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Gottes Kraft in menschlicher Schwäche

       
   

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Predigtvorschlag für Bruder-Klausen-Fest und Friedensmessen 2002
Schriftlesung: 2 Kor 12. 9b-10

Vielleicht haben Sie einmal auf einer Bergwanderung im Frühsommer beobachtet, wie ein Schneefeld in eine Eiskruste ausläuft. Die angrenzende Bergwiese ist dicht besät von Soldanellen und Berganemonen. Und Sie haben gestaunt: Eine winzig kleine, zarte Soldanella hat sich ein Loch durch die Eisschicht geschmolzen, guckt heraus und wiegt ihr Köpfchen im kalten Bergwind.

die Eisschicht geschmolzen, guckt heraus und wiegt ihr Köpfchen im kalten Bergwind. Ein Bild, wie wir diese Welt und uns in dieser Welt erleben. Uns weht ein rauer Wind entgegen.
- Der 11. September 2001 hat Spuren hinterlassen, auch in der Schweiz.
- Sind die Vorgänge in Zug ein Signal für das politische Klima der Zukunft?
- Wird die Wirtschaft im Zeichen der Globalisierung stabil bleiben?
- Können Familien, Betriebe und Pfarreien noch Geborgenheit schenken?
- Bröckeln ethische Grundsätze und Glaubensüberzeugungen weiter ab?
- Wie lange werden Gewalt und Terror vor unseren Grenzen Halt machen?

In dieser rauen Welt erleben wir uns als zarte Pflanzen, hilflos fremden Gewalten ausgesetzt, ohnmächtig, etwas zum Besseren zu verändern. Viele Menschen sind müde geworden, fühlen sich überfahren und überfordert. Sie glauben nicht mehr an eine hoffnungsvolle Zukunft. Wird es uns ähnlich gehen wie jüdischen und palästinensischen Jugendlichen, die alle Hoffnung auf Frieden in ihrem Land aufgegeben haben?

Dabei braucht die Welt Menschen, die ‚Hoffnung’ wie eine Glut in sich tragen und an andere weiterreichen. Gehören wir zu ihnen? Ich weiss es nicht. Aber heute wollen wir nachdenken, was uns Grund zur Hoffnung gibt? Und wie Hoffnung in uns Wurzel fassen kann?

I Im Blick auf Bruder Klaus und Dorothee

A) stellen wir zunächst nüchtern fest: Die ‚gute alte Zeit’, in der Bruder Klaus lebte, war nicht so gut, wie wir heute meinen; sie war wirr und verwirrend:

Kaum hatte Niklaus von Flüe politische Verantwortung übernommen, erlebte er, wie jugendliche Horden brandschatzend und plündernd durch das Land zogen und Eroberungszüge unternahmen - zuerst in den Thurgau, später gegen Genf. Die siegreichen Burgunderkriege steigerten die Lust auf den grausamen Krieg auf ein Maximum.

Auch im politischen und wirtschaftlichen Bereich erlebte er viel Ungutes. - Da gab es zweifelhafte Einbürgerungen nur um des Geldes willen. - Viele Politiker liessen sich ‚Pensionen’ auszahlen, um Söldner anzuwerben. - Auch mit käuflichen Richtern hatte er zu tun. Aus ihrem Mund sah er einmal feurige Flammen hervorbrechen.

Niklaus von Flüe stand ihm eisigen Wind seiner Zeit. Er war nicht der Moralprediger, der Missstände lautstark anprangert, nicht der Missionar, der seine Lebensweise anderen aufdrängen wollte. Er nahm alles auf und litt es in seinem Herzen durch. Er suchte verborgen und zielstrebig seine Linie und lebte sein Leben. Durch alles hindurch zog sich die Sehnsucht nach dem ‚einig Wesen’. Er wollte ganz und gar mit Gott verbunden sein, aus seiner Kraft leben.

B) Die Herausforderung traf auch das Ehepaar Klaus und Dorothee von Flüe. Niklaus - auf dem Höhepunkt des öffentlichen Wirkens angekommen - ertrug nicht mehr, was er sah - und zog sich aus allen Ämtern zurück. Eine innere Stimme sagte ihm: ‚Verlass alles, auch das Liebste, Frau und Kinder, Hof und Heimat!’ Eine quälende Schwermut drückte ihn zu Boden. In seiner Not vertraute er sich nicht nur einem Priester, sondern auch seiner lieben Frau an. Gemeinsam erlitten sie die Herausforderung Gottes und suchten die Frage zu beantworten: ‚Was will Gott tatsächlich von uns?’

In der Familie von Flüe galt, was Bruder Klaus später dem Rat von Bern schrieb. ‚Gehorsam ist die grösste Ehr, die es im Himmel und auf dem Erdreich gibt.’ Aber Gehorsam ist nicht nur Gott, sondern auch den Mitmenschen geschuldet. So ergänzte er: ‚Darum sollt ihr schauen, dass ihr einander gehorsam seid.’

Hinhorchen und Gehorchen hatte schon der junge Mann und Politiker eingeübt. Der Gatte und Vater vermittelte diese Grundeinstellung auch seiner Familie. Klaus und Dorothee verstanden es, aufeinander zu ‚horchen’. Da wurde nichts behauptet und durchgesetzt, sondern alles besprochen und gemeinsam beschlossen. Dorothee ‚horchte’ aufmerksam auf alles, was ihren Mann bewegte. Niklaus ‚horchte’ auf Dorothee und sah das Schwere, das Gott ihr zumutete.

Dabei hatten Beide unterschiedliche Voraussetzungen: Niklaus hörte Gottes Stimme, sah Bilder und erlebte geheimnisvolle Visionen. Dorothee hatte nichts anderes als ihr Vertrauen und ihre Liebe zum Partner. Ihm hatte sie sich anvertraut und übergeben, ihn hatte sie begleitet auf den Gipfel seiner Karriere; sie ahnte sein Geheimnis und suchte zu verstehen.

Niklaus wollte nicht ‚verfügen’, nur bitten, dass Dorothee auf seinen inneren Ruf eingehe. Nach langem Ringen gaben Frau und Kinder ihr Einverständnis. Niklaus konnte Abschied nehmen und das Eremitenleben beginnen.

Der raue Wind ist auch in die Familie von Flüe gefahren. Aber sie überwanden ihre Not, weil sie aufeinander horchten und gemeinsam Gott gehorchten.

II Hoffnung in unserem eigenen Leben

Wir haben am Anfang unserer Überlegungen gestaunt, woher wohl die zarte Soldanella am Rande des Schneefeldes die Kraft bekommt, einen Eispanzer zu durchschmelzen? Sie holt aus dem Boden Nährstoffe und Wärme. Wie konnten Niklaus und Dorothee dem rauen Klima trotzen und Zuversicht ausstrahlen? Sie haben im ‚Gehorsam zueinander’ die nötige Wärme gefunden und im gemeinsamen ‚Gehorsam zu Gott’ an seiner Allmacht teilgenommen.

Damit ist auch unsere Aufgabe skizziert: Auch wir stehen im rauen Wind. Auch wir leiden an unserer Schwachheit. Aber auch wir haben eine Kraftquelle, wie die kleine Soldanella.

Die eine Kraftquelle:
Gott hat viel Gutes und Brauchbares in unser Inneres gelegt. Niklaus und Dorothee haben dieses gute Geschenk Gottes sorgfältig entfaltet, vor allem durch ihre Hochachtung und Liebe. Ihr Umgang miteinander war geprägt vom ‚Einander gehorchen’. - Könnte dieses ‚Einander gehorchen’ nicht auch zum Merkmal unserer Familien werden?

Die wichtigste Kraftquelle
haben wir in der Tiefe unserer Verwurzelung, bei Gott. Gott hat Bruder Klaus und Dorothee bis zum Letzten herausgefordert. Sie haben im Gehorsam geantwortet: ’Wir nehmen Deinen Willen an, auch wenn er uns das Liebste abfordert.’

Wenn wir uns Gott im gleichen Glauben anvertrauen, dann werden auch wir mehr empfangen, als wir geben. Dann ist die Allmacht Gottes auf unserer Seite, wie bei Bruder Klaus und Dorothee.

Wir wollen zum Schluss einen Politiker unserer Tage zu Wort kommen lassen - Vaclav Havel, den tschechischen Staatspräsidenten. Vor der Wende hielt er der kommunistischen Propaganda stand. -
Ich weiss nicht, ob Havel ein Christ ist. Aber seine Worte sind uns nahe - und machen uns Mut:

‚Sie kennen sicher den Schmetterlingseffekt: Es ist die Vorstellung, dass alles auf der Welt in einer so geheimnisvollen und komplexen Verbindung zueinander steht, dass der kaum merkliche und ganz bedeutungslose Flügelschlag eines Schmetterlings am einen Ende des Planeten an einem Tausende Kilometer entfernten Ort einen Taifun hervorrufen kann.’

Da sträubt sich etwas dagegen. Können wir das so glauben? Vaclav Havel bleibt hart:

‚Ich bin der Meinung, dass man in der Politik an diesen Effekt glauben muss. Man darf nicht denken, dass unsere zwar mikroskopischen, in Wirklichkeit jedoch einmaligen tagtäglichen Taten nur deswegen keinen Sinn haben, weil sie die gigantischen Probleme der heutigen Welt nicht lösen können. In der Welt einer globalisierten Zivilisation kann nur derjenige verzweifeln, der nach einem technischen Trick zu ihrer Rettung sucht. Für denjenigen aber, der ganz bescheiden an die geheimnisvolle Kraft des eigenen menschlichen Seins glaubt, das ihn mit der geheimnisvollen Kraft des Seins der Welt verbindet, gibt es überhaupt keinen Grund zu verzweifeln.’

Versuchen wir das Gleiche mit christlichen Worten zu formulieren:

  • Als einzelne sind wir tatsächlich nicht mehr als der bedeutungslose Flügelschlag eines Schmetterlings - oder eine winzig kleine Soldanella.
  • Aber wir sind überzeugt: Gott hat etwas Einmaliges in uns hinein gelegt. Allein was ist das - angesichts der zu lösenden Probleme?
  • Als Christen wissen wir uns mit der Allmacht Gottes verbunden. Deswegen - und nur deswegen -
    kann der Flügelschlag eines Schmetterlings einen Taifun erzeugen, deswegen - und nur deswegen - kann die kleine Soldanella ein Loch durch das Eis schmelzen und dem eisigen Bergwind trotzen.

Nehmen Sie diese Zuversicht in ihr Herz auf. Tragen Sie Hoffnung und Freude in ihre Familien zurück.
Und wenn Sie schon etwas tun wollen für eine bessere Welt, verstärken sie nicht den Eispanzer und den rauen Wind, sondern holen Sie Kraft aus der Tiefe und geben Sie diese Kraft weiter. Amen

Pater Josef Banz, Pilatusstrasse 2, Postfach 126, CH-6072 Sachseln

Tel: 041 660 12 65 / seelsorgebruderklaus.com

     
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