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Rundbrief September 2017
 
     
   
     
 

Das Buch, darin ich lerne

       
   

Zum Verhältnis von Glaube und Vernunft

"Was man von Gott erkennen kann, ist den Menschen offenbar; Gott hat es ihnen offenbart. Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit. ... Die Menschen jedoch haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. ... Sie behaupteten, weise zu sein, und wurden zu Toren. ... Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers – gepriesen ist er in Ewigkeit. Amen." Röm 1,19-20a.21a.22.25

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben

Am Eingang zu einem der Hauptgebäude der Universität Bern steht auf dem Türschild geschrieben: ‚Exakte Wissenschaften’. Damit ist wohl nicht die Theologie gemeint? Richtig, es sind die Naturwissenschaften; die sich mit all dem befassen, was man messen und wägen und beobachten und wiederholen und berechnen kann - exakt halt. Sie dominieren noch immer unser Verständnis von Wissenschaft.

Bruder Klaus war Analphabet. Und er hatte Visionen. Er sah Dinge, die sonst niemand sehen konnte. Die wenigen, denen er davon erzählte, haben es ihm geglaubt.

Zwischen Bruder Klaus und der Affiche der Uni Bern liegen 500 Jahre, in denen viel passiert ist. Unter anderem die Reformation, die Aufklärung, die französische Revolution. Die Kirche verliert immer mehr Einfluss. Die Gesellschaften sind mehr und mehr laizistisch. Der Einzelne wird wichtig, nimmt sich Raum. Das 20. Jahrhundert mit seinen zwei Weltkriegen, der bolschewistischen Revolution, den Konzentrationslagern und Gulags: ein Trauma! Das einst christliche Europa zerstört innerhalb weniger Jahre mehr Menschenleben als vorher während Jahrhunderten.

Der naive Glaube so vieler aufgeklärter Menschen an die menschliche Vernunft und an die Errungenschaften der Technik und die exakten Wissenschaften haben uns nicht vor diesen Katastrophen bewahren können.

Weiter: Herkömmliche Autoritäts-Strukturen werden hinterfragt. 68; 70er Jahre. Ausbruch aus Zwängen. Wohlstand dank Fortschritt. Die Wissenschaft boomt. Die Psychotherapie auch. Gott ist abwesend, weitgehend ersetzt durch ‚Götter und Göttinnen in weiss’ an den Unis, in Forschungslaboratorien, OPs und Sprechzimmern. Der Machbarkeitswahn ist inzwischen zwar kritisch hinterfragt und als Mogelpackung entlarvt, aber jetzt tritt an seine Stelle die Suche nach alternativen Techniken in Medizin, aber auch ‚Spiritualität’ und ‚Fun’.

Die Kirche hat noch immer ihren Platz nicht wieder gefunden inmitten dieser Suche nach Glück. Sie, die Kirche, also wir, leidet drunter, oft nicht als voll genommen zu werden. Uns wird nachgesagt, dass wir am Eingang der Kirchen das Hirn abgeben und es erst am Ende der Messe wieder einsetzen. Furchtbar unzeitgemäss und einfältig werden wir als Kirche wahrgenommen.

Nun, vielleicht merken Sie, wohin diese polemisch zugespitzte Geschichtsanalyse führt: Zur Behauptung nämlich, dass die Kirche letztlich das tauglichere, realistischere Menschenbild hat. Der Christ, der sich als Geschöpf versteht und jemanden über sich weiss, wird hoffentlich immer besser und bewusster mit all den Widersprüchlichkeiten umgehen lernen und vielleicht dem Risiko, sich über andere zu erheben, sich an Stelle Gottes zu setzten, weniger erliegen.

Es kommt vielleicht der Punkt im Leben einer Christin, an dem sie sich sagen muss: "bis hierher und nicht weiter. Ich kann unter diesen Umständen dies und jenes so nicht mehr tun und verantworten. Meine Glaubenserfahrung führt mich zur Überzeugung, dass ich aussteigen muss." Nichts von wegen ‚Hirn abgeben’ also.

Eigentlich gilt dies für alle Menschen. Die Kirche hat auf ihren letzten beiden Konzilien festgehalten, dass jeder Mensch guten Willens intuitiv nach Liebe, nach dem Guten, dem Schönen, dem Wahren strebt und
also Gott erkennen kann, auch ohne je etwas von unserem Gott gehört zu haben. Der vorhin gehörte Paulustext ist eine der Bibelstellen, die die Konzilsväter zu dieser hoffnungsvollen Aussage bewog: "Was man von Gott erkennen kann, ist den Menschen offenbar; Gott hat es ihnen offenbart. Seit Erschaffung der Welt wird seine unsichtbare Wirklichkeit an den Werken der Schöpfung mit der Vernunft wahrgenommen, seine ewige Macht und Gottheit."

Es gibt also, so glaubt die Kirche, eine natürliche Art der Gotteserkenntnis. Es wird von Menschen erzählt, die seien zum Glauben an einen Schöpfergott gekommen, als sie einen Schneekristall betrachtet hätten. Wissen Sie, dass jede Schneeflocke eine eigene Kristallstruktur hat? Das kann keine Laune der Natur sein, dahinter steht ein verschwenderisch kreativer Schöpfer! Die natürliche Art der Gotteserkenntnis setzt also bei der allgemein menschlichen Vernunft an. Beim ‚bon sens’, beim gesunden Menschenverstand. Dieser merkt aber auch schon sehr schnell einmal, dass die Menschen sich auch gegen das Schöne, Gute, Wahre; also gegen Gott stellen können. So sind sie auch zum Handeln getrieben, zum mutigen Auftreten gegen Ungerechtigkeit und Lüge. Oder zum beherzten Einsatz für das menschliche Leben. Das alles sollten wir erst recht bei einem bekennend Gläubigen finden. Glaube steht also nicht im Widerspruch zur kritischen Vernunft.

Klaus von Flüe hat seinen Kopf auch nicht zu hause hängen lassen, als er den Hof verliess. Lassen wir uns nicht davon täuschen, dass er angeblich Analphabet war. Intelligent war er allemal. Und ohne gesunden Menschenverstand und Klugheit hätte er es nicht zum erfolgreichen Bauern, zum Ratsherr und Richter gebracht. Einem wohlgelehrten

Doktor hat er im Ranft auf die Frage, was "das Edelste und Beste sei, das Gott dem Menschen gegeben habe" anvertraut: "daz ist die vernunft und die sel". (Amschwand,10).

Klaus muss auch erheblich mehr theologische Kenntnisse gehabt haben als sie der damals übliche Katechismus hätte vermitteln können. Nochmals seien die beiden Namen der befreundeten Priester genannt: Heimo Amgrund und Oswald Isner hatten je auf ihre Weise die anspruchsvolle Herausforderung zu bewältigen, einem solch mystisch begabten Laien mit Rat und Tat in Seelsorge, Lehre und Fachwissen beizustehen. Es ist bekannt, dass das Kloster Engelberg viele der Schriften der Dominikaner-Mystiker, vor allem von Johannes Tauler und Heinrich Seuse besassen und weiter verbreiteten. Von diesen muss Klaus vorgelesen worden sein. Ausdrücklich wird zudem überliefert, wie Klaus in die Praxis der Betrachtung der kanonischen Stunden angeleitet wurde und darüber sehr erfreut war (Durrer, 40). Man wird also sagen können, Klaus hätte alles in seinen Möglichkeiten Liegende getan, seine Fragen und Zweifel, aber auch seine aussergewöhnliche religiöse Begabung wahrzunehmen, und sich auch best möglich auszubilden. Ein naives Für-wahr-halten von dem, was halt so gesagt wird in der Kirche war das entschieden nicht!

Ebenfalls ist Klaus auch nicht alles einfach so zugefallen. Wenn er dem unbekannten Pilger erklärt, was sein Buch sei, darin er lese und ihm dann die einfache Radskizze zeigt, dann verstehe ich, dass Klaus in dieser Zeichnung alles, was er an Wesentlichem von Gott kennt und gehört hat, daran festmachen und betrachten kann. Da schwingt dann der ganze Hintergrund seiner Glaubensgespräche mit, die er mit aufdringlichen Theologen ebenso wie mit Heimo Amgrund und Oswald Isner immer wieder führte. So hat Klaus in seiner Zeit die Auseinandersetzung mit Gelehrten im Glauben nicht nur nicht gescheut, sondern geradezu gebraucht, um selber immer besser zu verstehen, was Gott von ihm wolle.

Dies ist auch die Herausforderung heute an uns, uns nicht in die Sakristei zurück zu ziehen, sondern uns der Herausforderung provokativer Fragen oder offener Ablehnung zu stellen. Je mehr wir unseren Glauben vertiefen, aber auch kritisch hinterfragen und prüfen, desto eher vermögen wir es, stets "Zeugnis abzulegen von der Hoffnung, die uns erfüllt" (1 Petr 3,15).

Eine Glaubenswahrheit kann nie im Widerspruch stehen zu Wissenschaft. Denn der alles gemacht hat im Himmel und auf Erden und unter der Erde, der hat auch uns geschaffen und unsere Intelligenz nach seinem Bild. Was also immer wir auch herausfinden, es kann nicht ausserhalb dessen sein, was existiert und also von Gott stammt. Ich kann ihn nicht überholen durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Ich kann ihn jedoch falsch verstanden haben. Dass zum Beispiel die Erde eine Kugelform hat und nicht eine Scheibe, wie die meisten bis ins 15. Jahrhundert angenommen haben und auch so die Bibel interpretiert hatten.

Wenn eine Spannung entsteht zwischen exakten Wissenschaften und der Theologie, dann hat dies methodische Ursachen; man redet aneinander vorbei oder überschreitet Kompetenzen.

Unser Glaube beruht auf der Offenbarung Gottes. Diese ist von Menschen aufgeschrieben. Von vielen Menschen aus verschiedenen Zeiten. Das geht nicht widerspruchsfrei. Aber das heisst nicht, dass die Bibel deshalb falsch wäre. Im Gegenteil: sie zeigt, wie ernst Gott die Menschen nimmt! Er hat uns die Wahrheit nicht diktiert sondern sie uns erleben lassen.

Die Erfahrung mit Gott, mit der Wahrheit hinter allen Dingen, ist bezeugt in vielerlei Weise von richtigen Menschen mit Stärken und Schwächen. Zuerst in den biblischen Schriften. Vor allem und unüberbietbar aber in der Menschwerdung des Sohnes, welche wiederum verschieden erfahren wurde und somit auch vier- bzw. fünffach je verschieden überliefert ist (Evangelien und Apg). Dann auch durch die Jahrhunderte hindurch immer wieder von ganz normalen Christinnen und Christen, angeleitet vom Heiligen Geist, wie zum Beispiel Klaus und Dorothee von Flüe.

Der gläubige Mensch ist eigentlich in vielem privilegiert. Auch darin, dass er mindestens eine zusätzliche Antenne hat, um Erkenntnisse, Wahrheiten zu empfangen. Er sieht mehr als andere. Die Augen des Glaubens sind für eine weitere Dimension offen – zwar selten so eindrücklich wie die Augen von Klaus von Flüe. Aber der gläubige Mensch sieht den Anderen anders. Er lernt ihn mit den Augen Gottes sehen. Weil er um vieles weiss, was jemand anderem unbekannt ist.

Impulse auf dem österlichen Glaubensweg

"Die Menschen jedoch haben Gott erkannt, ihn aber nicht als Gott geehrt und ihm nicht gedankt. ... Sie behaupteten, weise zu sein, und wurden zu Toren. ... Sie vertauschten die Wahrheit Gottes mit der Lüge, sie beteten das Geschöpf an und verehrten es anstelle des Schöpfers – gepriesen ist er in Ewigkeit."

Wenn wir jetzt noch einmal diese Sätze von Paulus hören, sind sie uns auch Stachel. Denn immer wieder kommen auch wir in Versuchung, das Geschöpf anstelle des Schöpfers anzubeten – angefangen uns selbst.

Wie steht’s denn um meine eigene religiöse Weiterbildung?

Wir haben eine arbeitsteilige Gesellschaft und das hat seine Vorteile. Ich muss nicht wissen, wie es in meinem Computer drin funktioniert. Wenn ich ein Problem damit habe, gehe ich zu einem Fachmann, der mir die Sache repariert.

Es gibt aber Bereiche im Leben, deren Probleme kann man nicht delegieren. Den existenziellen Fragen muss sich jeder selbst stellen. Erstaunlich nur, dass so viele Christen in Glaubensfragen noch in den Kinderschuhen stecken. Die Weiterbildung in den Fragen, die mein Leben und Sterben und Tod; den Sinn meines Lebens und des Lebens aller betreffen; um diese Weiterbildung muss ich mich selber kümmern, die ist nicht delegierbar. Bruder Klaus hat das damals für ihn Mögliche an Weiterbildung getan. Wie viel Zeit und Interesse investiere ich in mein Glaubensleben?

Das erste und wichtigste ist immer die Pflege der Gottesbeziehung, also des Gebets. Das Gebet bringt mich unmittelbar in die richtige Lebensperspektive: Ich zeige durch Haltung, Worte und Gesinnung, dass ich nicht die Mitte der Welt bin, sondern dass ich mich dir, Gott verdanke und also um meine Unzulänglichkeit und Endlichkeit weiss. Im Gebet lerne ich aber auch, mich selbst zu sein und dass ich Gott wirklich nichts vormachen muss, da er mich annimmt, liebt, wie ich bin. Bruder Klaus hat an den 7 kanonischen Stunden, über den Tag – und die Nacht – verteilt, das Leiden unseres Herrn Jesus Christus betrachtet und darob gebetet. Ein Anfang oder Neuanfang für uns wäre doch schon das Nachtgebet vor dem Schlafengehen, ein Morgen- und das Tischgebet: Gott ehren und ihm danken (vgl. den zitierten Abschnitt aus Röm).

Wenn Klaus hätte lesen können und eine Bibel erschwinglich gewesen wäre (Bücher waren damals weitgehend noch auf Pergament geschrieben, d.h. Ziegenhäute, teuer), dann hätte er wohl täglich darin gelesen. Wir haben das Wort des lebendigen Gottes im Bücherregal und schauen doch lieber Mord und Todschlag im Fernsehen. Etwa das Markusevangelium ganz durchzulesen erfordert etwa 2 1/2 Stunden; ein erfülltes Abendprogramm. Aber seien Sie gewarnt: es birgt aber die Kraft in sich, Ihr Leben ändern – nur immer zum besseren!

     
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