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Der Mittelpunkt ist die ungeteilte Gottheit

       
   

Der eine(nde) Glaube durch Raum und Zeit

Im Übrigen, liebe Brüder, freut euch, kehrt zur Ordnung zurück, lasst euch ermahnen, seid eines Sinnes, und lebt in Frieden! Dann wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Grüsst einander mit dem heiligen Kuss! Es grüssen euch alle Heiligen. Die Gnade Jesu Christi, des Herrn, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!2 Kor 13,11-13

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben

Wir sind unterwegs nach Ostern, nach der Mitte des Glaubens. Die Feierstunden sollen uns auf diesem Weg eine Orientierungshilfe sein. Ostern ist das Zentrum unseres Glaubens. Mit "uns" meine ich alle je auf Christus Getauften. Sie alle sind im Glauben an den dreieinigen Gott getauft worden und waren bzw. sind eingeladen, nach dem Evangelium Jesus Christi zu leben. Bei allen denkbaren Unterschieden ist dies das Verbindende über Zeit und Raum hinweg.

Dies schwingt im gehörten Schluss des 2. Korintherbriefs mit: Einheit im dreifaltigen Gott, darin sich die Heiligen erfreuen; auch die noch lebenden Heiligen; gemeint sind hier nicht Heilige, die ein Kanonisationsverfahren erfolgreich bestanden haben, sondern wir, die zur Kirche Christi Zählenden und also besonders zur Heiligkeit Berufenen: Paulus hat kein Problem damit, im einen Satz die Korinther als Heilige anzusprechen, um sie im nächsten Satz sogleich scharf zurechtzuweisen, da sie ungeordnete Verhältnisse haben und sündigen und der Kirche Jesu Christi schaden.

Es geht mir also darum, erst mal den einen, einenden Glauben durch die Zeit bis zu uns, aber auch unter uns bis an die Enden der Erde zu betonen: Die Gemeinschaft der Heiligen in Gott umfasst alle uns bereits Vorausgegangnen, aber auch alle Menschen, die heute auf Christus getauft sind, und es gehören dazu, die noch kommen werden. Im Bild: unsere Ahnen im Glauben, unsere Grossmütter und Grossväter quasi, aber auch unsere Cousinen und Cousins weltweit und unsere künftigen Kinder bilden die Gemeinschaft der Heiligen in dem einen Glauben. Der Glaube an Gott, der sich in Jesus Christus der Welt offenbart hat, wurde und wird von Abermillionen Menschen vor uns und jetzt gelebt und bezeugt; unter ihnen Klaus und Dorothee von Flüe.

Etwas zugespitzt gesagt, wäre die Behauptung also die: Es gibt bezüglich des Glaubens nichts Neues unter der Sonne (Koh 1,9). Das ist zunächst natürlich mal ernüchternd; ernüchternd etwa für alle, die wundersüchtig von einem übernatürlichen Phänomen zum anderen rennen und hoffen, Zeuge von etwas Aussergewöhnlichem zu werden. Sie werden immer wieder zurückgeführt zur einfachen Bewährungsprobe des Glaubens im unspektakulären Alltag; je neu den Schritt zu wagen in den "Abgrund des Vertrauens" (Frère Roger). Einen "Beweis" gibt es nicht. Aber auch jene, die jeden reisserischen Artikel, jedes neue Buch zu angeblichen Verschwörungstheorien des Vatikans oder darüber, wer Jesus wirklich war, verschlingen, werden nachher so weise sein als wie zuvor. In Jesus Christus hat sich Gott ganz ausgesagt. "Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen" (Joh 14,9). Der Weg zu Gott geht über Jesus den Christus im Zeugnis der Schrift und in der Erfahrung des Glaubens.

Das ist natürlich eine grobe Vereinfachung und man könnte missverstehen, der Glaube sei eine uniforme, blutleere, langweilige Sache, was natürlich ganz und gar nicht gemeint ist. Im Gegenteil: Die Christen jeder Generation müssen je neu an ihrem Ort um ihren Glauben ringen und ihn sich persönlich aneignen.

Mir hilft das Bild eines grossen Symphonieorchesters. Da spielen 100 Frauen und Männer je ihr Instrument und ihre Stimme, aber sie spielen alle dieselbe Komposition: Das Stück verlangt das Zusammenspiel der verschiedensten Stimmen und Klänge in möglichst engagierter Harmonie. Wenn Sie schon mal verschiedene Platten- und CD-Aufnahmen eines Musikstücks miteinander verglichen haben, werden Sie festgestellt haben, dass sich die Interpretationsansätze im Verlaufe der Jahrzehnte verschieben. Jede Generation spielt das Stück auf leicht andere Weise, aber immer ist es dieselbe grossartige Musik, welchen die Menschen erbaut und stimuliert.

Diesem einen Stück, diesem einen, einenden Glauben durch Raum und Zeit will ich gern ein wenig nachgehen am Beispiel des Bruder Klaus. Die zeitliche Distanz kann uns helfen, die eigene Enge für einen Augenblick aus den Augen zu verlieren und uns von einem unserer Grossväter im Glauben neu sagen zu lassen, was einzig zählt im Leben. Am Schluss will ich versuchen, einige Impulse für unseren Weg auf Ostern hin zu formulieren.

1. Führung Gottes

Das für mich Erstaunlichste und auch Erschreckendste am Lebensweg des Klaus von Flüe ist das Faktum, dass er sich mehr und mehr tatsächlich führen liess von Gott. Hätte man ihm, als er junger, frisch verheirateter, stolzer und tüchtiger Bauer auf dem Schübelacher war, gesagt, er werde mal im Ranfttobel als Eremit hausen, er hätte wohl laut herausgelacht. Er hat das nicht gesucht. Und es war auch kein von der Kirche vorgespurter Weg wie etwa ein Klostereintritt es wäre. Nein, er hat mehr und mehr lernen müssen zu verstehen, nicht, was er oder die Kirche will, sondern was Gott von ihm – und Dorothee! – will.

2. Taufbewusstsein

Unser Christsein ist in der Taufe begründet. Durch die Taufe gehören wir Christus an: aus dem Wasser und dem Heiligen Geist wurde uns neues Leben geschenkt. Wir haben Christus angezogen und werden zu Christusträgern unser Leben lang. Daran erinnern wir uns selten genug. Klaus von Flüe jedoch vertraute seinem geistlichen Begleiter Heyni am Grund an, er habe eine glasklare Erinnerung an seine eigene Taufe. Mutter und Hebamme hätte er damals klar erkannt, ebenfalls den Priester in Kerns, nicht aber einen alten Mann, der auch bei der Taufe war. Dieses unglaubliche Phänomen kann uns anregen, darüber nachzudenken, was uns unsere eigene Taufe bedeutet. Klaus hatte ein wohl einzigartiges Bewusstsein von seiner eigenen Taufe, das ihm geholfen haben muss, zu verstehen, dass Gott ja gesagt hatte zu ihm, dass Er – Gott – aktiv da war, ja sich seiner bemächtigt hatte: "Nimm mich mir und gib mich ganz zu eigen dir."

3. Den eigenen Weg finden

In der Folge hat sich gezeigt, dass er kein Spinner war. Die gab’s und gibt’s ja auch. Die sich für Jesus halten. Oder Napoleon. Oder auch nur für die Reinkarnation der Jungfrau von Orléans. Davon gibt es einige in den U-Bahn-Unterführungen, in Stadtkirchen und vor allem in geschlossenen Anstalten. Nein, seine Haltung war authentischer Ausdruck einer Gottsuche. Mit einem aktuellen Wort von Dorothee Sölle gesagt: ‚Es muss doch mehr als alles geben!’

Die radikale Lebensweise von Bruder Klaus ist ein Zeichen für eine dekadente Gesellschaft. Die Eidgenossen hatten reiche Beute aus den Burgunderkriegen davontragen können. Unberechenbar war ihre rohe Kriegstaktik, entsprechend unkultiviert haben sie den Erfolg gefeiert mit exzessiven Fress-, Sauf- und anderen Orgien. In diesem Kontext zieht sich einer immer mehr zurück und steigt aus diesem materiellen Treiben aus, welches auf ihn wie ein Geschwür wirkt. Sein radikaler Rückzug, sein Nicht-Mitmachen, Nicht-Geschäften, Nicht-Fressen, Nicht-Saufen, aber auch sein Nicht-Moralisieren wirkt als Zeichen; wirkt nachhaltig bis heute. Keine Moralpredigt hätte auch nur einen seiner Zeitgenossen zur Umkehr gebracht.

4. In der Mitte des Glaubens

Aber auch was er sprach, hält kritischen Anfragen stand. Er ist in die Mitte des Glaubens vorgedrungen. Deshalb kann er mit wenigen, einfachen, aber präzisen Worten vom Glauben sprechen. Es finden sich bei Bruder Klaus keine flachen Sprüche oder banalen Nebensächlichkeiten. Er spricht immer von der Mitte des christlichen Glaubens. Das ist zunächst der Bezug zu Christus. Bruder Klaus begrüsst seine Besucher mit den Worten: "Der name jesus sygi üwer gruess!" Ihm war die Christusbeziehung tägliches Brot. In Jesus Christus hat sich Gott gezeigt und der Geist belebt immerfort die Kirche. Daraus lebte er. Das führt ihn auch dazu, die Dreieinigkeit Gottes immer tiefer zu begreifen. Klaus spekuliert nicht abstrakt über einen philosophischen Gottesbegriff. Gott ist konkret. Er ist das Zentrum von allem und umgreift alles. Das Radbild macht es deutlich: Es ist der dreieinige Gott, der ausgeht und eingeht. In ihm erfreuen sich alle Heiligen. Für Klaus ist klar: Gott ist nicht denkbar ohne die Heiligen. Er ist kein in erhabener Ferne einsam Thronender. Er ist ein geselliger Gott; in sich selbst Beziehung, Zueinander. Die Heiligen, deren Glaube vollendet ist, wohnen also in Freude bei ihm.

5. Aus der Mitte heraus handeln

Die Glaubwürdigkeit und Autorität von Bruder Klaus erwächst eben aus dieser Glaubensmitte. Dass er seine Mitte in Gott sucht und dabei Gott in sich findet, drückt sich bei ihm zudem noch drastisch körperlich aus. Nichts ist mehr da, was vom blossen Menschsein ablenkt. Kein Tand, kein Firlefanz, kein Schmuck, nichts Gekünsteltes: Nur Leib, ein einfacher ungefärbter Rock, die Füsse nackt auf dem blossen Boden: realer Mensch in direktem Kontakt mit realer Welt. Ihr hat er etwas zu sagen. Das wichtigste sagt er ohne Worte. Und wenn er jetzt noch spricht, ist sein Ja ein Ja und sein Nein ein Nein. Er ist frei. Gott hat ihn ihm genommen und ihn sich selber gegeben, nach Klausens Wunsch. Er ist immer mehr sich selber geworden; hat seine Berufung realisiert. Das macht sein Wort stark. Unbestechlich. Authentisch. Und letztlich einfach. Es bleiben zwei Dinge: Das Gebet und das Tun des Gerechten (D. Bonhoeffer).

Die Tauferinnerung von Klaus von Flüe stellt die Frage nach meinem eigenen Taufbewusstsein: Gott hat ja gesagt zu mir. Ich bin hinein genommen in den Tod und die Auferstehung Christi. Ich darf unverdient am Osterereignis teilhaben. Sein Tod ist für mich Leben. "Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?" (Röm 8, 30). Es ist doch eigentlich wirklich erschreckend, dass so viele Chrisen so gar nichts Erlöstes ausstrahlen! Man sollte es uns ansehen, was wir glauben! Aber es ist halt das Schönste und gleichzeitig auch Schwierigste unseres Glaubens, das Geschenk der Erlösung anzunehmen. Vielleicht ist das bei uns in der Schweiz noch schwieriger als anderswo: Wir Chrüpler und Chrampfer tun uns elend schwer damit, ein Geschenk anzunehmen. Unverdient. Ein Geschenk ohne Hintergedanken. Einfach so. Aus Liebe.

Noch ist Zeit, meine Osterspiritualität zu entwickeln. Was könnte heilender sein in einer Gesellschaft wie die der Schweiz, in der Einsamkeit und Depression weit verbreitet sind?

Die Osterspiritualität teile ich mit allen Christen in der Welt. Ökumene ist Auftrag. Bruder Klaus ist ein Glaubensgrossvater der Katholiken und Reformierten. Und die Orthodoxen dürften mit ihm am allerwenigsten Probleme haben. Er kann uns Fürbitter sein auch auf unserem schwierigen Weg hin zur versöhnten Verschiedenheit von allen auf Christus Getauften.

Auf dem noch viel schwierigeren Weg hin zur Verständigung der verschiedenen Weltreligionen sollten wir uns erst recht nicht scheuen, seine Hilfe zu bemühen. Im Dialog mit dem Judentum, dem Islam und den östlichen Religionen brauchen wir glaubwürdige Glaubenszeugen und –Zeuginnen, die sowohl Respekt für den Anderen und Klarheit der eigenen Glaubensidentität authentisch leben. Der Friedensheilige ist uns auch hier, davon bin ich überzeugt, eine grosse Hilfe.

Der Glaube ist überliefert. Wir stellen ihn uns nicht selber zusammen. Die Wahrheit des einzigen Gottes, der uns beim Namen nennt, uns in seine Hand geschrieben hat, uns als sein Eigentum erwählt hat, der uns sein Antlitz gezeigt hat in seinem Sohn, der die Liebe und die Barmherzigkeit verkörpert hat bis zur Selbstverleugnung, der uns den Beistand, den Geist gesandt hat bis er wiederkommt: dieses Credo hab ich empfangen. Es ist Geschenk, unendlich wertvoll und unverdient. Aber auch verpflichtend. Es lässt mich nicht mehr los. ER lässt mich nicht mehr los. Es ist mir aufgetragen, damit umzugehen, ihn Fleisch werden zu lassen in mir.

"Wie?" Das muss ich selber finden. Aber ich bin nicht allein. "Warum ich? Auf diese Weise?" Gott weiss. "Aber die anderen...!?" Gott weiss.

Lasst uns mehr zu Gott als über Gott reden. Noch schlimmer ist freilich, was so oft in unseren Pfarreien anzutreffen ist: man redet und schimpft nur über die Kirche und deren Strukturprobleme – und damit auch immer über andere Christen. Natürlich haben wir Probleme in der Kirche heute. Leider liegt vieles im Argen und sollte angepackt werden, verändert, reformiert, umstrukturiert, was weiss ich. Und natürlich sollten wir uns hier alle nach Kräften engagieren. Das hatte Klaus auch gemacht. Er hatte prozessiert gegen den eingesetzten Pfarrer von Sachseln, der mehr um seine Pfründe besorgt war als um seine Schäfchen. Die kirchenpolitischen Zustände waren unvergleichlich desolater, armseliger. Aber paradiesisch werden sie erst im himmlischen Jerusalem sein. Bis dahin sollten wir uns nicht aufreiben lassen von Strukturproblemen und Konflikten in der kirchlichen Personalpolitik – und darob Gott vergessen!
Man möge sich hin und wieder fragen: welches Problem in der Kirche ist es wert, drüber in solch einen Streit zu verfallen, dass der Streit der Kirche, also den Gläubigen, mehr schadet als das ursprüngliche Problem?

Impulse fürs Christ sein, für mein Glaubensleben sind in der Regel nicht dem "Tagblättli" zu entnehmen, auch nicht auf dem Marktplatz zu finden. Etwas kommerziell derart Uninteressantes wie der christliche Glaube (geben ist seliger denn nehmen!) werde ich also nie mehrheitsfähig in der Öffentlichkeit antreffen. Christ sein hat also immer etwas zu tun mit ‚in Spannung stehen zum Mainstream’. Das war damals so und ist heute nicht anders. Mit anderen Worten: Das Christentum, das viele unter Ihnen noch kannten, als eben ganze Gegenden noch geschlossen katholisch waren, war oft mehr Herdenzwang als bewusstes Glaubensleben. Die Krise, in der wir uns finden, birgt die Chance in sich, dass ich mich neu und bewusst für Christus entscheide. Je profilloser das traditionelle Christentum wird, desto fordernder taucht das Fragezeichen der Glaubwürdigkeit dieses Christentums und damit auch meines Glaubenslebens auf. Früher oder später muss ich mich ihm stellen.

Neben der Bibel ist es die Liturgie, die uns immer wieder die zentralen Geheimnisse vor Augen stellt und zu feiern einlädt. Zum Abschluss lese ich Ihnen gern die erste Präfation der Fastenzeit vor, die vielleicht schon einige Male an Ihnen vorbeigerauscht ist. In ihr fasst der Priester im Namen der versammelten Gemeinde die zentralen Inhalte des Ostergeheimnisses und des Sinnes der Fastenzeit zusammen. Dass dies für Sie und mich immer wahrer wird, wünsche ich uns von Herzen.

"Jedes Jahr schenkst du deinen Gläubigen die Gnade, das Osterfest in der Freude des Heiligen Geistes zu erwarten. Du mahnst uns in dieser Zeit der Busse zum Gebet und zu Werken der Liebe, du rufst uns zur Feier der Geheimnisse, die in uns die Gnade der Kindschaft erneuern. So führst du uns mit geläutertem Herzen zur österlichen Freude und zur Fülle des Lebens durch unseren Herrn Jesus Christus."

     
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