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Rundbrief September 2017
 
     
   
     
 

Gehorsam ist die grösste Ehr; seid einander gehorsam

       
   

Der persönliche Glaubensweg und die Gemeinschaft

Seid demütig, friedfertig und geduldig, ertragt einander in Liebe, und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammenhält. Ein Leib und ein Geist, wie euch durch eure Berufung auch eine gemeinsame Hoffnung gegeben ist; ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist ... Er gab den einen das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer, um die Heiligen für die Erfüllung ihrs Dienstes zu rüsten, für den Aufbau des Leibes Christi. Eph 4,2-6.11-12

Liebe Schwestern und Brüder

Jede Zeit hat ihre eigenen Widersprüchlichkeiten. Eines der meiner Meinung nach prägendsten Paradoxe unserer Zeit ist folgendes: Man gibt sich einerseits eigenständig, emanzipiert, unabhängig; behauptet, als Individuum autonome Entscheidungen zu treffen, nicht im Namen irgend einer Autorität zu handeln, sonder reflektiert und selbstbewusst das eigene Leben zu gestalten. Anderseits geht man jedem Mode- und Konsumdiktat auf den Leim und lässt sich auf subtile Art vom Markt versklaven. Markenjeans und Turnschuhe schon in der Kinderkrippe, die Aktionen im Warenhaus berücksichtigen, auch wenn ich die Artikel sonst nie gekauft hätte, ein Fitness-Center-Jahresabo haben und dem Ewig-Jung-Wahn erliegen und abends die selbe Show im Fernsehen sehen wie einige Millionen anderer Menschen ...

Aber auch jeder von uns entdeckt bei sich selbst verschiedene solcher Abhängigkeiten. Nun, ich will hier kein neues Weltwirtschafssystem vorstellen. Ich möchte nur auf das Paradox aufmerksam machen, dass auch wir freie Schweizer uns täglich ein Stück weit in die Tasche lügen und nicht recht hingucken wollen, wie verplant und fremd bestimmt wir eigentlich doch sind. Und dann kommt so ein freier Schweizer auf mich zu, spricht mich ganz mitleidig an und fragt, ob es denn nicht furchtbar schwer sei, heutzutage auf so viel zu verzichten und gehorsam zu sein; dem Oberen gegenüber, den Kirchengesetzen und – Dogmen gegenüber, ja gar dem Papst zu folgen. Wenn ich dann jeweils zu erklären versuche, dass ich dies ganz im Gegenteil als freimachend empfinde, stosse ich auf viel Unverständnis.

Davon - Vom Einzelnen in Beziehung zu den Anderen, von der Freiheit im Gehorsam - möchte ich heute sprechen und dabei Klaus und Dorothee von Flüe zu verstehen suchen.

1. Wort und Antwort

Klaus und Dorothee haben in ihrer Zeit Paradoxe wahrgenommen und Wege gesucht, mit ihnen zurechtzukommen. Der Entscheid von Klaus, von den Ämtern zurückzutreten, ja gar die Familie, alles, was ihm lieb war, zu verlassen, wurde und wird noch immer vielfach als Flucht vor der Verantwortung missverstanden. Oder aber wird Klaus romantisch verklärt und als Aussteiger verehrt; als einer, der dem korrupten Gesellschaftssystem den Rücken kehrt und quasi in den Hungerstreik tritt gegen die dekadenten Machenschaften der Mitbürger der jungen Eidgenossenschaft. Dabei hat Klaus nur seine Antwort gesucht auf das grosse Wort, das er wahrgenommen hat. Das Grosse Wort ist die Liebe Gottes, die im Fleisch gewordenen Sohn unter uns lebte und uns den Weg zum Vater zeigte.

Jesus von Nazareth wusste sich vom Vater geliebt und hat auf diese Liebe frei geantwortet: Er hat die Liebe erwidert. Wahre Liebe ist verschwenderisch und will sich mitteilen. Mit derselben Liebe, mit der er den Vater liebte, hat Jesus also alle Menschen geliebt. Das ist die freie Antwort Jesu auf die Liebe des Vaters. Aus dieser Liebe erwächst der Gehorsam; die Treue zum Ja aus Liebe. Jesu Treue zum Ja aus Liebe, sein Gehorsam dem Vater gegenüber hielt stand bis in den Tod hinein: der Vater würde ihn nicht im Tod belassen, den er im Gehorsam ihm gegenüber auf sich nahm. So ist der liebende Gehorsam Jesu das Vorbild auch unserer Antwort auf das Liebesangebot des Vaters an uns: "Vater unser, dein Wille geschehe!" Diese Antwort muss freilich jeder Mensch von sich aus geben.

2. Individuum und Gemeinschaft

Das meint er nun aber gerade nicht: jeder muss selber seinen Weg suchen und die anderen sollen schauen, wo sie bleiben, nach dem Motto: "es stimmt für mich" und alles andere "ist nicht mein Problem". Der Gehorsam ist ein Aspekt der Liebe. Wie das Gebot der Liebe, so ist auch der Gehorsam dreischichtig: Gott ist kein Einzelgänger! Er ist sich in Liebe verschenkende Gemeinschaft und will, dass unsere Antwort, unsere Gottesliebe, "abfärbt", zur Nächstenliebe wird. Aber auch zur Eigenliebe: Ich muss lernen, die mir geschenkte Liebe anzunehmen und also mich selber anzunehmen. Hat Gott ja gesagt zu mir, wie sollte ich mich dagegen stellen und nicht auch ja sagen zu mir – gegen Gott? Keine der Ebenen kann fehlen, damit es wirklich Liebe ist.

Versuche ich also, Gott gegenüber treu zu sein, je neu und neu in Liebe zu antworten auf seine Liebe, ihm also zu gehorchen, so muss das ‚abfärben’ auf meine andern Liebesbeziehungen: jene zu mir selbst und jene zu meinen Nächsten. Die Treue zum Ja aus Liebe gilt zugleich Gott, mir selbst und den anderen gegenüber.

3. Sich selber gehorchen

Das Wort "gehorchen" weist uns darauf hin, dass zum gehorchen das horchen, das hinhören dazugehört. Dem Akt des Gehorsams geht eine Arbeit voraus, ein Wahrnehmen, eine Auseinandersetzung mit dem, was oder wen ich bejahen soll. Will ich also Gott gehorchen, so muss ich vorher hinhören, was er mir sagt. Zuerst und fundamental sagt er mir sein Ja zu: "Ich sage ja zu dir, ich nehme dich an und liebe dich." Gott zu gehorchen, der mich liebt, fordert von mir also die Annahme meiner selbst. Und sich selber gehorchen heisst somit: auf sich selber hören, mir selber treu sein, weil Gott mir gegenüber treu ist.

Es ist wichtig für mich als Mensch, dass ich mich als möglichst kohärente Persönlichkeit aufbauen kann. Ich muss mir selber treu sein können; mich sein und immer mehr werden. Im Licht des Glaubens heisst dieses Mich-selber-werden seine eigene Berufung leben, dem Willen des Vaters gehorchen, der mich ja geschaffen hat und mich also besser kennt als ich mich selbst. So sind natürlich Kurskorrekturen möglich und nötig, aber ich nehme mich ja immer überallhin mit. Mein ganzes Leben – wie gehorsam auch immer – mein ganzes Leben gehört zu mir. Ich kann ihm nicht entfliehen. Es ist meine Geschichte, die sich in meinen Leib geschrieben hat. Ich bin aufgefordert, in Gehorsam Gott gegenüber ("dein Wille geschehe") und meine bisherige Geschichte bejahend, ihr gehorchend, immer mehr mich selber zu werden. Das meine ich bei Klaus deutlich zu sehen. Schon immer hat er ein Einig Wesen gesucht. Schon immer waren da die Bilder, die Zeichen auf dem Weg, die er auf das zu deuten suchte, was wirklich wichtig sei.
Im Moment der tiefen Verunsicherung kommt nun aber der Gehorsam gegenüber den anderen als Krise ins Spiel.

4. Den andern gehorchen

Hier setzt ja die Kritik bei Bruder Klaus oft an, wenn ihm vorgeworfen wurde, Frau und Kinder und die Dorfgemeinschaf im Stich gelassen zu haben um auf einen Selbstverwirklichungs-Tripp zu gehen. Freilich wollte er zuerst weit weg gehen. Aber er hat gemerkt, dass sein Platz nicht im Elsass bei den Gottesfreunden war, sondern in unmittelbarer Nähe seines Hofes. Im sensiblen Hinhorchen auf Gottes Willen und seine Geschichte hat er gefunden, wie er den Gehorsam den anderen gegenüber leben muss. Nie wäre er ohne Einwilligung seiner lieben Dorothee gegangen. Jetzt schien von ihnen beiden offensichtlich verlangt zu sein, ihre Treue zum gegenseitigen Ja in naher, aber getrennter Nachbarschaft zu bezeugen.

Wie sehr Klaus diese Frage am Herzen lag, drückt sich aus in der Zeugenaussage des Jungendfreundes Erny Anderhalden. Klaus habe ihm anvertraut, dass ihm Gott unter anderem drei grosse Gnaden verliehen hätte, "nämlich die erste, dass er von seiner Frau und seinen Kindern die Erlaubnis zum Einsiedlerleben erhielt, die zweite, dass es ihn niemals dazu drängte, von seiner Lebensweise abzuweichen und wieder zu Frau und Kindern zurückzukehren, und die dritte, dass er ohne zu essen und zu trinken leben konnte." (Sachsler Kirchenbuch, neusprachliche Übersetzung von W. T. Huber).

Bruder Klaus spricht oft vom Gehorsam. Dem Rat von Bern wird er schreiben: "Gehorsam ist die grösste Ehr ... Darum sollt ihr schauen, dass ihr einander gehorsam seid." Daraus spricht eine langjährige, mit viel Schmerzen errungene Erfahrung. Davon könnte auch Dorothee berichten. Und die Kinder. Sie lebten diese gegenseitig gehorsame Beziehung auf Distanz. Zur schmerzhaften Erfahrung für Klaus und Dorothee gehörten sicher auch die Enttäuschungen, die ihnen vom einen oder anderen Kind nicht erspart blieb. So war etwa der älteste Sohn noch zu Lebzeiten von Klaus als Landammann in allerlei undurchsichtige Geschäfte und Arrangements verwickelt, für die der Vater sicher wenig Verständnis aufbringen konnte.

Der persönliche Glaubensweg von Klaus von Flüe war also kein Ego-Tripp. Er ist ihn im Gehorsam Gott gegenüber gegangen, aber auch im Gehorsam gegenüber sich selbst, seinem Gewissen, und vor allem seiner Lieben.

5. Der Kirche gehorchen

Aber das ist noch nicht alles. Was im damaligen Kontext selbstverständlicher schien, muss heute herausgehoben werden: So eigenartig der Weg des Klaus verlief, so selbstverständlich hat er ihn als einen kirchlichen Weg verstanden. Kirchlich in dem Sinne, dass er sich ganz an Christus ausgerichtet hat und sich auf dem Weg von Christen hat helfen lassen. Ein Heiliger fällt nicht vom Himmel! Auch ein so spezieller Heiliger, wie Bruder Klaus es ohne Zweifel war, ist eingebettet in eine Glaubensgemeinschaft, die ihm vieles beigebracht hat: Anregung, Stärkung, Impuls, Enttäuschung, Hoffnung, Fragen, Vorbild im Glauben und in der Liebe und vor allem das Gebet. Insbesondere seine beiden Priester-Freunde und Begleiter Heimo Amgrund und Oswald Isner spielten eine herausragende Rolle, machten sie ihn doch bekannt mit Frömmigkeitsübungen und biblischen Betrachtungen, die Klaus in seiner Suche orientierten. Auch dieser Gemeinschaft des Glaubens bleibt er gehorsam: er hört auf sie und achtet sie, wie er alle Menschen achtet, da sie nach dem Bilde Gottes geschaffen sind und da ihnen als auf Christus Getaufte eine unauslöschliche Würde aneignet.

Er lebt das, was den Ephesern eingeschärft wird: Die Einheit der Kirche: "ein Herr, eine Taufe, ein Gott und Vater aller, der über allem und durch alles und in allem ist", die sich aber im einen Geist durch ganz verschiedene Gnadengaben strukturiert: den einen "gab er das Apostelamt, andere setzte er als Propheten ein, andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer" und Einsiedler und Pastoralassistentinnen und Krankenpfleger und und und …

So ist auch hier und heute diese Aufforderung von Bruder Klaus zu beherzigen, einander gehorsam zu sein und so den je eigenen Glaubensweg in konstruktiver Spannung zur Glaubensgemeinschaft zu suchen.

Impulse auf dem Weg der Umkehr zu Gott und also zu mir selbst

Dies: im Gehorsam den je eigenen Glaubensweg in konstruktiver Spannung zur Glaubensgemeinschaft suchen, kann vieles heissen:

Das Wort erging an uns. Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt. Es ist die Mensch gewordene Liebe Gottes. Was ist meine Antwort auf diese verschwenderische Liebe? Gehorche ich Gott und versuche also, mich anzunehmen, zu lieben gar?

Hab ich begriffen, dass nicht ich der Nabel der Welt bin, sondern mich ganz und gar Gott verdanke?

Bin ich mir selber gehorsam und sage ja zu meiner Geschichte oder laufe ich immer wieder vor ihr davon? Sie ist ja in Gott gut aufgehoben. Ihm gehorchend, kann heilen, was verwundet ist. Aber auch die Wunden gehören zu mir, zu meiner Geschichte. Erst wenn ich sie annehme, können sie heilen, kann ich ganz werden.

Der Gehorsam in der Kirche ist von allen gegenüber allen nötig und immer wieder zu erbitten. Darum zu beten ist das eine. Das mögliche tun ist das andere. Also fang ich neu damit an, allen, die auf den Namen Jesu getauft sind, zu gehorchen. Fange an, von ihnen zu lernen, heilig zu werden; ob von der Katechetin oder vom Nachbar, vom Bischof oder Papst oder von der Kleinen Schwester, vom Opus-Dei-Mitglied oder von der Aufbruch-Redaktorin.

Bruder Klaus schreibt an den Rat von Bern: "Seid einander gehorsam." Klar war damit auch die Einhaltung der Versprechen gemeint, die sich die Orte in der noch wackeligen Eidgenossenschaft gaben und oft nicht einhielten. Wir haben hier und heute als Christen die Pflicht, den gegenseitigen Respekt und das Aufeinander Hören und Gehorchen als Werte im gesellschaftlichen und staatlichen Zusammenleben immer wieder einzubringen und einzufordern. Bin ich auf dieser Ebene vielleicht noch etwas Gehorsam bzw. Zivil-Courrage schuldig? Denn frei bin ich, insofern ich Gott und den Menschen gehorche und diene.

Wem das immer noch wie ein Abhängigkeitsverhältnis vorkommt, dem sei das lapidare Pauluswort gesagt: "Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?" (Röm 8, 30). Da ich nun einmal nicht der Nabel der Welt bin und also von anderen abhänge, will ich mich doch zuallererst ‚in Gott werfen’ (Meister Eckhart); er ist mir innerlicher als ich mir selbst. Ihm gehorchen heisst: mich selber werden.

Das wünsche ich Ihnen und mir weiterhin auf Ostern hin.

     
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