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Rundbrief September 2017
 
     
   
     
 

Den Sohn Gottes ‚tragen und gebären‘

       
   

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Ansprache im Pilgergottesdienst an Christi Himmelfahrt 2000

Schriftlesungen: Eph 4. 1-7 / 11-13 / Mk 16. 15-20

Heute schauen wir zurück auf den Tag, da Jesus Christus endgültig Abschied nimmt und zu seinem Vater heimkehrt. Maria hat ihren Sohn 33 Jahre lang begleitet, die Jünger und Apostel ihren Meister drei Jahre. Eine Ära geht zu Ende.

Was Maria, die Jünger und Apostel erlebt haben, das fasst Johannes in einen einfachen Satz: ‚Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater, voll Gnade und Wahrheit.’ (Joh 1. 14)

Die Worte, Zeichen und Wunder Jesu während des öffentlichen Wirkens eröffneten für sie neue Perspektiven. Aber diese Welt brach am Karfreitag zusammen. Am Auferstehungstag leuchtete zwar ein bisschen Licht in die Dunkelheit. Aber nun war der endgültige Abschied ein neuer Schlag. Alle waren traurig und ratlos. Das ist mehr als verständlich.

In dieser dunklen Nacht erinnerte sich Johannes an Verheissungen Jesu:

  • ‚Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen,
    sondern ich komme wieder zu euch.’ (Joh 14. 18) und
  • ’Wenn ich fortgehe, werde ich den Beistand zu euch senden.’ (Nach Joh 16. 7)
  • Allen, die ihn lieben, versprach Jesus: ‚Mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und bei ihm wohnen’. (Joh 14. 23)
  • Matthäus wusste von einem anderen Wort Jesu zu berichten: ‚Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.’ (Mt. 28.20)

Nun klammerten sie sich an diese Worte. Jesus war zwar nicht mehr hörbar, sichtbar und erlebbar. Aber er hatte versprochen, bei ihnen zu bleiben; eine neue Ära begann.

Im Jahr 2000 begleitet uns ein Symbol: Der goldene Kreis des Himmels und der gegenläufige Kreis der Erde sind durch ein Kreuz miteinander verbunden. Zusätzlich senkt sich vom Himmel her ein goldener Punkt in die braune Erde ein. Das trifft zuerst auf Maria zu. Sie nimmt den Antrag Gottes an und bereitet Gottes Sohn einen menschlichen Leib. So hat sie den Erlöser getragen und geboren.

Am Himmelfahrtstag hat Christus zwar Abschied genommen, sich aber nicht in den Himmel zurückgezogen. Er will wieder zur Welt gebracht werden. Der goldene Punkt bleibt in die braune Erde eingesenkt. Christus will wieder unter uns wohnen, nur anders als damals. Darüber wollen wir nachdenken.

Menschwerdung damals und heute.

Wie wird Gott sichtbar und erlebbar in unserer Zeit? Zwei Erfahrungen.

  • Angelus Silesius, ein Dichter des 17. Jahrhunderts, hat einmal geschrieben: ‚Wird Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du bleibst verloren.’
    Christus will in uns geboren werden. Nur so kann er uns erlösen. Christus will neu der Welt gebracht werden. Nur so kann er die Welt erlösen.
  • Bruder Klaus hat 2 Jahrhunderte vorher ganz ähnlich gedacht. Wir beachten einen verborgenen Satz in der Danksagungsvision. In einem nächtlichen Erlebnis spricht ihn Jemand an: ‚Komm und sieh deinen Vater und schau, was er tut’. Bald sind sie in einem grossen Saal. Da spricht der gleiche Mann zum Vater: ‚Hier ist jener, der dir deinen Sohn getragen und geboren hat und ihm zu Hilfe gekommen ist in seiner Angst und Not.’ - Ein erstaunlicher Satz! Es geht nicht um Maria, nicht um eine Mutter, sondern um einen Mann, der den Sohn ‚getragen und geboren’ habe.

Das ist ein Hinweis für uns: Damals wurde Maria angefragt, ob sie Gott einen menschlichen Leib bereite. Sie sagte zu, und ihr Leib wurde zu einem Schrein, in dem Gott heranwuchs. Auf verschiedenen Mariendarstellungen sehen wir auf der Brust Marias einen solchen Schrein mit dem Kind. Das Bild gilt für sie, aber auch für uns. Heute will Christus von vielen Menschen ‚getragen und geboren’ werden.

Seit der Taufe sind wir mit Christus in einer innigen Lebensgemeinschaft verbunden, wie ein Zweig mit dem Rebstock, wie ein Glied des Leibes mit dem Kopf. Paulus kommt im ersten Brief an die Korinther darauf zu sprechen: ’Wisst ihr nicht, dass ihr Tempel Gottes seid und der Geist Gottes in euch wohnt?’ (1 Cor 3. 16) Später fragt er nochmals: ‚Wisst ihr nicht, dass eure Leiber Glieder Christi sind?’ (1 Cor 6. 15)

Damals, vor 2000 Jahren wurde Gott durch einen Menschen zur Welt gebracht. Heute will er durch Millionen von Menschen zur Welt gebracht werden. Damals hat Jesus die menschlichen Züge seiner Mutter an sich getragen. Heute macht er sich die Gesichtszüge von Millionen von Menschen zu eigen und will sich so auf vielfältige Art und Weise der Welt offenbaren.

Darum erstaunt es nicht, dass Bruder Klaus diese Aufgabe mit Liebe aufgriff. Und wie hat er es getan?

I Wie Bruder Klaus den Sohn „getragen und geboren“ hat.

  • Seit seiner Jugend hat Niklaus von Flüe die Nähe Gottes gesucht und erfahren. Der junge Klaus zog sich aus den Bubenspielen zurück und suchte einsame Orte auf, um zu beten und nachzudenken. Er begann schon früh mit Fasten, um die Anhänglichkeit an Speise und Trank zurückzustecken. Offenbar fand er eine innere Freude an Gebet und Betrachtung. Was er dem Jüngling von Burgdorf sagte, ist eine persönliche Erfahrung: ‚Gott weiss es zu machen, dass dem Menschen eine Betrachtung so schmeckt, als ob es zum Tanze ginge und umgekehrt weiss er ihn eine Betrachtung so schmecken zu lassen, als ob er im Kampf streite.’ Gebet und Betrachtung waren nicht kopflastige und willensbetonte Übungen, sondern hatten die beschwingte Freude eines Tanzes und die urwüchsige Leidenschaftlichkeit und Konzentration eines Kampfes.
  • Ähnlich erlebte er die Feier der Heiligen Messe: Dem Priester Oswald Ysner vertraut er an: ‚Wenn er dem Messopfer beiwohne und dort den Priester Christi Fleisch und Blut geniessen sehe, so fühle und empfange er davon eine wundersame Stärkung’. Auch die Betrachtung des Leidens Christi bewirke in ihm ‚dass sein Herz von unaussprechlicher Süssigkeit erfüllt werde, die ihn so erquicke, dass er die allgemeine menschliche Nahrung leicht entbehren könne.’
  • Bruder Klaus suchte ‚das einig Wesen’ - und fand es auch. Er hat auf seine Weise den Sohn Gottes ‚getragen und geboren’.

II Wie sollen wir den Sohn ‚tragen und gebären’?

Da gäbe es viel zu beachten und zu lernen. Vielleicht müssen wir als moderne Menschen weiter unten beginnen, als Bruder Klaus. Ich bitte Sie, zwei Gegebenheiten aufmerksam zu beachten. 1)

  1. Werden Sie aufmerksam dafür, dass Gott in Ihrem Herzen wohnt, dass auch Ihr Leib Tempel Gottes ist – und zwar der gleiche Leib, der seine ‚Allüren’ hat und oft Versuchungen bereitet.
    Eine gute Möglichkeit, sich diese Tatsache in Erinnerung zu rufen:
    Sagen Sie bei einer Wanderung – im Rhythmus des Gehens – einen einfachen Satz vor sich hin:
    ’Gott, ich glaube, Du lebst in mir!’ Das einige Dutzend male. Später dann: ’Gott, ich glaube, Du liebst in mir! Und schliesslich: ’Gott, ich glaube, Du wirkst in mir!’
    Ich habe die Erfahrung gemacht: Diese Wanderung wird zu einem besonderen Erlebnis. Sie entdecken neu, was Christ sein heisst: Gott wohnt in ihrem Herzen. Sie sind nie einsam und allein.
    Das musste Bruder Klaus so nicht üben. Dass Gott anwesend war, das war ihm erlebte Wirklichkeit. Wir säkularisierte Menschen müssen uns diese Tatsache immer neu in Erinnerung rufen, damit sie nicht untergeht.
    Was die Realität ‚Gott wohnt in meinem Herzen’ bewirken kann, zeigt das Beispiel von P. Josef Kentenich. Dieser deutsche Priester wurde 1941 vom Nazi-Regime gefangengenommen und gleich in Dunkelhaft versetzt. Damit konnten sie die meisten Häftlinge in wenigen Tage mürbe machen. P. Kentenich kam nach 30 Tagen mit der Bemerkung ans Tageslicht, er habe noch nie so gute Exerzitien gemacht.
    Er war nie allein, immer mit Gott verbunden. Mit ihm konnte er alle Fragen und auftauchenden Besorgnisse besprechen.
  2. 2)
  3. Werden Sie aufmerksam dafür, dass Gott auch in den Herzen anderer Menschen wohnt, dass er seine Gesichtszüge in vielen Menschen aufleuchten lassen will und aufleuchten lässt. Auch hier ein kleiner Wink: Sie treffen jeden Tag mit Menschen zusammen:In der Familie begegnen sich Ehepartner, Eltern treffen ihre Kinder, Kinder ihre Eltern. Sie begegnen Menschen auf der Strasse, am Arbeitsplatz, im Laden, auf dem Gang zur Kirche, in der Bahn.
    Alle diese Menschen sind Abbilder Gottes. Gott will in ihrem Herzen wohnen. Beobachten Sie wenigstens den einen oder andern dieser Menschen. Vielleicht kommt Ihnen dabei der Gedanke: 'So etwa könnte Christus ausgesehen haben.' Oder es tauchen Fragen auf: 'Sieht Gottes Wohnung in diesem Leib wohnlich genug aus?' 'Ist Gott dort willkommen?' - 'Sind Gottes Züge im Gesicht eingeprägt, oder eher der Zug eines Lasters?' 'Kann ich Gott anbeten oder muss ich für diesen Menschen beten, dass er sich für das Gute öffnet?
    Die Fragen werden kaum Antwort finden. Wichtig ist nur, dass wir täglich auf die Tatsache aufmerksam werden: Gott wohnt in den Mitmenschen.
    NB: Das könnte auch in einer Familie zu Entdeckungen führen,
    - wenn Ehepartner aneinander nicht nur Aergerliches sehen, sondern das Geheimnis Gottes,
    - wenn Eltern in den strahlenden Augen eines Kindes das Strahlen Gottes spüren,
    - wenn Eltern durch die Kruste der pubertierenden Jugendlichen auf den guten Kern stossen und die geheimnisvolle Führung Gottes
    - und wenn Kinder sich in der gleichen Art und Weise bemühen mit den Eltern und Geschwistern umzugehen.
    Der gleiche Priester verbrachte nach dem Gefängnis drei Jahre im Konzentrationslager Dachau. Eines Tages herrscht ihn ein Aufseher an: 'Der Pfaff soll mir das Fahrrad putzen'. Dieser entgegnet in aller Ruhe: 'Das tue ich gerne, aber nicht weil ich muss, sondern weil ich Ihnen einen Dienst erweisen will'. Der Aufseher ist sprachlos. Am nächsten Tag 'beichtet' er ihm den ganzen Jammer eines missratenen Lebens. P. Kentenich hat den guten Kern auch in diesem Menschen gesehen. Und seine Güte hat ihn vielleicht ermutigt, neu zu beginnen.

Eine Bitte zum Schluss:

Wir feiern miteinander Eucharistie. Das ist eine wunderbare Liebesbegegnung mit Christus. Der Wort-Gottesdienst war ein herzliches Sprechen mit IHM.

In der Eucharistiefeier findet der eigentliche Liebesaustausch statt: In der Kommunion sagt uns Gott: Ich komme zu Dir, werde restlos für Dich da sein - sogar als 'Lebensmittel'. Du kannst auf mich zählen. Bei der Gabenbereitung sind wir an der Reihe. Hoffentlich finden auch wir ein Wort um Gott unsere Liebe und Freude zum Ausdruck zu bringen.

Wenn wir nach der Messe mit Gott im Herzen aufbrechen und nach Hause gehen, dann kann der Heilige Geist auch von uns - wie von Bruder Klaus - sagen: 'Er hat Deinen Sohn getragen und geboren'.

Dann ist in meinem Lebensbereich Gott Mensch geworden. Gottes Licht und Liebe ist in mein kleines Stück Welt gekommen und wird manche Dunkelheiten auch der grossen Welt erhellen.

Pater Josef Banz, Pilatusstrasse 2, Postfach 126, CH-6072 Sachseln

Tel: 041 660 12 65 / seelsorgebruderklaus.com

     
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