. Was stimmt nun eigentlich und was nicht? Auch hier macht uns Jesus auf sein Geheimnis aufmerksam: ‚Werdet nicht müde im Suchen. Ich bin die Wahrheit.’
  • Wir sind oft müde und mutlos, herausgefordert und überfordert; und wir können fast nicht mehr. So viel Kraft wird uns geraubt - im Beruf, in der Familie, in der Politik, im menschlichen Zusammenleben. Da sagt uns Jesus: ‚Und wenn euch alle Kraft verlässt: Ich bin das Leben!’

Nun tun wir etwas ganz Einfaches - wir öffnen uns für das Geheimnis Gottes. Lassen wir den in uns hinein, der auch für uns Weg, Wahrheit und Leben ist. Dann können wir gestärkt und getröstet und mit neuer Hoffnung nach Hause gehen -und vielleicht sogar mit einer Portion Begeisterung:
Es ist halt doch schön, in die Kirche eingefügt zu sein. Amen.

Pater Josef Banz, Pilatusstrasse 2, Postfach 126, CH-6072 Sachseln

Tel: 041 660 12 65 / seelsorgebruderklaus.com

     
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