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Bruder Klaus und die Eucharistie

       
   

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Ansprache zum Fronleichnamsfest 2001 in Sachseln
Lesung: 1 Cor 11. 23-26 / Evangelium: Jh 6. 51-58

Wir feiern das Fronleichnamsfest. Im Zentrum unserer Aufmerksamkeit steht die Eucharistiefeier und das lebendige Brot, das wir in unseren Kirchen verehren. Die festliche Freude, die sich am Hohen Donnerstag Abend nicht entfalten konnte, wird heute nachgeholt. - Der ‚Herrgottstag’ ist auch zu einem öffentlichen Bekenntnis geworden. In den feierlichen Prozessionen kommt zum Ausdruck, dass Christus in alle menschlichen Lebensbereiche hinein gehört.

In unseren Sonntagsgottesdiensten erleben wir oft einen bitteren Kontrast. Die Besucherzahlen brechen ein. Die junge Generation ist fast völlig ausgezogen. Als ob die Firmlinge mit Geschenken und Pomp von der kirchlichen Praxis Abschied feiern wollten. Es lastet ein Druck auf jenen, die regelmässig zur Kirche gehen. Dahinter steckt aber eine tiefe Not. Die Fundamente des Glaubens sind brüchig geworden. Klar umrissene Offenbarungswahrheiten und eine Kirche mit Strukturen sind ausser Kurs geraten. ‚Was bringt mir das?’ ist die häufige Frage unter jungen Menschen.

Heute gehen wir der Frage nach: Wie kann mein Glaube an die Eucharistie an Leuchtkraft gewinnen? Wie kann mein Glaubensfundament kräftiger werden?

Wir blicken auf Bruder Klaus: Was bedeutete ihm die Eucharistie? Wie ist er in das Geheimnis der Eucharistie hineingewachsen? - Dann blicken wir auf uns: Was würde uns Bruder Klaus anraten? Welchen neuen Zugang müssen wir suchen und finden?

I Blick auf Bruder Klaus

Wie damals üblich, beichtete und kommunizierte Niklaus von Flüe an den hohen Feiertagen, als Eremit im Ranft alle Monate, sobald er einen eigenen Kaplan hatte. Pfarrer Ysner berichtet von einem Gespräch: „Bruder Klaus habe ihm einmal in seinem Häuschen ganz im Vertrauen gesagt, wenn er der Messe beiwohne und der Priester das Sakrament geniesse, empfange er davon eine solche Kraft, dass er ohne Essen und Trinken sein könne; sonst könnte er es nicht ertragen.“

Dieses tiefe Verhältnis zu Christus in der Eucharistie ist im Laufe vieler Jahr gewachsen. Wir beachten einige Stufen:

  • Der junge Niklaus hatte ein waches Auge für Göttliches. Oft zog er sich von den Spielen der Kameraden zurück. Mit den Eltern besuchte er manchmal die Kirche St. Niklausen und sah dort einen Bilderzyklus über das Leben Jesu. Die Menschen damals verstanden es, Bilder und Symbole zu deuten. Mit 16 Jahren sah er einen Turm im Ranft - sein Sehnsuchtsbild:
    Er wollte Himmel und Erde miteinander verbinden.
  • Mit Priestern machte er nicht nur gute Erfahrungen. Gegen den eigenen Pfarrer musste er einen Prozess führen. Aber Niklaus von Flüe wusste zu unterscheiden zwischen Person und Amt. So sagte er einmal, es komme doch nicht darauf an, ob eine Röhre aus Kupfer oder Blei oder Silber oder Gold sei. Sie hätten doch der Frische und dem Geschmack nach dasselbe Wasser.
  • Ein anderes Mal sagte er (zum Prediger, 1469): „Sooft ich einen Priester sah, schien es mir, als sähe ich einen Engel Gottes. Erst dadurch, glaube ich, kam ich zu der grossen Ehrfurcht und Verehrung für das heilige Sakrament des Leibes und Blutes Christi.
  • Eine tiefgehende Erfahrung brachten die Jahre, da er nochmals um seine Berufung kämpfen musste. Ein befreundeter Priester, dem er sein Leid klagte, riet ihm, das Leiden Christi zu betrachten. Sobald er seine eigene innere Not mit dem Leiden Christi verband, wurde sie erträglicher.
  • Im Ranft entdeckt Bruder Klaus das Radsymbol. Die Betrachtung des Dreifaltigen Gottes erschliesst ihm einen neuen Zugang auch zu Christus. Im gemalten Meditationsbild ist Gottes Sohn als Erlöser am Kreuz dargestellt. Bei den Rundbildern, die die mütterliche Zuwendung Gottes zu uns Menschen darstellen, finden wir auf dem einen Bild den Verrat des Judas dargestellt, auf einem andern einen Priester, der die Hostie hochhält. Bruder Klaus meint dazu: Gott wollte seine Macht zurücknehmen und sich vor uns Menschen ganz klein machen.

Auch Niklaus von Flüe musste seinen Weg suchen. Aber die Mühe lohnte sich. Im Ranft erreichte Bruder Klaus die letzten Tiefen der Mystik.

In der Brunnenvision erlebt er sich als Tabernakel, in dem die Quelle des Dreifaltigen Gottes reichlich fliesst - vor allem für seine Mitmenschen, die zum Schöpfen eingeladen sind. Ein solches Erlebnis stimmt nur für einen Menschen, der vollkommen eins ist mit Christus und dem Dreifaltigen Gott.

Bruder Klaus erhielt von Gott noch eine andere Auszeichnung: Er konnte 20 Jahre lang ohne Speise und Trank leben. Das ‚Brot des Lebens’ genügte ihm.

II Ein Wegweiser auch für uns

Die ‚Stiftung Bruder Klaus’, von reformierten Christen im Berner Oberland gegründet, ist fasziniert von der Idee, die Botschaft des Bruder Klaus müsse allen Schweizern bekannt gemacht werden. Deswegen eröffnet sie Ende Juni in Basel eine Installation zum Radsymbol und eine Ausstellung zu seinem Leben und ergreift verschiedene Initiativen für die ganze Schweiz.

Wir stellen uns heute die Frage: Wie kann die Botschaft aus dem Leben von Bruder Klaus das wackelige Glaubensfundament unter dem Geheimnis der Eucharistie stärken? Zwei Tatsachen fallen mir auf, zwei Hinweise möchte ich machen.

A) Auf dem Glaubensweg vorangehen

Auch der junge Niklaus muss seinen Berufungsweg suchen und mühsam gehen. Er folgt nicht den krummen Linien seiner Zeit in Gesellschaft, Politik und Kirche. Er hält sich an die Wegweiser, die Gott ihm gibt und geht auch im Gegenwind voran.

Das ist ein Hinweis auch für uns: Jede und jeder von uns hat einen individuellen Lebens- und Glaubensweg mit einem ganz persönlichen ‚Grundkapital’ an Befähigungen, Eigenarten und Defiziten, mit Impulsen, Anfragen und Herausforderungen von Seiten Gottes. Da ist für jeden Tag ein bestimmter Schritt aktuell und gefordert:

- Vielleicht müssen wir der Welt des Glaubens einen gebührenden Rahmen geben,
- vielleicht mit Gott als persönliches Gegenüber ein sorgfältigeres Verhältnis pflegen.
- vielleicht auch einmal einer Frage um Glauben und Kirche auf den Grund gehen.
- Vielleicht müssen wir begreifen, dass Gottes Wille wichtiger ist als unser Planen - und müssen Abschied nehmen vom landesüblichen Machbarkeitswahn

Das Leben von Bruder Klaus sagt uns deutlich: Geht den sauberen Weg eures Gewissens, Schritt um Schritt, auch gegen den Strom der Zeit, und achtet sorgsam auf die Wegweiser, die Gott in euer Leben stellt.

B) Das ‚einig Wesen’ suchen

Seit dem Turm-Erlebnis mit 16 Jahren suchte Niklaus nach dem ‚einig Wesen’. Seine irdischen Vorstellungen sollten mit Gottes Plänen übereinstimmen. Ein Auseinanderklaffen hätte er nicht ertragen. Dieses Ziel erreichte Niklaus auf verschiedene Weise. Schon als Vater, Landwirt und Politiker war er Gott zugetan. Als er Eremit und Mystiker wurde, ging der Sachverstand für das Irdische nicht verloren, sondern wurde erst recht ausgeprägt. Seine Botschaft an uns: Bemüht auch Ihr Euch um das ‚einig Wesen’.

Eine Anregung, das ‚einig Wesen’ im Bereich der Liebe zu finden. Oder: Wie kann Eucharistie wieder zum Erlebnis werden?

Sie haben alle irgendwann einmal die ‚grosse Liebe’ erlebt. Nun schauen Sie zurück auf die Jahre, in denen sie aufkeimte und aufblühte. Rufen Sie den ersten schüchternen Annäherungsversuch in die Erinnerung zurück, das erste Wort und die Antwort darauf - und alles, was aus diesem Aufbruch heraus wuchs. In einem Liebeslied ist dieser Vorgang wunderbar beschrieben:

  • Du schaust mich an, ich lache Dir zu, ich sehe Freude in Deinen Augen -
    ich sage ein Wort, und Du lachst zurück und eine Brücke ist gebaut.
  • Ich höre zu, was du mir erzählst. Du hast Vertrauen, fühlst Dich geborgen -
    Ich nehm’ Dich an, ganz so wie Du bist, versuche Dich so zu verstehn.
  • Ich werde frei, ganz frei von der Angst, Du könntest meine Schwächen entdecken. -
    Ich schenke mich, ganz so wie ich bin, und Dein Verstehen macht mich stark.
  • Ich schau Dich an, ganz lang und ganz still, ich seh’ den Vater in Deinem Leben.
    Er hat Dich so, nicht anders gedacht, und darum nehme ich Dich an.

Der Refrain bei jeder Strophe:
Wir müssen lernen zu lachen, Freude zu schenken, Liebe weiterzugeben!

Erinnern Sie sich zurück: Wie viele Botschaften sind da hin und her gegangen?

- Sie haben sich geöffnet, sich mitgeteilt und auch aufgenommen.
- Sie haben ‚Danke schön’ gesagt, Ihr Gegenüber bewundert
oder um seine Hilfe gebeten.
- Sie konnten auch anklagen oder um Verzeihung bitten,
wenn etwas Ungerades zwischen Ihnen geschehen war.
- Und vor allem: Sie konnten lange und ehrfürchtig zuhören.

Aber irgendwann einmal ist doch der Wunsch hochgekommen, es müsste mehr sein:

- ‚Könnten wir - über Worte und kleine Zeichen hinaus -
uns selber schenken?’
- ‚Könnten wir nicht zusammen in Liebe eins sein - für immer?’

Und dann haben Sie geheiratet, sind körperlich ‚ein Fleisch’ und seelisch ‚ein Herz und eine Seele’ geworden. Und aus dieser Liebe heraus ist ‚Familie’ geworden.

Solche Erlebnisse sind wie das Fundament des Turmes, der Boden, auf dem er steht. Aber nun schauen wir zur Spitze, die in den Himmel reicht. Vergleichen wir unsere Erlebnisse mit dem, was in der heiligen Messe geschieht.

- Auch hier finden wir zu Beginn einen Gruss und Gegengruss. Der Priester spricht ihn an Stelle Gottes aus. (Liturgischer Gruss)
- Wir bitten Gott um Verzeihung und rühmen ihn. (Bussakt und Gloria)
- Wir hören lange zu, was er uns sagt. (Lesungen, Predigt)
- Wir sagen immer wieder ‚Danke schön’. (zB nach den Lesungen)
- Dann bekennen wir: ‚Ich glaube Dir und bleibe Dir treu.’ (Glaubensbekenntnis)
- Wir zeigen Gott unsere Hilflosigkeit. (Fürbitten)

Dies alles geschieht im ‚Wort-Gottesdienst’. Da geht es um Worte und Zeichen. Diese bleiben aber im Vorfeld stehen. In der Eucharistiefeier geht es in die Tiefe, es geschieht ein geheimnisvoller Liebesaustausch:

- In der Kommunion kommt Gott und nimmt Wohnung in uns. Er sagt zu uns: ‚Ich bin ganz für Euch da, ich lasse Euch nicht allein.’
- In der Gabenbereitung aber sind wir an der Reihe. Auch wir erklären unsere Bereitschaft, Gott zu lieben, uns ihm anzuvertrauen.
- Brot und Wein sind zunächst unsere menschlichen Gaben. In der Wandlung werden sie gewandelt in die Gabe Gottes. In der Kommunion werden sie uns geschenkt als ‚Brot des Lebens’, als Leib und Blut Christi, unseres Erlösers. Der Liebesaustausch ist vollständig und gegenseitig.

Jede Eucharistiefeier lädt uns ein‚ das ‚einig Wesen’ zu suchen; mit andern Worten: die Brücke zu schlagen von unserer menschlichen zur göttlichen Liebeswelt.

Aber es bleibt die Frage: Können wir die Begeisterung, den Aufbruch und die Beschwingtheit des menschlichen Verliebtseins auch auf die Liebe zu Gott übertragen? Und wie kann unsere Freude und Begeisterung auch andere Menschen anstecken?

Dazu ein Wort von Bruder Klaus als Antwort: Ein junger Mann aus Burgdorf sucht den Weg seiner Berufung und bittet Bruder Klaus um Rat: Dieser sagt ihm Folgendes: „Gott weiss es zu machen, dass dem Menschen eine Betrachtung so schmeckt, als ob es zum Tanz ginge und umgekehrt weiss er ihn eine Betrachtung so empfinden zu lassen, als ob er im Kampf streite. Als er aber vom Tanz sprach, sah ich ihn ein wenig an, als ob ich daran Ärgernis nähme, dass ein solcher Mann vom Tanz rede. Er bemerkte es alsbald und wiederholte den Ausdruck: Ja, als solt es an ain dantz gon.“

Dieses gleiche Geschenk erbitten wir von Gott, dass Freude und Begeisterung nicht nur unsere menschliche Liebe prägen, sondern auch unsere Liebe zu Gott.

Bruder Klaus zeigt uns, wie wir beten können:
’Mein Herr und mein Gott, nimm alles von mir, was mich hindert zu Dir.
Mein Herr und mein Gott, gib alles mir, was mich fördert zu Dir.
Mein Herr und mein Gott, nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen Dir.’

Das sei die wichtigste Bitte auch in dieser heiligen Messe. Amen

Pater Josef Banz, Pilatusstrasse 2, Postfach 126, CH-6072 Sachseln

Tel: 041 660 12 65 / seelsorgebruderklaus.com

     
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